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Für Banken könnte Wegzug aus London teuer werden

Drei globale Investmentbanken wollen Jobs von London in das britische Umland verlagern.
iStock / Thinkstock / Getty Images

London ist ein teures Pflaster. Dem wollen nun einige globale Investmentbanken entgehen, indem sie in den kommenden Jahren einige Stellen von der Londoner City in andere Orte Großbritanniens verlagern. Das berichtet die Financial Times. Demnach will die Bank of America in den kommenden zehn Jahren bis zu 2.000 Mitarbeiter aus ihrem Back- und Middle-Office von London nach Chester verlagern. J.P. Morgan Chase  plane in den nächsten drei Jahren rund 1.000 Jobs nach Bournemouth zu verlegen und noch einmal eine ähnliche Anzahl an Stellen nach Asien, schreibt die Zeitung weiter. Die Deutsche Bank wolle Sales Traders künftig in Birmingham beschäftigen, heißt es. Damit könnte Deutschlands größtes Geldhaus der FT zufolge unter den ersten sein, die Stellen mit Kundenkontakt in eine Stadt außerhalb Londons verlegen.

Mit Verlagerung Kosten senken

Mit diesem Schritt wollen die Institute offensichtlich ihre (Personal)kosten weiter senken. Das ungünstige Umfeld im Handel und bei Transaktionen sowie die schärferen Regulierungen, beispielsweise im Rahmen von Basel III, drücken die Gewinne und das Wachstum bei den Einnahmen der Investmentbanken. Einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge werden von den weltweit tätigen Instituten nur fünf bis zehn die nächsten drei bis fünf Jahre in der jetzigen Form überleben. Der Konsolidierungsprozess der Investmentbanken, bei dem rund 15 bis 20 Prozent der Überkapazitäten wegfallen, werde in den nächsten Jahren schneller vorangehen, heißt es dort.

Die Investmentbanken sind also gezwungen, ihre Geschäftsmodelle anzupassen und ihre Kosten zu senken, um profitabler zu werden und sich im starken Wettbewerbe zu behaupten. Neben dem Stellenabbau ist das sogenannte Near- und Offshoring eine Möglichkeiten, die Personalkosten zu reduzieren. Einige der europäischen Konzerne haben dies bereits vorgemacht.

Neue Mitarbeiter zu finden, ist nicht einfach

Doch mit der Verlagerung der Jobs allein ist es nicht getan. Die Banken werden zwar Geld sparen, weil die Arbeitskosten und Löhne außerhalb Londons günstiger sein werden, aber sie müssen die Verlagerung auch erfolgreich abschließen, um die Kostensynergien heben zu können. Das wird nicht unbedingt einfach werden. Denn nicht alle Banker werden sich von der pulsierenden Metropole London verabschieden und nach Chester, Bournemouth oder Birmingham ziehen. Und in diesen Städten solche qualifizierte Mitarbeiter zu finden, dürfte für die Banken auch nicht trivial werden.

Hinzukommt, dass sich auch die CFOs nicht über diesen Wandel freuen werden, wenn ihre Ansprechpartner nicht mehr in der Finanzmetropole London anzutreffen sind. Persönliche Treffen, um die Beziehung und das Vertrauen zu pflegen, dürften damit seltener werden. Im schlimmsten Fall suchen sich die Finanzchefs neue Relationship-Banken, die nach wie vor noch in der Londoner City vollumfänglich präsent sind.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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