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Der nächste Bail-in kommt bestimmt

Lange Nacht in Brüssel: Eurogruppenchef Jeroem Dijsselbloem will Bail-ins zur Blaupause machen. Dafür braucht es aber klare Regeln.
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Jetzt ist es raus: Die Beteiligung der wohlhabenden Kontoinhaber an der Rettung Zyperns ist Vorbild für künftige Schieflagen in der Eurozone, hat Eurogruppenchef Jeroem Dijsselbloem angekündigt.

Machen wir uns nichts vor: Die Spareinlagen sind auf lange Sicht der einzige Weg, um die Bankenrisiken von den Staatsschulden zu entkoppeln. Aber dann ist es spätestens jetzt auch höchste Zeit, ein transparentes Regelwerk für künftige Bail-ins zu entwickeln. Die Blaupause dafür liefert der Kapitalmarkt: CoCo-Bonds, die sich automatisch in Eigenkapital wandeln, sobald die Kernkapitalquote des Emittenten eine vorher definierte Schwelle unterschreitet. Banken wie Lloyds, die Credit Suisse und die UBS haben solche Anleihen begeben und sich damit krisenfester gemacht.

Dieses Konzept auf Spareinlagen zu übertragen, wäre radikal, hätte aber zahlreiche Vorteile. Die pauschale Staatsgarantie auf Bankeinlagen würde dann nur noch für kleine Beträge gelten und wäre endlich glaubwürdig. Bail-ins wären keine Überraschung mehr und müssten nicht mühsam ausgehandelt werden. Und die Zinsen auf Spareinlagen würden die jeweiligen Bankrisiken besser widerspiegeln, denn riskante Banken müssten ihren Einlegern höhere Zinsen bieten. Unterm Strich würden die Zukunftsperspektiven der Banken ebenso robuster werden wie die Rettungszusagen der Politiker, schließlich fielen die Kosten der Bankenrettungen dort an, wo sie geschultert werden könnten – bei den vermögenden Privatkunden und nicht bei den überschuldeten Staaten.

Pures Desaster-Management ist nicht alternativlos

Die Zeit drängt, denn das Zypern-Drama kann sich jederzeit wiederholen. Die Bilanzsumme der Banken in Luxemburg beläuft sich auf 2.400 Prozent des BIPs. In Irland und Malta sind es – wie in Zypern – rund 700 Prozent, der Durchschnittswert in der EU liegt bei rund 350 Prozent. Diese Summen kann kein Rettungsfonds der Welt abschirmen.

Künftige Bail-ins werden aber nur dann ohne Chaos ablaufen, wenn es verbindliche, transparente Regelungen gibt. Wenn die Politiker stattdessen weiter auf lange Nachtsitzungen und pures Desaster-Management setzen, wird die Eurozone nicht zur Ruhe kommen. Dann bekommt Europa bald einen neuen Volkssport – den Bank Run.