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Starkes Quartal für Commerzbank und Deutsche Bank

Frankfurts Großbanken, Commerzbank und Deutsche Bank, steigern im ersten Quartal ihren Gewinn. Dennoch sind die Bilanzen sehr unterschiedlich. Foto: Manuel Schoenfeld - stock.adobe-com
Frankfurts Großbanken, Commerzbank und Deutsche Bank, steigern im ersten Quartal ihren Gewinn. Dennoch sind die Bilanzen sehr unterschiedlich. Foto: Manuel Schoenfeld - stock.adobe-com

Kurioses Timing: Jeweils viel früher als geplant, aber unabhängig voneinander haben sowohl die Commerzbank als auch die Deutsche Bank Eckdaten zu ihrem ersten Quartal vorgelegt. Der Grund ist der gleiche: Bei beiden liegen die Quartalsergebnisse weit über den Analystenerwartungen.

Commerzbank wächst zweistellig

Den Anfang machte gestern Abend nach Börsenschluss die Commerzbank. Der Bank gelang es, beim Gewinn auf das sehr starke erste Quartal des Vorjahres sogar noch einen draufzulegen: Das operative Ergebnis kletterte von 538 auf 544 Millionen Euro. Die Markterwartung lag bei 282 Millionen Euro.

Der Gewinnanstieg kam überraschend, weil die Commerzbank wie befürchtet in hohem Ausmaß Risikovorsorge betreiben musste. Für die Abfederung der Folgen des Ukraine-Kriegs legte die Bank 334 Millionen Euro zur Seite. Inklusive „normaler“ Risikovorsorge wuchs dieser Posten auf 464 Millionen Euro, mehr als dreimal so viel wie vor einem Jahr (149 Millionen Euro). Das Nachsteuerergebnis stellte sich auf 284 Millionen Euro.

Bemerkenswert ist vor allem die Wachstumsdynamik, die die Commerzbank im ersten Quartal zeigte: Die Gesamterträge stiegen um 12 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Das Zinsergebnis wuchs ebenfalls um 12 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss um 2 Prozent auf 972 Millionen Euro. Analysten hatten bei den Erträgen fast 10 Prozent weniger auf der Rechnung. Für das Gesamtjahr strebt die Commerzbank einen Nettogewinn von mehr als 1 Milliarde Euro an. Die Analysten von JP Morgan lobten „starke Eckdaten mit einem soliden Ertragswachstum“.

Deutsche Bank kommt bei Kostenabbau voran

Die Deutsche Bank freut sich über – O-Ton Konzernchef Christian Sewing – „das beste Quartalsergebnis seit neun Jahren“. Mit rund 1,7 Milliarden Euro lag der Vorsteuergewinn um 4 Prozent über dem Vorjahreswert, obwohl die Risikovorsorge mit 292 Millionen Euro mehr als viermal so hoch ausfiel wie vergangenes Jahr. „Die Ergebnisse aller Geschäftsbereiche liegen im oder über dem Plan“, erklärte Sewing.

Nach Steuern wuchs der Gewinn der Deutschen Bank von 908 Millionen auf 1,06 Milliarden Euro. Diese Performance ist besser als die vieler Wall-Street-Konkurrenten, allerdings schwächer als bei vielen europäischen Banken wie UBS, Santander oder Commerzbank.

Doch der Charakter der Gewinnsteigerung ist bei den „Blauen“ ein anderer als bei den „Gelben“. Während bei der Commerzbank starkes Ertragswachstum den Gewinn antrieb, waren es bei der Deutschen vor allem Kostensenkungen. Konzernweit gingen diese um 4 Prozent zurück, die Cost-Income-Ratio verbesserte sich von 77 auf 73 Prozent. Die Erträge stiegen hingegen nur minimal um 1 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro.  

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Mit Abstand stärkste Säule des Gewinnwachstums bei der Deutschen Bank war die Investmentbank, die allein 1,5 Milliarden Euro zum Vorsteuergewinn beisteuerte. Die Erträge stiegen dort um 7 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Allerdings ließen deutlich gestiegene Personalkosten für die Investmentbanker den Gewinnanstieg auf 1 Prozent abschmelzen.

In der Unternehmerbank, wo ein Großteil des Firmenkundengeschäfts allokiert ist, funktionierte die Kostenkontrolle hingegen wesentlich besser. Obwohl auch dort die Risikovorsorge deutlich aufgestockt wurde, konnte der Vorsteuergewinn um ein Viertel ausgebaut werden.

Im Privatkundengeschäft stieg der Vorsteuergewinn sogar um 54 Prozent, ebenfalls wegen deutlicher Fortschritte beim Kostenabbau. In Summe sind die beiden „Traditionsbereiche“ jedoch deutlich weniger ausschlaggebend für den Gewinn der Bank als das Investmentbanking.

Die Kursreaktion an der Börse fällt extrem unterschiedlich aus: Während die Aktie der Commerzbank im frühen Handel in einem schwachen Markt sogar leicht zulegen kann, ist das Papier der Deutschen Bank mit einem Abschlag von über 6 Prozent der größte Verlierer im Dax.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de   

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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