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Trotz Bankenunion: Ausfallrisiko der Banken bleibt hoch

iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Anzeichen verdichten sich, dass die Märkte nur dann positiv auf die Einführung der europäischen Bankenunion reagieren werden, wenn die Politiker eine umfassende Zentralisierung auf den Weg bringen – inklusive der von Deutschland vehement blockierten gemeinsamen Einlagensicherung. Einer aktuellen Investorenumfrage von Fitch zufolge glauben 65 Prozent der Befragten, dass die Bankenunion das Ausfallrisiko im Bankensektor nicht senken wird. In der vorherigen Umfrage im Frühjahr waren die Skeptiker mit einem Anteil von 80 Prozent gleichwohl sogar noch stärker vertreten.

Mehr als jeder dritte befragte Investor (39 Prozent) begründet seine Skepsis mit der Erwartung, dass nicht alle drei Säulen der Bankenunion voll implementiert werden: der Abwicklungsmechanismus, die gemeinsame Aufsicht und die gemeinsame Einlagensicherung. Aber nur eine verschwindend kleine Minderheit von 6 Prozent hält die Bankenunion selbst dann für unzureichend, wenn alle drei Schritte umgesetzt würden. Das zeigt, wie groß die Hoffnungen sind, die die Märkte in die Bankenunion setzen.

Die Ratingagentur Fitch hingegen verspricht sich schon von der Einführung der ersten Maßnahme – der gemeinsamen Bankaufsicht unter dem Dach der EZB – einiges, insbesondere mehr Konsistenz im europäischen Bankensektor bei den Themen Risikomanagement und Reporting. Die Ankündigung mehrerer nationaler Bankaufsichten, im Vorfeld des geplanten EZB-Stresstests Anfang 2014 noch einmal alle Bankbilanzen ihrer Länder kritisch unter die Lupe zu nehmen, „sollte helfen, das Ausfallrisiko im Bankensektor zu reduzieren“, hofft Fitch.

Die Investoren trauen Draghi nicht

Auf lange Sicht betrachtet aber auch Fitch die zentralisierte Bankenaufsicht mit Sorge. So erwartet die Ratingagentur, dass die Investoren in Zukunft stärker zwischen starken und schwachen Banken differenzieren werden, wenn die Zweifel wachsen, dass der staatliche Rückhalt für die Banken schwindet, wie man es zuletzt in Zypern gesehen hat.

Das größte kurzfristige Risiko für die Kapitalmärkte sehen die Investoren allerdings nicht bei den Banken, sondern bei der Geldpolitik. 68 Prozent der Befragten halten das Risiko für hoch, dass der Rückzug der Zentralbanken aus der ultra-lockeren Geldpolitik die Märkte unter Stress setzen könnte. Im April glaubten das nur 19 Prozent, und das, obwohl EZB-Präsident Mario Draghi seitdem klargestellt hatte, dass die Geldpolitik noch für eine sehr lange Zeit akkommodierend bleiben werde.