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Stutzt Berenberg das Investmentbanking?

Gerüchte über einen Stellenabbau im Investmentbanking der Berenberg in UK machen die Runde. Foto: Tobias Arhelger - stock.adobe.com
Gerüchte über einen Stellenabbau im Investmentbanking der Berenberg in UK machen die Runde. Foto: Tobias Arhelger - stock.adobe.com

Gibt es erneut größere Veränderungen im Investmentbanking der Privatbank Berenberg? Das Hamburger Institut soll einen größeren Stellenabbau im Investmentbanking in London planen. So berichteten die britische Zeitung „The Telegraph“ sowie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus informierten Kreisen, dass rund 6 Prozent, also 30 Stellen, gekappt werden. Insgesamt arbeiten rund 500 Beschäftigte in UK für Berenbergs Investmentbank-Geschäft.

Die Bank selbst kommentiert gegenüber FINANCE, es gebe „derzeit keine weiteren größeren Veränderungen bei der Zahl der Mitarbeiter, die über übliche Anpassungen hinausgehen, wie sie immer stattfinden“. Zu der Frage, ob das deutsche Geschäft betroffen ist, äußerte sich die Bank nicht.

Berenberg verlagerte Corporate-Finance-Geschäft nach UK

Für Berenbergs europäisches Investmentbank-Geschäft ist UK ein zentraler Standort und im vergangenen Jahr erst wurde die Division personell kräftig aufgestockt von 430 auf 490 Mitarbeiter. In einem „Anti-Brexit-Move“ hat Berenberg erst im März zudem die Weichen gestellt, um die Corporate-Finance-Einheit in London zusammenzufassen, wie Fabian de Smet, Leiter des Investmentbankings für Kontinentaleuropa, im FINANCE-Gespräch erklärt hatte.

Bisher hatte Berenberg das Corporate-Finance-Geschäft auf Frankfurt, Paris und Brüssel und Stockholm verteilt. Betroffenen Mitarbeitern hatte die Bank den Wechsel nach London oder andere Aufgaben an ihren aktuellen Standorten angeboten.

Begründet wurde der strategische Schritt mit einem Wechsel vom generalistischen lokalen Ansatz hin zu einem sektororientierten zentralisierten Ansatz, der sich auf fünf Kernsektoren – Tech, Consumer, Industrials, Healthcare und Real Estate – fokussieren und künftig verstärkt Midcaps in Visier nehmen soll. Für diese Ausrichtung ist ein lokaler Ansatz weniger relevant.

Berenberg hat US-Investmentbanking verkleinert

Erst im Juni machten die Hamburger mit einem größeren Personal-Cut im ausländischen Investmentbanking Schlagzeile: Damals wurde bekannt, dass sich die Bank gut zehn Jahre nach dem Eintritt in den US-Markt von einem Drittel ihrer 150 Mitarbeiter bei der US-Tochter Berenberg Capital Markets trennen werde. Neben der Sektorfokussierung verwies das Geldhaus damals auch auf die schwierige Situation am Kapitalmarkt.

Eigentlich wollte die Bank das Wachstum ankurbeln, hatte erst vor wenigen Monaten ein neues Office in Stockholm eröffnet. Operativ haben die Hamburger auch die nötige Kraft für weitere Mitarbeiterrekrutierungen, schrieben sie doch im vergangenen Geschäftsjahr noch ein Rekordergebnis von 170 Millionen Euro – ein Plus von satten 57 Prozent – das großteils dem Investmentbanking und dem Börsenboom zu verdanken war.

Die geopolitischen Turbulenzen und die schwierige Entwicklung an den Märkten bremsen die Bank nun aus. Das zu Jahresbeginn noch geplante Mitarbeiterwachstum wurde nun „erst einmal zurückgestellt“, wie ein Sprecher gegenüber FINANCE bestätigt.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

melanie.ehmann@finance-magazin.de | + posts

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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