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Commerzbank-CFO: EBA hat Basel III „zunichte gemacht“

ESFS, ESA, ESMA, ESRB, EIOPA. Wer in der aktuellen Diskussion um die Reform der Finanzmarktaufsicht den Überblick behalten will, sollte ein umfangreiches Abkürzungsverzeichnis bereit halten. Wer keins hat, dem bleibt vor allem eine Erkenntnis: Alles dreht sich um E wie Europa. Dabei sind sich zwar alle einig, dass die Finanzmarktaufsicht europaweit harmonisiert werden muss. So sagt Allianz-Risikovorstand Oliver Bäte auf dem CDU/CSU-Kongress „Krisen vorbeugen – Finanzaufsicht stärken“ am 26. März 2012 in Berlin: „Wir brauchen eine einheitliche Architektur. Wir haben in der Krise gesehen, dass nationale Besonderheiten ausgenutzt wurden, um Arbitrage zu betreiben.“ Auch die nationalen Regulierer wünschen sich die Harmonisierung – auch wenn sie damit ein Stück weit Kompetenzen abgeben. So sagt die neue BaFin-Chefin Elke König im FINANCE-Interview: „Die Märkte in Europa wachsen mehr und mehr zusammen. Es gibt keine Alternative zu einer europäischen Finanzmarktaufsicht.“ 

Exklusiv: Die neue BaFin-Chefin Elke König im FINANCE-Interview über Finanzmarktaufsicht, Schattenbanken und die Entwicklung des Kreditangebots für Industrieunternehmen.

Kein Geld mehr für die Energiewende

Gleichwohl schaut die Industrie besorgt nach Europa. Commerzbank-CFO Eric Strutz steht der Harmonisierung kritisch gegenüber: „Alle reden immer von europäischen Banken. Es gibt Banken in Europa, keine europäischen Banken. Solange wir keine Fiskalunion haben, werden die Banken einzelnen Länder unterschiedliche Probleme haben.“ Insbesondere die Geschwindigkeit, mit der die Regeln derzeit geändert werden, sei ein großes Problem in der Kapitalbeschaffung. Dabei kritisiert Strutz in erster Linie die Stresstests: „Der EBA-Stresstest hat Basel, ein zuverlässiges Framework mit sauberen Übergangszeiten, zunichte gemacht.“ Strutz fordert, dass die Stresstest nicht öffentlich diskutiert würden, denn die damit einhergehende Verwirrungen der Kapitalmärkte sei kontraproduktiv für die Kapitalbeschaffung. 

Der Allianz-Risikovorstand Oliver Bäte warnt vor unerwünschten Nebeneffekten von schnellgestrickten Regulierungsinitiativen. So sei die Versicherungswirtschaft die wichtigste institutionelle Investorengruppe in Europa. Dies setze aber voraus, dass die Regulierung wie bisher anerkennt, dass Versicherungen zusammen mit Pensionsfonds die „stabilsten Verbindlichkeiten dieser Welt“ haben. Solvency II – das Basel-Äquivalent für die Versicherungswirtschaft – verlange aber, dass Versicherungen Kapital für Volatilitäten vorhalten, die sie überhaupt nicht betreffen würden. Solvency II vereitele damit Investitionen in langfristige Infrastrukturmaßnahmen: „Wir würden gerne in die Energiewende investieren, aufgrund der Kapitalvorschriften von Solvency II ist uns dies nur schwer möglich.“

Hilflose Regulierer

Ein weiterer unerwünschter Nebeneffekt, der die Gemüter derzeit erhitzt, ist die Verlagerung von Risiken in den Schattenbankensektor. Dabei stehen die Regulierer hier erst ganz am Anfang. So geht es für König jetzt erstmal um Transparenz: „Je mehr Aufsicht wir im regulierten Bereich haben, umso größer ist das Risiko, dass Dinge in den unregulierten Bereich abwandern. An erster Stelle müssen wir Transparenz schaffen und wissen, welche Verbindungen zwischen den regulierten Banken und den Schattenbanken bestehen. Diese Verbindungen müssen wir letztlich regulieren. Aber auch die Schattenbanken selbst.“
Mitte März hatte auch die EU-Kommission mit ihrem Grünbuch versucht, sich den Schattenbanken anzunehmen. Dabei zeigt dieser Entwurf vor allem, wie schwer sich die Regulierer mit dem Thema tun. Recht hilflos werden im Grünbuch mögliche Schattenbankakteure wie Geldmarktfonds, Anlagefonds und Zweckgesellschaften aufgezählt, gleichzeitig gesteht man ein, dass Schattenbanken ihre Organisations- und Rechtsform schnell anpassen können, um sich einer Regulierung zu entziehen. König findet, dass Barnier  auf dem richtigen Weg sei: „Im Grünbuch hat die EU-Kommission das aufgegriffen, was derzeit in Basel beim FSB erarbeitet wird. Ich sehe hier weder eine Konkurrenz noch Ansätze, die nicht zusammenpassen. Dass die EU diese Themen frühzeitig aufgreift, finde ich sehr positiv.“ 

Konzentration auf das Kerngeschäft?

CCFOs jenseits der Finanzbranche werden sich mit den Aufsichtsreformen nur dann auseinandersetzen müssen, wenn sie mit einer Verknappung oder Verteuerung von Fremdkapital einhergehen. Während die Aussagen von Bäte und Strutz durchaus in diese Richtung zielen, sieht König diese Gefahr nicht. Im Gegenteil: „Die Banken reagieren auf die neue Regulierung mit einer Diskussion über eine Konzentration auf das Kerngeschäft. Ich mache mir derzeit keine Sorgen, dass Kredite in Deutschland knapp werden“, beruhigt König.

katharina.schlueter(*)finance-magazin(.)de

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