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Kurssturz bei Deutscher Bank und Commerzbank nach Investoren-Exit

Die Deutsche Bank und die Commerzbank verlieren einen gemeinsamen Großinvestor. Foto: Deutsche Bank
Die Deutsche Bank und die Commerzbank verlieren einen gemeinsamen Großinvestor. Foto: Deutsche Bank

Ein weiterer Ankerinvestor kehrt den deutschen Geldhäusern Deutsche Bank und Commerzbank den Rücken zu. Am gestrigen Montagabend brachte die US-Investmentbank Morgan Stanley laut der Nachrichtenagentur Bloomberg im Auftrag eines nicht genannten Investors Aktien im Wert von 1,75 Milliarden Euro auf den Markt.

Dabei handelte es sich um zwei Aktienpakete der beiden deutschen Institute von jeweils etwas mehr als fünf Prozent – um genau zu sein um 166 Millionen Aktien der Deutschen Bank zu je 10,98 Euro und 72,5 Millionen Anteilsscheine der Commerzbank zu je 6,55 Euro. Damit ist das Paket der Deutschen Bank 1,27 Milliarden Euro schwer, das der Commerzbank 475 Millionen Euro.

Ein Verkauf dieser Größenordnung sorgte für ein Beben am Kapitalmarkt: Die Aktien der Deutschen Bank fielen am heutigen Dienstag zeitweise um rund 10 Prozent. Der Kursrutsch der Commerzbank lag bei rund 9 Prozent. Beide erholten sich im Laufe des Tages nur leicht.

Mysteriöser Investor ist US-Fondshaus Capital Group

Wer der mysteriöse Verkäufer ist, wollte keine der Banken auf Nachfrage von FINANCE mitteilen. Doch mittlerweile ist fast sicher, dass es sich nur um den Vermögensverwalter Capital Group Companies handeln kann – einem US-Fondsriesen, der mit rund 2 Billionen US-Dollar Assets under Management zu den größten Kapitalanlegern der Welt zählt.

Denn dieser ist neben dem US-Vermögensverwalter Blackrock der einzige Investor in den Aktionärsreihen der Deutschen Bank mit einem entsprechend großen Anteil von etwas über fünf Prozent, der seine Anteile zudem auf dem freien Markt verkaufen kann. Die Blackrock-Anteile liegen überwiegend in ETFs, sind also an die Abbildung von Börsenindizes gebunden und können nicht ohne Weiteres abgestoßen werden.

Auch Bloomberg will den „Mystery Seller“ mit Hilfe von Insidern aus Finanzkreisen bereits entlarvt haben, wie die Nachrichtenagentur meldet. In den nächsten Tagen müssten bei Trades dieser Größenordnung meldepflichtige Mitteilungen folgen, so geschehen auch beim Hedgefonds Cerberus, der erst Anfang des Jahres die Beteiligungen an den Häusern reduziert hatte.

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Coba und Deutsche Bank bekräftigen ihre Kapitalmarktstrategien

Dass der Rückzug des Ankerinvestors aus gleich zwei deutschen Großbanken ein böses Omen für die hiesigen Banken sein könnte, wollen Deutsche und Coba nicht unterschreiben. Sie bekräftigen auf FINANCE-Nachfrage unisono ihre strategischen Marschrouten.

Bei der Deutschen ist man überzeugt, dass das fokussierte Geschäftsmodell und das Risikomanagement „ihre Widerstandsfähigkeit in schwierigen Zeiten bewiesen“ haben. Und auch bei der Commerzbank, werde eine Veräußerung eines Aktienbestandes nicht an der Strategie rütteln, erklärt die Bank. „Wie wir auf dem Kapitalmarkttag sagten, hatten wir einen vielversprechenden Start in das Jahr und haben die Finanzziele unserer ‚Strategie 2024‘ angehoben“, so die Coba weiter.

Capital Group macht beim Exit kräftig Rendite

Der Exit hat sich für die Capital Group gelohnt: Wie FINANCE aus Finanzkreisen erfahren hat, hat der Fondsmanager sein Investment bei der Deutschen Bank seit dem Einstieg 2020 verdoppelt. Diese Erlöse könnten daher angesichts der aktuellen Marktentwicklung die lukrativere Alternative zu einem Festhalten an den Investments gewesen sein. Wie viel Geld der Finanzinvestor bei der Commerzbank erlöst, ist nicht bekannt.

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Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sei der US-Fonds Experten zufolge zu dem Schluss gekommen, dass sich das Umfeld für europäische Banken jüngst deutlich verschlechtert habe. Die erhoffte Erholung durch die anstehende Zinswende der EZB werde durch die ökonomischen Folgen des Ukraine-Kriegs überschattet, schreibt die Zeitung.

Die Capital Group hatte erst Ende vergangenen Jahres die Beteiligung bei der Deutschen Bank aufgestockt. Den Einstieg ein Jahr zuvor bewerteten Analysten als äußerst positives Zeichen, da es sich bei der Capital Group weder um einen Hedgefonds handelt, der auf kurzfristige Renditen aus ist, noch um einen auf die Indexgewichtung festgelegten ETF-Anbieter.

Die aktuellen Verkäufe der Aktienpakete von Deutscher und Commerzbank lassen sich aber auch als größer angelegte Exit-Strategie interpretieren: So hatte das Fondshaus erst vor kurzem auch Anteile der britischen Bank Barclays für umgerechnet 1,1 Milliarden Euro verkauft.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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