Newsletter

Abonnements

Rückzahlungen an EZB führen zur Euribor-Wende

Rückzahlungen an die EZB haben zu einer Trendwende beim Euribor geführt.

Nach dem Rückgang auf den niedrigsten Stand überhaupt scheinen die Euribor-Zinssätze ihre Trendwende begonnen zu haben. Zwar ist der Anstieg seit Beginn des Jahres eher geringfügig. Beginnend im Dezember, ist der 3-Monats-Euribor aus seinem Tiefstand von unter 0,19% auf über 0,23% – oder um mehr als 20% – gestiegen.

"Die Liquidität trocknet ein wenig aus", sagt Cédric Quemener, Direktor des Euribor-EBF. Die in Brüssel ansässige Organisation ist für die Errechnung der Euribor-Sätze zuständig, die aus den von Banken zugeleiteten Ausleihsätzen ermittelt werden. Die EZB hatte kürzlich angekündigt, die massive Überversorgung an Liquidität im Bankensystem drosseln zu wollen. Im Zuge der Finanzkrise hat die europäische Zentralbank rund €1 Billionen in das Finanzsystem gepumpt.

Vergangene Woche zahlten europäische Banken insgesamt €137 Milliarden an Langfristkrediten an die EZB zurück. Auch wenn diese Summe in diese Woche auf lediglich €3,5 Milliarden gefallen ist, ist damit doch schon ein erheblicher Teil der Liquidität abgeschöpft worden. Ein weiterer Anstieg würde aber vor allem durch die Anhebung des EZB-Leitzinses ausgelöst werden. Mit einer solchen Entscheidung auf der EZB-Sitzung rechnet allerding kaum jemand.

Weitergehende Trends aus diesen Entwicklungen abzulesen ist jedoch schwierig. Obwohl die Euribor-Sätze oft als wichtige Indikatoren für das Wohlbefinden des Finanzsystems angesehen werden, sollten sie nicht überschätzt werden. "Der Euribor spiegelt nicht die gesamtwirtschaftlichen Wirtschaft", sagt Quemener. "Er verschafft nicht mehr als einen Eindruck von der Liquidität im Euro-Markt und dem Maß an Vertrauen zwischen Banken."

Zudem wird der Euribor immer tiefer in die heftige Vertrauenskrise gezogen, von der bislang vor allem der Londoner Zinssatz Libor betroffen ist. Im vergangenen Sommer wurde ruchbar, dass viele Banken ihre übermittelten Datensätze fälschten, um Handelsgewinne zu erzielen oder sich als stabil darzustellen. Gestern publizierte Emails der RBS zeigten, mit welcher Nonchalance manche Händler die Zinssätze manipulierten. Laut Presseberichten suspendierte die Deutsche Bank kürzlich 5 Mitarbeiter vom Dienst, die sowohl Libor als auch Euribor manipuliert haben sollen.

steven.arons[at]cfo-insight.com

FINANCE Daily Newsletter
Das Wichtigste aus der FINANCE-Welt – täglich direkt in Ihr Postfach.
Jetzt abonnieren »
Jetzt abonnieren »
FINANCE Daily Newsletter