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Finanzkrisen drohen immer

Viele Banker halten die neuen Liquiditätskennziffern für kontraproduktiv.
iStock / Thinkstock / Getty Images

„Nie wieder Lehman!“ ist das Credo vieler Bankkunden und Regulierer. Daher kommen mit dem Regulierungspaket Basel III neue, strengere Regeln auf Banken zu. Doch der Großteil der Bankverantwortlichen, die jüngst von der Beratungsfirma Logica und dem F.A.Z.-Institut befragt wurden, halten die neuen Kennziffern zur Liquiditätssteuerung sogar für weniger effektiv als bisherige Vorgaben. Zwei Drittel der Studienteilnehmer halten die künftig geforderten Kennziffern als Frühindikatoren für Liquiditätsengpässe für nicht geeignet, auch wenn sie das Risikoverhalten von Kreditinstituten gravierend verändern dürften.

Für Finanzvorstände in Unternehmen ist die Studie „Der schwarze Schwan im Stresstest“ ein weiterer Beweis dafür, dass sie sich mit Basel III auf höhere Kreditkosten oder zumindest deutlich schwierigere Kreditverhandlungen einstellen müssen. Denn 62 Prozent der befragten Banken sehen steigende Kosten als eine der größten Herausforderungen der Liquiditätsanforderungen. Dies trifft ganz besonders auf kleine Banken zu.

Kampf um Einlagen

Um den neuen Anforderungen zu genügen, müssen viele Banken zudem ihre Portfolios umstrukturieren. Zwar erreichen gut 70 Prozent nach eigenen Angaben aktuell die künftig geforderten Werte, 59 Prozent aber wollen ihre Liquiditätsreserven dennoch durch Bargeld, Zentralbankreserven oder Staatsanleihen aufstocken. Knapp die Hälfte plant die verstärkte Aufnahme von Spareinlagen.

Das aber bringt neue Risiken mit sich. „Entbrennt zum Beispiel ein Wettbewerb um Einlagen, wechseln Kunden schneller ihre Bank, und die Anlageklasse verliert an Stabilität“, erklärt Marco Burk, Head of Financial Services bei Logica in Deutschland. Die größte Schwierigkeit liegt deshalb darin, „dass sich die Regulierer auf Risikofaktoren beschränken, die aus vergangenen Finanzkrisen bekannt sind“. An neuen, noch unbekannten Risikophänomen, müssten die Vorgaben zwangsläufig scheitern. Hierauf könnten sich Banken nur so vorbereiten, dass sie mit weniger komplexen und damit letztlich auch weniger rentablen Geschäftsmodellen arbeiten, so Burk.

Ob weniger komplexe Geschäftsmodelle für Banken automatisch weniger rentabel sein müssen, sei dahingestellt. Viele Banken setzten geradezu auf eine Reduktion von Komplexität, um mit weniger Produkten wieder bessere Margen zu erzielen. Allerdings zeigt die Studie auch Finanzvorständen in anderen Branchen, dass unter dem Basel-III-Regime Vorsicht in der Finanzierung geboten ist. Schließlich ist es die Natur des  „Schwarzen Schwans“, immer dort aufzutauchen, wo man ihn nicht erwartet.

 

armin.haeberle[at]finance-magazin.de