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Windreich: Sarasin gerät ins Zwielicht

Die Kanzlei Bergdolt fordert Inhaber von Windreich-Mittelstandsanleihen auf, sich einer Sammelklage gegen die Bank Sarasin anzuschließen.
Alpha Ventus

Der Schweizer Bank Sarasin droht im Zusammenhang mit den Hausdurchsuchungen und Insolvenzgerüchten bei dem Windparkprojektierer Windreich eine Millionenklage. Die Kapitalmarktrechtlerin Daniela Bergdolt will Investoren, die mit den Mittelstandsanleihen von Windreich viel Geld verloren haben, für eine Sammelklage gewinnen. Der potentielle Schaden für Sarasin ist enorm, denn die beiden ausstehenden Windreich-Anleihen summieren sich auf 125 Millionen Euro. Außerdem steht Sarasin offenbar noch mit einer hohen zweistelligen Millionensumme im Kreditrisiko.

Die Anwaltskanzlei Bergdolt wirft der Bank Sarasin einen „massiven Interessenkonflikt“ vor. Angeblich hätten die Bankiers Windreich Kredite über 70 Millionen Euro gewährt und ihren Kunden gleichzeitig offensiv die Mittelstandsanleihen des Unternehmens zum Kauf empfohlen. „Nach unseren Informationen hat die Bank Sarasin viele Anleihekäufer nicht ausreichend über die Risiken und den internen Interessenkonflikt aufgeklärt“, sagt Daniela Bergdolt. Doch nicht nur Sarasin ist ins Visier der Kanzlei geraten, sondern auch Windreich selbst sowie Inhaber Willi Balz, gegen die ebenfalls Schadenersatzansprüche geprüft werden. Daneben muss sich Sarasin offenbar auch kritischer Fragen der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma erwehren.

Bank Sarasin soll „Lender of last Resort“ gewesen sein

Sarasin weist die Anschuldigungen zurück und stellt klar, dass „die Kunden der Bank gemäß den einschlägigen Vorschriften aufgeklärt" worden seien. „Mögliche Interessenkonflikte, die sich nicht vermeiden lassen, legt die Bank gegenüber ihren Kunden grundsätzlich offen", erklärte ein Banksprecher gegenüber FINANCE.

Nicht bestätigten Presseberichten zufolge soll Sarasin auch der „Lender of last Resort“ gewesen sein, der Anfang März die sofortige Insolvenz verhinderte, indem Willi Balz ein Notkredit gewährt wurde, mit dem der Windreich-Gründer mit einigen Tagen Verspätung die fälligen Zinsen der Anleihen bezahlen konnte. Dafür hat Balz eigenen Angaben zufolge private Immobilien verpfändet.  

Die mögliche Sammelklage könnte schnell Fahrt aufnehmen, denn drei Jahre nach dem Kauf verjähren die Ansprüche. Die Zeit drängt, denn die erste Windreich-Anleihe wurde am 1. März 2010 begeben.