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Energiewende: KfW senkt Zinsen auf Rekordtief

Die Energiewende stockt. Der Test-Windpark Alpha Ventus in der Nordsee steht in Deutschland immer noch alleine da.
Jan Oelker

Der gestern vorgelegte Halbjahresbericht der KfW hat es in sich. Er zeigt, wie sehr sich die Förderbank inzwischen strecken muss, damit die stockende Energiewende nicht ins Trudeln gerät. So erreichte der Anteil von Finanzierungen für Projekte der Energiewende im ersten Halbjahr den Rekordwert von 41 Prozent der Gesamtfinanzierungen der KfW. Dies entspricht 12,1 Milliarden Euro. Bis zum Jahresende soll die Quote zwar wieder auf 36 Prozent zurückgehen, aber mittelfristig bleibt der Trend aufwärts gerichtet: „In den nächsten fünf Jahren wollen wir Darlehen über 100 Milliarden Euro für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz ausreichen“, kündigte KfW-Chef Ulrich Schröder an.

Finanzchefs von Unternehmen bis zu einer Umsatzgrenze von 500 Millionen Euro können die Gelder zu Zinsen abgreifen, die so niedrig sind wie nie zuvor. Unternehmen der besten Bonitätsklasse können sich jetzt für fünf Jahre zu Fixzinsen von 1 Prozent bei der KfW finanzieren. Der höchste Zinssatz für die Kreditnehmer schlechtester Qualität sinkt auf 6,6 Prozent und gilt für Kredite mit einer Laufzeit von 20 Jahren bei 10 Jahren Zinsbindung. Quer über die Laufzeiten und Bonitätsklassen hat die KfW die Zinsen um 20 bis 40 Basispunkte gesenkt. Damit gibt die KfW ihre gesunkenen Refinanzierungskosten an die Kreditnehmer weiter.  

Tennet-Spekulationen verdichten sich

Eine noch größere Rolle als in der Finanzierung von Energieeffizienzprojekten könnte die Frankfurter Großbank demnächst bei Offshore-Windparks spielen. Seit einer Krisensitzung, die gestern im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin stattgefunden hat, verdichten sich die Spekulationen, dass der Bund die KfW bald anweisen werde, sich direkt am Eigenkapital des niederländischen Netzbetreibers Tennet zu beteiligen. Der Netzbetreiber ist mit der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz finanziell überfordert. „Das kommentieren wir nicht, das ist eine politische Entscheidung des Bundes“, erklärte ein KfW-Sprecher gegenüber FINANCE.

Weil nach wie vor ungeklärt ist, wer für die Verzögerungen beim Netzanschluss haftet, hat die KfW im ersten Halbjahr keinen einzigen Offshore-Windpark mehr finanziert. 2011 hatte sie noch mit dreistelligen Milliardensummen die Großprojekte Meerwind und Global Tech 1 angeschoben.

KfW-Gewinn sinkt, Risikovorsorge steigt

Dass die KfW immer mehr zum Motor der Energiewende wird hinterlässt aber schon jetzt Spuren in der Bilanz. Im ersten Halbjahr stieg die Bilanzsumme der Bank gegenüber dem Jahreswechsel um 21,7 Milliarden auf 516,5 Milliarden Euro an. Die Kreditrisikovorsorge musste vor allem auf Grund fauler Kredite im Schifffahrtsbereich um 166 Millionen Euro aufgestockt werden, nachdem die KfW im Vorjahr noch Rückstellungen in Höhe von 169 Millionen auflösen konnte. Obwohl die KfW von dem günstigen Zinsumfeld profitierte und ihren Zinsüberschuss um gut 200 Millionen auf 1,43 Milliarden Euro ausweiten konnte, sank der Nettogewinn vor der Preisveränderung von Derivaten um 20 Prozent auf 940 Millionen Euro. 

Wie riskant das immer weiter anwachsende Engagement im Bereich der Erneuerbaren Energien ist, zeigt ein Blick auf das bilanzielle Eigenkapital. Mit 19,1 Milliarden Euro ist der Puffer für etwaige Verluste aus Großengagements im Offshore-Windgeschäft angesichts der in Aussicht gestellten zusätzlichen 100 Milliarden Euro recht dünn.

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