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Commerzbank gibt Teil des Kapitalmarktgeschäfts an Oddo BHF ab

Die Commerzbank macht künftig gemeinsame Sache mit der deutsch-französischen Bank Oddo BHF.
kalpis - stock.adobe.com

Bei der Commerzbank geht es jetzt Schlag auf Schlag. Erst Ende vergangener Woche beschloss die Commerzbank einen massiven Stellenabbau – 10.000 Arbeitsplätze will die Bank bis 2024 abbauen, auch das Firmenkundengeschäft ist betroffen.

Nun folgt der nächste Streich der neuen Commerzbank-Strategie – im Kapitalmarktgeschäft: Die Frankfurter lagern den Aktienhandel sowie das Aktienresearch an die deutsch-französische Bank Oddo BHF aus. Das teilte die Commerzbank soeben mit. Knapp 100 Mitarbeiter sollen von dieser Entscheidung betroffen sein, schreibt dazu die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf mit der Sache vertraute Personen.

Oddo BHF wird „exklusiver Partner“ der Commerzbank

Konkret sieht die neue Zusammenarbeit so aus: Oddo BHF wird die Commerzbank im Bereich „Brokerage“ künftig als exklusiver Partner unterstützen. Die Commerzbank bleibt aber weiterhin der erste Ansprechpartner für die eigenen Firmenkunden, betonen die Gelben. Diese sollen nun bei Eigenkapitaltransaktionen von der geografisch und sektoral breiter aufgestellten Plattform beider Banken profitieren, was ihre Vertriebskraft erhöhe. Das institutionelle Aktienresearch bieten die Frankfurter hingegen perspektivisch nicht mehr selbst an, dies übernimmt Oddo als Kooperationspartner.

„Mit der Kooperation richten wir unser Kapitalmarktgeschäft noch konsequenter auf die Bedürfnisse unserer Kernkunden aus. Zugleich ermöglicht sie uns, Kosten und Komplexität zu reduzieren, ohne Kompromisse beim Kundenservice einzugehen“, sagte Vorstandsvorsitzender Manfred Knof. Damit folgt der Commerzbankchef seiner im Februar angekündigten Strategie, zu der neben der Reduktion der Konzernkomplexität und dem Personalabbau auch der Fokus auf profitables Firmenkundengeschäft mit Deutschlandbezug gehört.

Dass die Commerzbank den Aktienhandel und das -research auslagern möchte, kündigte Firmenkundenvorstand Michael Kotzbauer schon im März dieses Jahres gegenüber FINANCE an: „Für den Aktienhandel und -vertrieb sowie das Aktienresearch streben wir Kooperationen an. Wir möchten gemeinsam mit einem Partner im Equity-Bereich ein umfassenderes, paneuropäisches Angebot machen.“ Im Kapitalmarktbereich konzentriert sich die Bank auf den Primärmarkt und hat hier bereits das Geschäft mit strukturierten Handels- und Anlageprodukten veräußert.

Auch Oddo BHF ist derzeit dabei, das Firmenkundengeschäft neu auszurichten. So nimmt die deutsch-französische Bank die Bereiche Einkaufsfinanzierung, Working Capital und Supply Chain Finance stärker in den Blick. Zudem können sich die Franzosen vorstellen, ihr Kreditvolumen in den nächsten Jahren deutlich auszuweiten. Einen Rückzug plant die Bank hingegen aus dem Schuldschein- und dem Leveraged-Finance-Geschäft.

Commerzbank sieht M&A und ECM als Wachstumsfelder

Mit dem Abschied vom Aktienhandel und dem Research ist es aber für die Commerzbank noch nicht getan. Laut Kotzbauer wird zum Beispiel noch ein Kooperationspartner für den Aktienvertrieb gesucht. Darüber hinaus stehen noch weitere Punkte auf der Agenda der Commerzbank: So will die Bank die M&A-Beratung und das Equity Capital Markets (ECM)-Geschäft schärfer definieren. Im M&A-Geschäft sehen die Frankfurter zum Beispiel größeren Bedarf bei der Beratung von Nachfolgelösungen im Mittelstand.

Grundsätzlich sieht die Bank das ECM- und M&A-Geschäft aber eher als „Wachstumsfelder mit Blick auf künftige Restrukturierungssituationen“, erklärte Kotzbauer im März, und machte damals zugleich deutlich, dass bei der Commerzbank derzeit „Profitabilität vor Wachstum“ steht.

Die Commerzbank bekräftigte heute allerdings nochmal, dass das ECM-Geschäft weiterhin ein „wichtiger Eckpfeiler“ des Firmenkundengeschäfts der Commerzbank ist und den Kunden dementsprechend auch in der Zukunft „uneingeschränkt“ zur Verfügung steht. In dem Bereich will sie sich künftig auf die Beratung von mittelständische Firmen bei Börsengängen, Aktienplatzierungen, Kapitalerhöhungen oder Emissionen von Wandelanleihen konzentrieren.

Commerzbank beteiligte sich an Fintech 360x

Die Commerzbank muss dringend auf die Kostenbremse treten, schrieb sie doch im vergangenen Jahr einen 2,9 Milliarden Euro schweren Verlust. Um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen, wollen die Frankfurter die Kosten auf Gesamtbankebene bis 2024 um 1,4 Milliarden Euro pro Jahr reduzieren. Dies soll vor allem durch eine Verschlankung der Konzernstrukturen gelingen.

Die massiven Kosteneinsparungen sind allerdings nicht gleichzusetzen mit einem kompletten Investitionsstopp. Und welche Richtung die Bank derzeit investitionsseitig einschlägt, zeigt die Beteiligung an dem Fintech 360x gemeinsam mit der Deutschen Börse Ende April. „Wir arbeiten intensiv an der Weiterentwicklung unserer digitalen Produkte und Prozesse“, sagte Kotzbauer im Interview im März.

Medienberichten zufolge hat sich die Bank im niedrigen zweistelligen Prozentbereich eingekauft. Die Deutsche Börse bezahlte für knapp 50 Prozent der Anteile 10 Millionen Euro. 360x betreibt einen Marktplatz für digitale Anlageklassen. Gemeinsam mit der Deutschen Börse und 360x will die Commerzbank neue digitale Marktplätze und Ökosysteme für reale Vermögenswerte wie Kunstwerke oder Immobilien auf Blockchain-Basis entwickeln.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.