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HSBC Deutschland wächst gegen den Trend

Durch das Provisionsgeschäft und Verkäufe kann die HSBC Deutschland wachsen.
HSBC

Ziemlich genau zehn Jahre sind vergangen, seit die Finanzkrise Deutschland erreichte und die IKB fast pleiteging. Während bei der Düsseldorfer Mittelstandsbank die Ergebnisse auch jetzt noch mager ausfallen, wartet die ebenfalls in der Stadt am Rhein ansässige HSBC Deutschland zum Halbjahr mit starken Zahlen auf. Das Vorsteuerergebnis liegt bei 153,2 Millionen Euro und damit stolze 31,5 Prozent über Vorjahr. Bankchefin Carola von Schmettow verweist auf einen wichtigen Faktor: „Wir konnten unser Provisionsgeschäft um 8,7 Prozent steigern.“

Das starke Ergebnis ist zum größeren Teil auf Sondereffekte aus M&A-Geschäften zurückzuführen. Rund 20 Millionen Euro erlöste die Bank aus dem Verkauf von Beteiligungen, die für den „operativen Geschäftsbetrieb nicht mehr erforderlich sind“. Um welche es sich dabei handelt, wollte der Vorstand allerdings nicht verraten.

Damit kann die HSBC Deutschland sich gegen den Branchentrend stemmen. Zuletzt haben die beiden größten deutschen Banken gezeigt, dass sie noch damit hadern, ein Geschäftsmodell für die Nachkrisenzeit zu finden: Sowohl bei der Commerzbank als auch bei der Deutschen Bank sind die Erträge im Geschäft mit Unternehmenskunden zurückgegangen.

Wichtige Kennzahlen verbessern sich

Durch den außergewöhnlichen Effekt verbesserten sich wichtige Kennzahlen: Die Aufwand-Ertrag-Relation fiel von 71,3 auf 65,1 Prozent, die Eigenkapitalrendite vor Steuern stieg auf 14,6 Prozent (vergleichbarer Vorjahreszeitraum: 12,1 Prozent). Auch wenn sich diese Zahlen wohl nicht dauerhaft in der Höhe fixieren lassen, will die HSBC eine Eigenkapitalrendite im Korridor zwischen 10 und 15 Prozent erreichen und die Cost-Income-Ratio unter 70 Prozent halten.

Das Zinsergebnis stagnierte im anhaltenden Niedrigzinsumfeld erwartungsgemäß und lag mit 101,5 Millionen Euro nahezu auf dem Niveau des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Erschwerend hinzu kommt, dass der Bank auch wegen ihrer guten Bonität Anlagegelder angedient werden. Strafzinsen würden im Firmenkundengeschäft aber nur in ausgewählten Fällen erhoben. Und: „Das Geschäftsmodell kann sich auch in Zeichen von Negativzinsen behaupten“, sagte von Schmettow mit Verweis auf das Provisionsgeschäft.

HSBC gewinnt Marktanteile im Firmenkundengeschäft

Die HSBC hat nach eigenen Angaben weiter Anteile im Firmenkundengeschäft gewonnen. „Wir stehen dank der starken Kapitalausstattung unseren Firmenkunden auch mit Kredit zu Verfügung“, sagte von Schmettow. Hintergrund: Die Bank hatte im vergangenen Dezember ihr regulatorisches Kernkapital durch eine Nachranganleihe in Höhe von 235 Millionen Euro gestärkt.

Marktgerüchte, denen zufolge sich die Bank in größerem Stil von Firmenkunden trenne, wies Carola von Schmettow klar zurück. Man überprüfe allerdings regelmäßig, ob sich die Erwartungen an den Kunden erfüllten, was in Einzelfällen auch zum Ende einer Geschäftsbeziehung führen könne. Die Marschrichtung sei weiter auf Wachstum mit bestehenden und neuen Kunden ausgerichtet.

Die Zeiten des starken Mitarbeiteraufbaus sind allerdings vorbei. Die HSBC Deutschland habe mit nunmehr 2.840 Angestellten die richtige Größe für den deutschen Markt erreicht, sagte Vorstand Paul Hagen, der für die Bereiche Finanzen und Operations verantwortlich zeichnet. Die Aussichten für das zweite Halbjahr sieht er positiv, der Vorsteuergewinn werde „deutlich über 5 Prozent“ wachsen.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Info

Wie neben der HSBC auch andere Banken zum Halbjahr abgeschnitten haben, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Firmenkundengeschäft.

markus.dentz@finance-magazin.de | + posts

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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