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Deutsche Bank vor Stopp von Postbank-Verkauf

Die Deutsche Bank prüft offenbar eine Eingliederung ihrer Bonner Tochter Postbank.
Postbank

Mitten in einer turbulenten Zeit steht bei der Deutschen Bank eine wegweisende Entscheidung an: Das größte deutsche Bankhaus prüft die Vollintegration der Tochter Postbank. Das haben mit den Vorgängen vertraute Personen der F.A.Z. berichtet. Die Integration soll demnach Thema der heutigen Aufsichtsratssitzung sein. Erste Gerüchte dazu gab es bereits im Sommer. Die Deutsche Bank hatte die Postbank im Jahr 2010 gekauft.

Laut den Plänen könnten das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank und der Postbank in einer gemeinsamen Holding unter dem Dach der Deutschen Bank gebündelt werden. Die Postbank, die rund 14 Millionen Privatkunden hat, bliebe dann nur noch als Marke bestehen.

Integration würde Refinanzierung der Deutschen Bank erleichtern

Durch diese Konstruktion hätte die Deutsche Bank einen besseren Zugriff auf die Einlagen der Postbank-Kunden, was CFO Marcus Schenck die Refinanzierung erleichtern würde. Zuletzt waren die Refinanzierungskosten der Deutschen Bank am Kapitalmarkt spürbar angezogen.

Außerdem könnte die Deutsche Bank im Zuge einer tieferen Integration mehr Synergien im Privatkundengeschäft nutzen. Die Eingliederung des Postbank würde auch Investmentbanking und Privatkundengeschäft stärker voneinander trennen, was dem Willen der Aufsichtsbehörden entgegen käme. Der Preis dafür wären aber wohl umfangreiche Arbeitsplatzverluste im Privatkundenbereich der Deutschen Bank.

Verkauf der Postbank war bisher erfolglos

Ein solcher Schritt wäre eine Rolle rückwärts für das Geldinstitut. Seit eineinhalb Jahren schon versucht die Deutsche Bank die Postbank zu verkaufen – allerdings ohne Erfolg. Die Bank hat bereits alle Voraussetzungen für einen Verkauf getroffen und beispielsweise die Computersysteme der beiden Institute voneinander getrennt. Nun aber wollen die Investoren nicht länger warten und verlangen klare Schritte.

Zumal sich an der Rechtsfront neues Unheil für die Deutsche Bank anbahnt: Ein US-Gericht hat eine Klage des Vermögensverwalters Blackrock gegen die Deutsche Bank zugelassen. Damit droht der Bank in den USA eine weitere Milliardenstrafe, die mit den faulen Hypothekenkrediten aus der Zeit der Finanzkrise zusammenhängt. Diverse Fondsgesellschaften, für die die Deutsche Bank treuhänderisch Portfolios verwaltet hatte, behaupten, sie hätten 76 Milliarden Dollar verloren, weil die Bank sie nicht ausreichend vor den Risiken von Hypothekenpapieren gewarnt hatte.

Deutsche Bank: 14-Milliarden-Dollar-Forderung steht im Raum

Parallel dazu fordert das US-Justizministerium eine Rekordsumme von 14 Milliarden Dollar von der Deutschen Bank, ebenfalls wegen Geschäfte am US-Immobilienmarkt. Die Bank verhandelt unter Hochdruck über eine Reduktion der Forderung, die sie als viel zu hoch ansieht – bislang ohne Ergebnis.

Würden beide Klagen zu milliardenschweren Strafzahlungen führen, wäre das für die Deutsche Bank fatal: Für Rechtsstreitigkeiten hat sie bislang nur 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

julia.schmitt@finance-magazin.de | + posts

Julia Schmitt ist Redaktionsleiterin von FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stieg sie 2014 bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA ein. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung und Bilanzierung und ist Trägerin des Karl Theodor Vogel Preises der Deutschen Fachpresse.

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