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Was zusammen gehört

Sascha Duis

In Frankfurt steht gerade mitten auf Deutschlands belebtester Fußgängerzone eine kleine Plakatwand der Occupy-Bewegung. Auf der einen Seite steht: „Libor-Skandal ist nur der Anfang!“ und auf der anderen: „Trennbankensystem jetzt!“ Irgendwie hat jeder eine Meinung zu dem Thema. Nur die CFOs offenbar nicht. Zumindest hört man nichts von ihnen (das kann natürlich auch daran liegen, dass sie – zumindest in Deutschland – so schlecht organisiert sind).

Dabei ist das Thema auch für die Finanzchefs wichtig, und das nicht nur als Bürger und Steuerzahler. Im Corporate Banking geht der Trend bei den größeren Unternehmen schon seit vielen Jahren in Richtung Verzahnung der Bankbeziehungen. Reißt man Kreditgeschäft und Investmentbanking auseinander (und das passiert im Trennbankensystem zumindest im Geschäft mit dem großen Mittelstand automatisch), funktioniert das gesamte Pricingmodell nicht mehr. Der Kredit muss dann teurer werden.

Doch das ist nur ein Aspekt unter vielen. Alles wird komplizierter und weniger verlässlich. Viele Unternehmen haben gerade erfolgreich die Zahl der Banken reduziert, in einem Trennbankensystem muss die Zahl der Bankenpartner zwangsläufig steigen. Und die dann reinrassigen Investmentbanken können ihr Geschäft nicht mehr auf die langfristige Kreditbeziehung aufbauen, sie müssen opportunistisch von Mandat zu Mandat hopsen. Für die Kunden heißt das weniger Verlässlichkeit, mehr Gesprächsfäden, mehr Zeitvergeudung, mehr Frust.

Und das alles zum Wohle des Gesamtsystems, Trennbanken sollen ja schließlich das große Ganze sicherer machen. Nur gibt es dafür keine überzeugenden Argumente, weder in der Historie noch in der Theorie. Wenn Trennbankensystem hieße, die Handelsspekulation der Banken zu isolieren, wäre dagegen nichts zu sagen. Doch der Schnitt geht mitten durch die Geschäftsbeziehung von Unternehmen mit ihren Banken. Da sollte man die die Debatte nicht den Banken und Antikapitalisten überlassen.

bastian.frien[at]finance-magazin.de