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Moody’s warnt: Hohes Risiko bei deutschen Banken

Das deutsche Bankensystem entwickelt sich zum Problem. Während in weiten Teilen der Welt (und Europas) die Banken mit harten Einschnitten und Kapitalmaßnahmen Fortschritte bei der Verbesserung der Bilanzqualität erzielen, hinken die deutschen Banken immer weiter hinterher. „Der Verschuldungsgrad deutscher Banken ist im internationalen Vergleich sehr hoch“, stellt Moody’s in einem Update zur Kreditqualität deutscher Banken fest.

Im Schnitt verfügen deutsche Banken nur über eine Eigenkapitalquote von 3,7 Prozent. Zum Vergleich: US-Banken weisen inzwischen einen Wert von fast 8 Prozent auf, selbst italienische Banken erreichen im Schnitt über 5 Prozent. Die Kapitalausstattung deutscher Banken ist mit die schlechteste in ganz Europa. Das bedeutet, dass deutsche Banken ihre defensive Geschäftsstrategie und Kreditvergabe wahrscheinlich deutlich länger werden aufrecht erhalten müssen als viele Konkurrenten aus dem Ausland.

Stark schrumpfendes Konsortialkreditgeschäft

Die anhaltende Zögerlichkeit bei der Aufnahme zusätzlichen Eigenkapitals ist nur eine Erklärung für den wachsenden Rückstand deutscher Banken. Daneben hindern die nach wie vor erheblichen Ertragsprobleme die Banken daran, durch Gewinnthesaurierung Eigenkapital aufzubauen. Im Retailgeschäft ist der Margendruck immens, und im Kreditgeschäft mit Firmenkunden haben die niedrigen Zinsen in Verbindung mit den zum Teil nicht mehr konkurrenzfähigen Refinanzierungskosten der Banken die Zinsmargen erodieren lassen.

Viele Großkonzerne können sich am Kapitalmarkt im Moment günstiger finanzieren als zahlreiche Banken, auch wenn sich die Finanzierungskosten für Banken in den vergangenen Wochen wieder stärker verbessert haben als für Unternehmen. Bei Krediten für Unternehmen schwächerer Bonität sind die Zinsaufschläge der Banken so weit angestiegen, dass die Nachfrage nach Konsortialkrediten weltweit in den ersten drei Quartalen dieses Jahres um 28 Prozent zurückgegangen ist. Bei stark ausfallgefährdeten Schuldnern gab es sogar einen Einbruch um 63 Prozent.

Schiffskredite werden zum schlagenden Risiko

„Das geringe Ertragsniveau deutscher Banken vor der Risikovorsorge wird es ihnen schwer machen, größere unvorhergesehene Verluste abzufangen“, warnt Moody’s. Und Risiken gibt es mehr als genug, das Netto-Kreditengagement in kriselnden Eurostaaten ist mit 43 Milliarden Euro sogar vergleichsweise klein.

Besorgter ist die Ratingagentur wegen der Risiken in Höhe von 170 Milliarden Euro bei gewerblichen Immobilienfinanzierungen und der 98 Milliarden Euro, die deutsche Banken für Schifffahrtskredite ausgereicht haben. Dort droht nach Jahren der Flaute jetzt eine größere Welle von Kreditausfällen, da sich die in den vergangenen Jahren gefundenen Refinanzierungslösungen vielfach als nicht nachhaltig erweisen. Insbesondere wegen der sich verschärfenden Situation bei Schiffskrediten muss die HSH Nordbank ihre Eigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein unter Umständen schon bald um weitere Milliardengarantien bitten.

Auch das Engagement in strukturierten Kreditprodukten liegt mit 106 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie das Euro-Exposure. Insgesamt summieren sich die problematischen Bilanzpositionen der deutschen Banken nach den Berechnungen von Moody’s auf mehr als 250 Prozent ihres Eigenkapitals.  

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