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Notenbanker vs. CFOs

Finanzchefs sollten Zentralbankbeobachter sein.
Sascha Duis

Die Zeiten, in denen sich Deutschlands führende Wirtschaftsmedien mehrere „ECB Watcher“ leisten konnten, sind vorbei. Dabei gab es früher kaum was zu beobachten – Zins rauf, Zins runter, mehr passierte nicht. Heute hätten die Zentralbankbeobachter dagegen richtig was zu tun: Die Notenbanken stehen im Zentrum des Wirtschaftsgeschehens. Das globale Finanzsystem hängt an ihrem Tropf, sie halten Banken und ganze Staaten am Leben – oder eben auch nicht.

Damit definiert sich die Rolle neu. Ohnehin hat kaum jemand die Aufgabe der Notenbanker so dogmatisch auf Preisstabilität reduziert wie die Deutschen. Nun aber gehören die Kontrolle des Bankwesens, die Förderung des Wirtschaftswachstums und die temporäre Finanzierung des Staats fast offiziell mit dazu. Das ist wahrscheinlich eine kolossale Überforderung.

In einer globalisierten Welt ist schon der Grundauftrag schwer zu erfüllen. Wenn Auslandsgeld hineinströmt, weil die Wirtschaft boomt, steigt die Inflation. Dagegen muss die Zentralbank sich mit Zinserhöhungen wehren, wodurch noch mehr Geld angezogen wird. Es steigt aber auch der Wechselkurs, und das bedroht das Wirtschaftswachstum. Dagegen helfen nur Kapitalverkehrskontrollen oder gewaltige Geldschöpfung. Beides sind enorme Risikofaktoren für global tätige CFOs. Darum sollte derzeit jeder ein Zentralbankbeobachter sein.

bastian.frien[at]finance-magazin.de

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