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OLB kauft angeschlagene Degussa Bank

Die OLB kauft die Degussa Bank zum Preis von 220 Millionen Euro. Foto Postmodern Studio - stock.adobe.com.
Die OLB kauft die Degussa Bank zum Preis von 220 Millionen Euro. Foto Postmodern Studio - stock.adobe.com.

Die Oldenburgische Landesbank (OLB) kauft die Degussa Bank, wie der Konzern am gestrigen Mittwochabend mitteilte. Der Kaufpreis liegt bei 220 Millionen Euro auf Basis eines harten Kernkapitals in Höhe von 357 Millionen Euro, das zum Closing des M&A-Deals bestehen soll. Damit zahlt die Bank einen Abschlag von fast 40 Prozent auf den Buchwert der Degussa Bank.

Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet die Bank „um die Jahresmitte 2023“, da unter anderem die Bankenaufsicht den Deal genehmigen muss. Die Akquisition wollen die Oldenburger aus „bestehenden Ressourcen und Kapitalsynergien“ finanzieren.

OLB will Privatkundengeschäft ausbauen

Der Zukauf soll die regionale Präsenz der OLB ergänzen. Die Degussa Bank ist auf Industrie- und Wirtschaftszentren in West- und Süddeutschland fokussiert, die OLB ist eher im Norden Deutschlands vertreten. Zudem soll durch den Kauf das deutschlandweite Privatkundengeschäft der OLB um rund 340.000 Kunden erweitert werden und der „Digitale Bank-Shop“ der Degussa genutzt werden.

Die OLB geht von einem „erheblichen Potenzial für Kostensynergien“ aus, das sie zügig nach Abschluss der Transaktion heben will. Die Bank hofft, das kombinierte Unternehmen mittelfristig auf das angestrebte Kosten-Ertrags-Verhältnis von circa 40 Prozent zu bringen – ein äußerst ambitioniertes Ziel. Zum Jahresende 2021 lag die Cost-Income-Ratio der OLB – bereinigt um regulatorische Aufwendungen – bei 59,5 Prozent, ein im Branchenvergleich ohnehin schon ansehnlicher Wert. Zum Vergleich: Das Kosten-Ertrags-Verhältnis der Degussa beträgt sogar 98 Prozent, hat das Branchenportal „Finanz-Szene.de“ herausgefunden.

Zusätzlich peilt die OLB durch den Deal eine verbesserte Eigenkapitalrendite an: Die Bank will eine Eigenkapitalrendite nach Steuern „am oberen Ende der Zielspanne“ von 13 bis 15 Prozent erreichen. Im Jahresabschluss von 2021 verzeichnete die Oldenburgische Landesbank eine Eigenkapitalrendite nach Steuern in Höhe von 7,3 Prozent.

Degussa ist massiv geschrumpft

Um die Degussa Bank, die die einzige „Worksite“-Bank in Deutschland ist, stand es zuletzt nicht gut. Die Bank ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft: Im Jahr 2015 hatte sie noch mehr als 260 Filialen auf dem Betriebsgelände großer Konzerne, von denen nun nur knapp 60 Filialen übrig sind. Zudem schreibt die Bank rote Zahlen: Das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen beträgt laut „Handelsblatt“ rund 110 Prozent.

Die Bank gehört mehrheitlich Christian Olearius und Max Warburg, die durch die Verstrickungen der M.M. Warburg Bank in den Cum-Ex-Skandal unter Druck stehen. Die Eigentümer hatten die Bank schon im Jahr 2020 zum Verkauf gestellt.

Das Zusammengehen von OLB und Degussa passt in die Wachstumsstrategie der OLB-Eigentümer, die Bank noch größer und profitabler zu machen, bevor perspektivisch ein Börsengang der Bank auf die Agenda rückt. Dafür dürfte die OLB bei der Degussa Bank vor allem das Ziel verfolgen, die Kosten massiv herunterzuschrauben.

Bevor der IPO kommt, müssen die Oldenburger aber noch die Integration der jüngsten Zukäufe vorantreiben. Die OLB befindet sich in den Händen der Finanzinvestoren Apollo und Grovepoint sowie dem US-Pensionsfonds TRS. Es ist schon die zweite größere Akquisition der OLB in diesem Jahr: Im Sommer kaufte die Bank zusammen mit dem niederländischen Versicherer ASR das Leveraged-Loan-Portfolio der NIBC-Bank für 500 Millionen Euro.

eva.brendel@finance-magazin.de | + posts

Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.

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