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Kapitalmarktethik: Führungskräfte befürchten Karriere-Bremse

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Bei Banken hapert es laut einer aktuellen Studie noch an der Umsetzung des Kulturwandels.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Banken stehen inmitten einer Kulturkrise. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit ethischen Verhaltens klafft vielerorts eine große Lücke. Zwar hat weltweit für mehr als 90 Prozent der Führungskräfte in der Finanzindustrie die Kapitalmarktethik eine hohe Bedeutung, dennoch hält mehr als die Hälfte der Befragten Ethikstandards für eine potenzielle Karrierebremse.

Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie des CFA Institute, einem internationalen Verband für Finanzexperten, und der Economist Intelligence Unit, dem Research-Bereich der Economist Gruppe. An der im September durchgeführten Umfrage beteiligten sich rund 400 Führungskräfte aus der Finanzindustrie. 42 Prozent der Befragten stammen aus Europa, 34 Prozent aus dem Raum Asien-Pazifik und 20 Prozent aus Nordamerika.

Führungskräfte wollen Kulturwandel

Erfreulich ist, dass viele Finanzdienstleister laut Studie offenbar aus den Verfehlungen im Vorfeld der Finanzkrise gelernt haben. Sie wollen einen Kulturwandel vorantreiben. Tatsächlich haben laut ihren eigenen Angaben 67 Prozent der Umfrageteilnehmer in den vergangenen drei Jahren Ethik- und Verhaltenskodexprogramme für ihre Mitarbeiter angestoßen. Jeweils mehr als 60 Prozent gaben zudem an, ihren formalen Verhaltenskodex strenger gefasst sowie ein System zur Evaluierung von Mitarbeiterverhalten eingesetzt zu haben. Immerhin noch über 40 Prozent der Befragten sagten, dass ihr Unternehmen finanzielle oder Karriereanreize gesetzt habe, um für das Einhalten des Kodex zu sorgen.

Wohl auch aufgrund dieser Anstrengungen sehen fast 60 Prozent der Führungskräfte weltweit den Ruf der Finanzindustrie als positiv. Noch sicherer sind sie sich, wenn es um das eigene Unternehmen geht – 71 Prozent glauben, dass der Ruf ihrer Bank über dem Branchenstandard liegt.

Bei der Umsetzung von Ethikstandards hakt es noch

Doch die Studie mit dem Titel „A Crisis of Culture – Valuing Ethics and Knowledge in Financial Services“ legt auch Missstände offen. So glauben mehr als die Hälfte der Befragten, dass sie nur dann auf der Karriereleiter aufsteigen können, wenn sie Regeln „flexibel“ handhaben. Ebenso viele sind zudem überzeugt, dass die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens unter den Vorschriften leide, wenn sie zu streng ausgelegt würden. Nur ein gutes Drittel ist zudem überzeugt, dass die Förderung ethischer Standards ihre Mitarbeiter zu größeren Leistungen anspornen könnten.

Neben der oftmals fehlenden Umsetzung krankt der Kulturwandel der Studie zufolge auch an einem „Silodenken“ der Führungskräfte. Mehr als 60 Prozent der Studienteilnehmer räumten demnach ein, nur sehr wenig über die Vorgänge außerhalb ihrer Abteilungen zu wissen. „Um einen echten Kulturwandel zu erreichen, müssen die Finanzhäuser ihren Wertekanon noch stärker an den Bedürfnissen der Kunden, Anleger und der Gesamtgesellschaft ausrichten“, sagt Susan Spinner, Geschäftsführerin der CFA Society Germany.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

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