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Kreditnachfrage im Mittelstand bricht drastisch ein

Corona und die Probleme mit Lieferengpässen haben laut KfW dafür gesorgt, dass die Nachfrage im Kreditgeschäft mit Mittelständlern rasant abgenommen hat. Foto: KfW-Bildarchiv/Rüdiger Nehmzow

Umsatzeinbrüche, Lieferengpässe und restriktivere Kreditvergaberichtlinien – Corona hat den deutschen Mittelstand hart getroffen. Die Umsätze der mittelständischen Unternehmen brachen 2020 um 277 Milliarden Euro (6 Prozent) ein. Der Einbruch war immerhin nur etwa halb so stark wie ursprünglich befürchtet – vor allem dank des schnellen Ausbaus digitaler Vertriebswege. Doch die Pandemie und aktuell die Probleme mit Lieferengpässen haben dafür gesorgt, dass die Nachfrage deutscher Mittelständler nach Unternehmenskrediten rasant abgenommen hat. Zu diesem Schluss kommt die Förderbank KfW in ihrem aktuellen Mittelstandspanel.

Die Gründe für die schwache Kreditnachfrage sieht KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib vor allem in der aktuellen Unsicherheit auf Unternehmensseite. Das Gros der Mittelständler habe in der Krise die Investitionen deutlich zurückgefahren. Noch nie hätten so viele Unternehmen ihre zum Jahresbeginn aufgestellten Pläne nicht umgesetzt, betont Köhler-Geib.

Mittelstand bei Investitionen zurückhaltend

Demnach seien im vergangenen Jahr 61 Milliarden Euro weniger investiert und das Geld in vielen Fällen stattdessen zur Deckung von Liquiditätslücken verwendet worden. Größere Vorhaben habe man in der Regel zurückgestellt und nur kleinere Investitionen zur Anpassung an die Krise getätigt. So sanken die Neuinvestitionen im Mittelstand 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf 173 Milliarden Euro. Für 2021 rechnet die KfW mit ähnlichen Zahlen.

Folglich brach auch die Nachfrage der Unternehmen nach Krediten ein, wie die KfW bereits Anfang des Jahres in ihrer Ifo-Kredithürde festgestellt hatte. Diese rangierte im ersten Quartal dieses Jahres „auf schwachem, unterdurchschnittlichem Niveau“. Zwar hat sich die Situation mit dem Wiederanspringen der Wirtschaft inzwischen wieder leicht verbessert, dafür bereiten nun Lieferengpässe den mittelständischen Unternehmen sorgen. So rechnen 41 Prozent der Unternehmen auch im vierten Quartal dieses Jahres mit weiter sinkenden Umsätzen, lediglich 13 Prozent erwarten einen Anstieg.

Banken schauen bei Krediten genauer hin

Dass die Banken seit Anfang 2020 bei der Vergabe deutlich restriktiver vorgehen und neben der Profitabilität ihrer Kundenbeziehungen vor allem das Kreditrisiko im Blick haben, dürfte ein weiterer Dämpfer für das Kreditgeschäft sein. Zwar haben die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen funktioniert und die Banken bisher vor einer Welle von Non Performing Loans (NPL) geschützt, allerdings ist es dadurch für die Banken auch schwer, die Folgen der Krise genau abzuschätzen – etwa wenn die Unterstützungsmaßnahmen auslaufen.

Die Banken reagieren darauf und verschärfen ihre Vergaberichtlinien für Firmenkredite, wie aus einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter 146 europäischen Banken – darunter 34 aus Deutschland – hervorgeht. Diese hatten bereits im dritten Quartal ihre Richtlinien leicht verschärft und wollen das auch im vierten Quartal wieder tun. Das haben vor allem die von der Pandemie ohnehin hart getroffenen mittelständischen Dienstleister zu spüren bekommen, die mit 215 Milliarden Euro 78 Prozent der Umsatzrückgänge im Mittelstand verbuchen mussten. Eine geringe Kreditvergabe ist für die Banken ein Problem, da dies die Zinserträge drückt.

Allerdings gelingt es den Instituten zunehmend, das negative Zinsumfeld zu kompensieren, wie beispielsweise die am Mittwoch präsentierten Zahlen der Deutschen Bank für das dritte Quartal zeigen. So stiegen etwa die Erträge der Unternehmensbank im Bereich Corporate Treasury Services nicht zuletzt durch neu vereinbarte Preismodelle und Neukundengeschäft immerhin um 1 Prozent auf 755 Millionen Euro.

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KfW: Mittelstand muss investieren

Und auch der Ausblick gibt Grund zur Hoffnung. So rechnet die KfW im Mittelstand laut Köhler-Geib bis 2023 mit einer Umsatzentwicklung auf Vorkrisenniveau. Gleichzeitig dürften der Green Deal der EU und die daraus resultierende Pflicht für Unternehmen, in Nachhaltigkeit zu investieren, auch das Kreditgeschäft ankurbeln. So geht beispielsweise die Beratungsgesellschaft ZEB für die Erreichung der EU-Klimaziele allein für Deutschland von einem Investitionsbedarf in Höhe von 10 Billionen Euro aus.

Zwar sind in Sachen EU-Taxonomie und ihrer Auswirkungen auf das Kreditgeschäft derzeit noch viele Fragen offen, fest steht jedoch, dass das Thema Nachhaltigkeit auf das Gros der Mittelständler erst noch zu kommt. Angesichts dessen müsse sich die Zurückhaltung der Mittelständler bei Investitionen dringend ändern, ist man auch bei der KfW überzeugt. „Die Transformation zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft steht auf der Agenda, bei der Digitalisierung gibt es in vielen Unternehmen großen Nachholbedarf. Um das zu schaffen, müssen die Unternehmen dieselben Stärken unter Beweis stellen, die sie schon durch die Krise gebracht haben“, betont Köhler-Geib.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.