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Vorbereitungen auf den Eurozerfall

Welche Banken gut auf einen möglichen Zerfall der Eurozone vorbereitet sind, ist schwer zu sagen.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Szenarien zur Entwicklung der Eurozone liegen im Trend. Sie reichen von einer Bankenunion bis zum vollständigen Zerfall. Capco, ein globaler Berater für Finanzdienstleister, hat nun auch ein Papier veröffentlicht, das die Konsequenzen zweier Szenarien beleuchtet. Eines ist ein „Austritt der südlichen Länder der Eurozone“, bei dem Griechenland die Eurozone zuerst verlässt und Spanien, Portugal, Malta, Zypern, Italien, aber auch Irland folgen. Das andere ist eine „totale Auflösung“ der Eurozone, mit Banken-Runs, politischen Unruhen und einer tiefen Rezession.

Als Berater von Finanzinstitutionen betrachtet Capco die möglichen Effekte dieser Szenarien auf Banken. Diese Analyse ist jedoch auch hilfereich für Finanzchefs aller Branchen. CFOs sollten ihr eigenes Engagement mit Banken überprüfen und mit ihrer Treasuryabteilung abklären, wie gut sie selbst vorbereitet ist.

Das White-Paper besagt, dass ein Zerbrechen der Eurozone die geringsten Auswirkungen auf kleine, lokale Banken haben sollte. Sie würden primär zusehen müssen, künftig auch Zahlungen in Länder vornehmen zu können, die die Eurozone verlassen haben. In ihren Grundfesten erschüttern sollte sie das nicht. Für große Universalbanken, die sich am Kapitalmarkt refinanzieren sowie Kapitalmarktgeschäft und Corporate Finance anbieten, sehe die Lage dagegen ganz anders aus, so Capco. Sie würden von beiden Szenarien extrem getroffen.

CFOs sollten Bankenkreis prüfen

Für die Finanzchefs von Unternehmen würde dies bedeuten, dass sie ihre Bankbeziehungen so weit wie möglich zu kleineren, lokalen Banken verlagern sollten – nicht nur, weil einige der großen vielleicht bald pleitegehen, sondern auch, weil sie zu beschäftigt mit der Sicherung ihres eigenen Überlebens sind, um sich wirklich um ihre Kunden kümmern zu können. Interessanterweise zitiert die Nachrichtenagentur APA den Autor der Studie, Bernd Richter, allerdings mit den Worten, dass „die großen Banken alle ihre Aufgaben längst gemacht haben“ und dass die kleinen und mittelgroßen Banken noch weitgehend unvorbereitet seien.

Die Analyse erscheint zumindest in Bezug auf kleine Banken widersprüchlich. Mittelgroße Banken, die zu groß sind, um sich nur über lokale Einlagen zu refinanzieren, aber zu klein, um Personal und IT für ausgefeilte Notfallpläne bereitzuhalten, könnten aber in der Tat zwischen allen Stühlen sitzen. Auch wenn dergleichen Studien oft die Hauptabsicht haben dürften, bei den als kritisch deklarierten Häusern – in diesem Fall mittelgroßen Banken – das Gefühl von Beratungsbedarf zu schaffen, sollten gerade Finanzvorstände im Nicht-Banken-Sektor entsprechende Warnungen wachsam verfolgen, und ihre Finanzstrategie und Finanzierungspartner regelmäßig kritisch prüfen.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de