Newsletter

Abonnements

Geldmenge: Ihr schöpft alle Geld!

Sascha Duis

Größere Unternehmen lassen derzeit die Geldmenge in Europa anschwellen. Das ist erst mal überraschend, wird Geld doch über Kredit geschöpft. Aus vielen Teilen Europas gibt es Berichte, dass Unternehmen sich erstens bei der Kreditnachfrage zurückhalten und zweitens auch noch mit knauserigen Banken zu kämpfen haben. Tatsächlich ist die Kreditvergabe an Nichtbanken im Euroraum jüngst um 0,8 Prozent gesunken. Wie sollen Unternehmen da zur Geldvermehrung beitragen?

Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach. Geld wird zwar durch Kredit geschöpft. Gemessen wird es aber an den Einlagen. Und das sind zwei vollkommen unterschiedliche Paar Schuhe. Die Europäische Zentralbank zum Beispiel schaut auf die Geldmenge M3, die eine wesentliche Steuerungsgröße der Geldpolitik ist. M3 ist viel mehr als Bargeld, es umfasst alle Sichteinlagen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren oder dreimonatiger Kündigungsfrist, aber auch Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen mit einer Ursprungslaufzeit von bis zu zwei Jahren.

Das sind Details, die aber wichtig sind. Wenn Unternehmen nämlich mehr Liquidität halten, indem sie etwa ihre Einlagen in kürzere Laufzeit umschichten, dann erhöht das die Geldmenge. Genau das ist in den letzten Monaten passiert. Dahinter steckt nichts als die Vorsicht vieler Unternehmen in unsicheren Zeiten. Es ist kein Zeichen für eine bevorstehende Inflation durch anschwellende Geldmenge. Das weiß die Notenbank und verhält sich entsprechend. Es schadet aber auch nichts, wenn es der Rest der Welt ebenfalls weiß. Geld ist halt Definitionssache – und manchmal hat man plötzlich mehr davon, ohne es zu merken.

bastian.frien[at]finance-magazin.de