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Starkes Firmenkundengeschäft stützt Commerzbank

Unter Druck: Ein weiteres Mal stützt das starke Firmenkundengeschäft die Quartalsbilanz der Commerzbank.
Julia Schwager, Commerzbank

Das Firmenkundengeschäft der Commerzbank erweist sich nach wie vor als Stütze der gesamten Bank. Während das Privatkundengeschäft und die Schiffsparte nach wie vor Sorgenkinder sind, liefern die Mittelstandsbank und Corporate Finance nennenswerte Erträge. Die Mittelstandsbank erreichte im zweiten Quartal 2013 ein operatives Ergebnis von 216 Millionen Euro und für die ersten sechs Monate von 542 Millionen Euro. Jedoch werfen auf 225 Millionen Euro angestiegene Risikorückstellungen und Einzelfälle die Bank zurück: noch vor einem Jahr lieferte die von Markus Beumer geführte Mittelstandsbank operative Gewinne von 874 Millionen Euro an. Allein im zweiten Quartal musste Commerzbank-CFO Stephan Engels 147 Millionen Risikovorsorge bilden. Vor Risikovorsorge sanken die Erträge gegenüber 2012 um 8 Prozent.

Das Kreditvolumen mit dem deutschen Mittelstand stieg  um 5 Prozent und trug 396 Millionen Euro operativen Ertrag bei (Vorjahr 378 Millionen Euro). Das Geschäft mit Großkunden und Multi-Nationals sank hingegen um 2 Prozent. Negative Bewertungseffekte aus Kontrahentenrisiken im Derivategeschäft drückten hier die Erträge der Bank. Auch das direkte Kundengeschäft warf aufgrund der zurückhaltenden Kreditnachfrage weniger ab als im Vorjahr.

Stabile Erlöse aus dem DCM-Geschäft

Der Bereich Corporates & Markets profitierte vor allem von der guten Entwicklung im Segment Corporate Finance. In einem insgesamt ruhigen Kapitalmarktumfeld steigerte der Bereich seinen operativen Gewinn gegenüber 2012 von 77 Millionen auf 524 Millionen Euro. Ertragsstütze waren die  stabile Ertragslage bei Anleihen  (DCM-Bonds) und syndizierten Krediten (DCM-Loans). Diese trugen mit 155 Millionen Euro im zweiten Quartal ebenso viel zum Ertrag beiwie im Vorjahr. Auch die leichte Marktbelebung im Bereich der Aktienemissionen und Eigenkapitalmaßnahmen hat der Commerzbank genutzt. Der Bereich Fixed Income & Currencies hat gegenüber dem starken ersten Quartal 2013 (200 Mio. Euro) im zweiten Quartal 2013 mit 143 Millionen Euro hingegen schwächer abgeschnitten. Die Erträge im Devisenhandel stiegen aufgrund verstärkter Kundenaktivitäten.

Gegenüber ihren Konkurrenten kann die Commerzbank damit zumindest im Corporate-Geschäft halbwegs mithalten. Während die Deutsche Bank auch im Firmenkundengeschäft basierend auf hohen DCM- und ECM-Erträgen stark abgeschnitten hat, musste die französische BNP, die gerade ihre Expansionspläne für Deutschland konkretisiert hat, schwächere Zahlen vorlegen. Im Firmenkundengeschäft gingen die Erträge der BNP um knapp 11 Prozent trotz stark gestiegener Gebühreneinnahmen um 22 Prozent zurück. Die Zahlen der BNP und der Deutschen Bank sind jedoch nicht einzeln auf den bei der Commerzbank viel dominanteren deutschen Markt heruntergebrochen.

Insgesamt schnitt die Deutschen Bank aber stärker ab als die Commerzbank. Ihre Erträge im Bereich Corporate Banking & Securities (CB&S) stiegen um 9 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Im Geschäft mit Unternehmenskrediten sprangen die Erträge der Deutschbanker gar um 43 Prozent auf 345 Millionen Euro nach oben – aufgrund „höherer Erträge aus kreditbezogenen Aktivitäten“, wie die Deutsche Bank schreibt.
Im Kapitalmarktgeschäft mit Firmenkunden legte die Deutsche Bank um 45 Prozent zu und erwirtschaftete Emissions- und Beratungserträge von 738 Millionen Euro. Angetrieben wurde diese starke Performance insbesondere vom Emissionsgeschäft mit Anleihen und Schuldscheinen, wo es der Deutschen Bank auch gelang, ihre Margen zu verbessern.

Das anhaltend gut laufende Mittelstandsgeschäft hält Commerzbank-CEO Martin Blessing nach wie vor den Rücken frei, um an den vielen anderen Baustellen der Commerzbank zu arbeiten. So ist die von Blessing forcierte Vorstandsverkleinerung beschlossen, verzögert sich aber.

In den vergangenen Tagen flammten Spekulationen auf, wonach Firmenkundenvorstand Markus Beumer Blessing als Commerzbank-Chef ablösen könnte, sofern die Restrukturierung des Instituts nicht bald größere Früchte trägt. Doch Beumer kann warten, denn seine Aussichten sind unverändert gut.  Angesichts des steigenden Bedarfs an Risikovorsorge dürften zwar auch die von ihm verantworteten Zahlen der Mittelstandsbank schlechter werden, doch weit und breit scheint kein Konkurrent in Sicht.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de