Newsletter

Abonnements

So schneiden die deutschen Banken beim Stresstest ab

photoschmidt - adobe.stock.com

Eine harte Kernkapitalquote von 5,9 Prozent müssen Banken nachweisen, um den Stresstest der Bankenaufsicht zu bestehen – und für die deutschen Banken gab es beim diesjährigen Stresstest durch die EU-Bankenaufsicht EBA Entwarnung. Im Krisenszenario der Prüfer hätten sich die sieben deutschen Institute auch unter großem Stress als robust erwiesen, bestätigt Joachim Wuermeling, der im Vorstand der Bundesbank für Bankaufsicht zuständig ist. „Sie würden die hohen Kapitalanforderungen selbst in einer schweren Wirtschaftskrise durchgehend erfüllen.“

Getestet wurden 50 europäische Banken, darunter 35 aus dem Euro-Raum. Aus Deutschland standen Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, Volkswagenbank sowie die Landesbanken Helaba, LBBW und BayernLB auf dem Prüfstand. Im schärfsten Krisenszenario würden die 50 betrachteten Häuser zwar fast ein Drittel ihrer Kapitalpuffer einbüßen, die harte Kernkapitalquote lag jedoch europaweit im Schnitt immer noch bei 10,2 Prozent – nach Einschätzung der Prüfer ein Polster, das auch nach den modellierten herben Wirtschaftseinbrüchen ausreichend sein würde.

Volkswagen Bank ist deutscher Spitzenreiter

Allerdings gibt es zwischen den Instituten deutliche Unterschiede. Das deutsche Schlusslicht im Stresstest ist die Deutsche Bank. Ihre Kernkapitalquote würde bei voller Umsetzung der Basel-III-Kapitalregeln im schärfsten Krisenszenario von 13,6 auf 7,4 Prozent absinken. Damit zählt die Kernkapitalquote der Deutschen Bank zu den fünf schwächsten der insgesamt 50 überprüften Banken.

Die Deutsche Bank selbst macht ihr großes Kapitalmarktgeschäft für die schwache Position verantwortlich, da Bewertungsrisiken aus Handelspositionen von der EBA sehr streng berücksichtigt würden. Dennoch zeigt die Bank sich zufrieden: „Selbst in einem noch verschärften ungünstigen Szenario beweist die Deutsche Bank ihre Widerstandsfähigkeit in einer möglichen Wirtschaftskrise“, sagte Finanzvorstand James von Moltke. Er wies zudem darauf hin, dass die im ersten Halbjahr 2021 deutlich gestiegenen Gewinne der Deutschen Bank nicht in den Test eingeflossen seien, der mit der Jahresendbilanz 2020 arbeitete.

Die übrigen deutschen Häuser können ihre Kernkapitalquote in dem Stresstest über der 8-Prozent-Marke halten: Commerzbank (8,2 Prozent), LBBW (8,4 Prozent) und Helaba (8,6 Prozent) schneiden besser ab als die Deutsche Bank. Die BayernLB erreicht mit 10,0 Prozent sogar einen zweistelligen Wert. Der Spitzenreiter unter den geprüften deutschen Instituten ist die Volkswagen Bank, deren Kernkapitalquote auch im schärfsten Szenario des Tests nicht unter 15,5 Prozent sinken würde.

Deutsche Banken abhängiger vom Zinsgeschäft

Zwar liegen damit mit Ausnahme der Volkswagen Bank alle deutschen Institute unter dem europäischen Durchschnittswert von 10,2 Prozent, einen Grund zur Besorgnis bieten die Ergebnisse des Stresstestes nach Ansicht der Bundesbank jedoch nicht. Dass die Kapitalquoten von Deutscher Bank und Co. im Test stärker zurückgingen als die der europäischen Wettbewerber, führt Bundesbankvorstand Wuermeling darauf zurück, dass die deutschen Banken wegen der starken Exportorientierung der hiesigen Wirtschaft abhängiger vom Zinsgeschäft seien. Das Ergebnis spiegele die höhere Verwundbarkeit der deutschen Volkswirtschaft in einer weltweiten Rezession wider, so Wuermeling.

Im europaweiten Vergleich nach Ländern belegt Deutschland im Stresstest den 13. Rang unter insgesamt 15 Teilnehmern. Lediglich die Durchschnittswerte der teilnehmenden Banken aus Italien und Irland fielen noch schlechter aus als die der deutschen Institute.

Nach den beiden vorangegangenen Stresstests der Jahre 2016 und 2018 war der diesjährige Stresstest nach Angaben von Bankaufsehern schwieriger. So mussten die Institute die möglichen Auswirkungen einer weiteren Zuspitzung der Coronakrise sowie ein damit einhergehendes Schrumpfen der Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone um 3,6 Prozent auf ihre Kernkapitalquoten durchrechnen.

Darüber hinaus galt es, Folgeentwicklungen wie eine stark sinkende Auslandsnachfrage, fallende Marktzinsen oder einen Einbruch der Immobilienpreise miteinzubeziehen. Vor allem von sinkender Auslandsnachfrage wären deutsche Institute stärker betroffen als andere europäische Wettbewerber. Zusätzliches Manko für die Banken: Als Basis des Stresstests fungierten die ohnehin bereits pandemiegebeutelten Bilanzen zum Jahresende 2020.

EZB behält Schlusslichter im Blick

Zwar war ein Durchfallen beim Stresstest nicht möglich, die Deutsche Bank wird sich jedoch ebenso wie die übrigen Institute, die vergleichsweise schwach abgeschnitten haben, darauf einstellen müssen, dass ihr die Aufsicht besonders genau auf die Finger schaut. So kann die Aufsicht beispielsweise zum Ausbau der Kapitalpuffer raten oder Dividendenzahlungen einschränken. Das Resultat der Stresstests hat in jedem Fall Einfluss auf den individuellen Kapitalzuschlag, dessen Einhaltung die EZB von den Banken erwartet.

Schlusslicht im jüngsten Stresstest der EBA ist die italienische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena. Bei ihr drückte das härtestes Testszenario den Kapitalpuffer unter die definierte Mindestgrenze. Die Krisenbank steht gerade davor, von der Unicredit übernommen zu werden.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

thomas.holzamer@finance-magazin.de | + posts

Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.