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Deutsche Bank: Konzernumbau kostet weitere 700 Millionen Euro

700 Millionen Euro: So viel mehr Geld braucht die Deutsche Bank für den Konzernumbau. Foto: Deutsche Bank
700 Millionen Euro: So viel mehr Geld braucht die Deutsche Bank für den Konzernumbau. Foto: Deutsche Bank

Der Konzernumbau der Deutschen Bank verschlingt weitere Kosten: Wie CFO James von Moltke gestern auf einer Konferenz der Bank of America sagte, muss die Bank für ihre Restrukturierung weitere 700 Millionen Euro in die Hand nehmen. Etwa 400 Millionen Euro verbuchen die Frankfurter für IT-Kosten, weitere 200 Millionen Euro entfallen auf Mitarbeiterabfindungen. 100 Millionen Euro benötigt die blaue Bank zudem für die Reduktion und Optimierung von Büroflächen. Die Deutsche Bank bestätigte diese Zahlen auf Nachfrage von FINANCE.

Deutsche Bank strich bereits Kostenziel

Die Deutsche Bank hatte sich Ende Juli dieses Jahres von ihrem Ziel verabschiedet, bis 2022 die Kosten auf 16,7 Milliarden Euro zu senken. Die damalige Begründung: Die Transformation sei so „weit vorangeschritten“, dass man beim Kostenmanagement künftig auf die Aufwand-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio) blicke. Steigen also die Erträge, dürfen auch die Kosten zunehmen. Bis 2022 strebt die Deutsche Bank künftig eine Cost-Income-Ratio von 70 Prozent an.

In der Tat konnte die Deutsche Bank ihre Erträge im ersten Halbjahr dieses Jahres um 833 Millionen auf knapp 13,5 Milliarden Euro steigern, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Profitiert hat die Bank vor allem von einer geringeren Risikovorsorge und positiven Entwicklungen im Investmentbanking und Asset Management.

Ein schlechteres Bild zeigt sich im Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank, das diese in der Unternehmensbank bündelt. Hier fielen die Erträge im ersten Halbjahr dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro. Dennoch genießt die blaue Bank bei deutschen CFOs und Treasurern ein hohes Ansehen und hat sich im aktuellen FINANCE-Banken-Survey wieder den ersten Platz gesichert.

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James von Moltke, Deutsche Bank AG

James von Moltke

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Deutsche Bank AG

Fitch und Moody’s heben Rating der Deutschen Bank an

Trotz gemischtem Bild bei den Erträgen der Bank scheint die Deutsche Bank bei ihren Restrukturierungsplänen aber gut voranzukommen. Dies bescheinigt unter anderem die Ratingagentur Fitch, die am gestrigen Donnerstag das Rating der Frankfurter von BBB auf BBB+ angehoben hat. Den Ausblick belässt Fitch auf „positiv“. In dem Bericht dürften die höheren Restrukturierungskosten allerdings noch nicht berücksichtigt sein. 

Die konkrete Begründung der Ratingagentur: „Die Hochstufungen spiegeln die guten Fortschritte und die zunehmend überschaubareren Herausforderungen in Folge der 2019 eingeleiteten Umstrukturierung wider. Wir erwarten, dass [die Bank] auch in der zweiten Jahreshälfte 2021 und 2022 auf einem guten Weg bleiben wird.“

Den positiven Ausblick erachtet Fitch als gerechtfertigt, da die Deutsche Bank das Potential habe, die Marktanteile im Investmentbanking zu vergrößern und die derzeit „immer noch schwache“ Cost-Income-Ratio zu verbessern. Sollte die Deutsche Bank ihre Restrukturierung erfolgreich abschließen, würde Fitch sogar erwägen, ein A-Rating auszustellen.

Mit dieser Einschätzung schließt sich Fitch dem Wettbewerber Moody’s an: Die US-Agentur hatte das Rating der Deutschen Bank bereits Anfang August von A2 auf A3 angehoben. Auch Moody‘s begründete die Hochstufung damals mit der guten Entwicklung bei der Erreichung der Mittelfristziele, speziell was die derzeit noch „moderate“ Profitabilität der Bank angehe.

Die Rating-Hochstufungen sind gute Nachrichten für die Frankfurter, denn ein besseres Rating sorgt auch dafür, dass sich die Deutsche Bank zu geringeren Refinanzierungskosten Kapital beschaffen kann. Vorstandschef Christian Sewing bezeichnete die Upgrades denn auch als „weiteren Meilenstein in unserer Transformation“.

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Deutsche Bank sucht Nachfolger für Paul Achtleitner

Neben dem 2019 eingeleiteten Konzernumbau steht auch die Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef auf der Agenda der Deutschen Bank. Der bisherige Vorsitzende Paul Achtleitner hatte angekündigt, auf der Hauptversammlung im kommenden Jahr nicht zur Wiederwahl anzutreten. Nun wird bereits über die Nachfolge spekuliert. Es ist nicht unüblich, dass Vorstandsvorsitzende, in diesem Fall wäre das Christian Sewing, auf den Aufsichtsratschefposten wechseln, wenn dieser frei wird. Ihm werden aber keine Ambitionen auf diese Position nachgesagt.

Als potentielle Kandidaten gehandelt werden der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge der Ex-PwC-Deutschland-Chef Norbert Winkeljohann sowie der Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer, die bereits Teil des Aufsichtsrats der Deutschen Bank sind. Darüber hinaus falle immer wieder der Name des ehemaligen Bundesbank-Präsidenten und heutigen UBS-Verwaltungsratsvorsitzenden Axel Weber.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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