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Investmentbanking vor großer Marktbereinigung

Bankingviertel Canary Wharf in London: Investmentbanking auf dem absteigenden Ast?
Shadwell/Thinkstock/Getty Images

Die Ertragsprobleme der Investmentbanken haben sich 2014 noch weiter verschärft, dramatische Einbrüche vor allem im Handelsgeschäft haben die Gewinne dahin schmelzen und die Cost-Income-Ratios steigen lassen. Die ersten großen Banken haben daraus schon radikale Schlüssel gezogen: Barclays und die UBS fahren ihr Investmentbanking deutlich zurück, die Royal Bank of Scotland setzt sogar zum Kahlschlag an. Auch die Deutsche Bank hat die Konzernstrategie auf den Prüfstand gestellt – und überdenkt in diesem Zug auch ihr Engagement im Investmentbanking.

„Wegen des Zinsumfelds kommt in diesem Jahr sogar noch mehr Ertragsdruck auf die Investmentbanken zu“, glaubt der Investmentbanking-Experte von Roland Berger, Jörg Oliveri del Castillo-Schulz. Das werde dazu führen, dass auch noch andere Großbanken ihr Investmentbanking vom Kopf auf die Füße stellen werden: „Wenn der gesamte Transformationsprozess der Branche durch ist, wird es nur noch drei bis vier große amerikanische und ein bis zwei europäische Häuser geben, die im Investmentbanking noch als globaler Vollsortimenter auftreten können“, sagte Oliveri del Castillo-Schulz gegenüber FINANCE-TV.

Auch die Unternehmensberatung Oliver Wyman ermahnt die Investmentbanken zu energischem Durchgreifen: Sie müssten einen "viel stärker strukturellen Veränderungsansatz" wählen in der Art, wie sie ihr Geschäft betreiben.

US-Investmentbanken werden gewinnen

Viele Banken werden laut des Roland-Berger-Experten vor einer Richtungsentscheidung stehen: Konzentrieren sie sich eher auf das transaktions- und volumengetriebene Handels- und Derivate-Geschäft, wo es in erster Linie auf Skaleneffekte ankommt, oder setzen sie auf das beratungsintensive Corporate-Finance- und M&A-Geschäft?

Im Volumengeschäft werden laut Oliveri del Castillo-Schulz nur noch die ganz großen Banken gut verdienen können – die kleineren müssten sich als Spezialist auf bestimmte Nischen konzentrieren, um mithalten zu können. Aber für alle Banken, die im Volumengeschäft ihre Zukunft sehen, gilt: „Das erfordert hohe Investitionen, vor allem in IT.“

Die großen Restrukturierungen und Rückzugsgefechte setzen aber auch Marktanteile frei, die die überlebenden Investmentbanken aufgreifen könnten: 4 Prozent Marktanteile seien in den vergangenen zwei bis drei Jahren freigesetzt worden, schätzt Oliver Wyman. Weitere 2 bis 3 Prozent seien absehbar.

Die globale Investmentbanking-Landschaft könnte das gehörig durcheinander wirbeln: „Die Zahl der Investmentbanker wird zurückgehen“, erwartet der Roland-Berger-Experte. Und es könnte sogar zu dem aus heutiger Sicht kurios anmutenden Phänomen kommen, dass große global agierende Banken ganz ohne Investmentbanking antreten. Das macht den Weg frei für die alten Platzhirsche: „Die US-Investmentbanken werden Marktanteile gewinnen“, glaubt Oliveri del Castillo-Schulz.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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