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Wall Street: Moral verfällt, Angst regiert

Thinkstock / Getty Images

Es ist ein verstörender Blick in die Abgründe der Wall Street, den die New Yorker Law Firm Labaton Sucharow vorgelegt hat. Eine anonyme Umfrage unter 250 Wall-Street-Managern, die die Kanzlei jährlich durchführt, hat alarmierende Ergebnisse zu Tage gefördert: Betrug, Wegsehen und die Angst vor Vergeltung breiten sich wieder ungehemmt an der Wall Street aus. „An der Wall Street zieht ein perfekter Sturm auf. Er könnte katastrophale Konsequenzen haben“, fürchtet Labaton Sucharow.

Vor allem wegen eines speziellen Befunds kommen die Anwälte zu diesem Schluss: Zwar ist der Moralverfall an der Wall Street auf breiter Front auf dem Vormarsch. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung jedoch bei den Nachwuchstalenten, die später einmal in die Führungspositionen der Wall-Street-Häuser aufrücken werden. „Die Jungen haben ihren moralischen Kompass verloren“, befürchten die Autoren.

Whistleblower fürchten die Rache vom Chef

Dafür gibt es eine Reihe von Hinweisen: So sind 29 Prozent der Befragten der Meinung, dass sie  die Regeln brechen müssen, um erfolgreich zu sein. Bei den jungen Professionals mit weniger als zehn Jahren Berufserfahrung glauben das 36 Prozent – doppelt so viel wie bei den alten Recken mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung.

Während 24 Prozent der Befragten zugaben, dass sie Insider-Trading begehen würden, wenn sie damit davon kämen (9 Prozentpunkte mehr als 2012), waren es bei den Jungen satte 38 Prozent. Dies liegt offenbar auch an dem schlechten Bild, dass sie von ihren Führungskräften haben: 20 Prozent der Nachwuchsleute sind der Meinung, dass ihre Chefs wegsehen würden, wenn einer ihrer Top-Performer in Insidergeschäfte verwickelt wäre. Von allen Befragten glauben das nur 15 Prozent.

SEC hui, Wettbewerber pfui

Noch schlechter ist die Meinung der Wall-Street-Akteure von ihrer Konkurrenz: 52 Prozent der Befragten glauben, dass ihre Wettbewerber in illegale Aktivitäten verstrickt sind, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu gesellt sich unter den Wall-Street-Managern eine ausgeprägte Angst vor Repressionen gegen Whistleblower. 24 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Arbeitgeber bei ihnen rächen würden, wenn sie Fälle von Fehlverhalten  an die Behörden meldeten – ein Anstieg um 9 Prozentpunkte gegenüber 2012.

Einziges positives Ergebnis der Umfrage: Das Zutrauen in die Regulierer und Aufsichtsbehörden wächst. Die Mehrzahl der Professionals glaubt mittlerweile an die Effektivität der Börsenaufsicht SEC. Doch nur zwei Drittel von ihnen wissen, dass die SEC auch ein spezielles Programm zum Schutz von Whistleblowern anbietet. An der Wall Street paart sich der moralische Verfall mit Unwissenheit und einem Klima der Angst.

Das vollständige Papier zum Moralverfall an der Wall Street finden Sie hier in unserer FINANCE White Paper Library.