Die jahrelange Zusammenarbeit zwischen ABB und EY geht zu Ende. Der Schweizer Industriekonzern will sich künftig lieber von KPMG prüfen lassen.

ABB/EY

23.05.17
Banking & Berater

ABB will Abschlussprüfer EY durch KPMG ersetzen

Der Schweizer Industriekonzern ABB trennt sich zu Gunsten von KPMG von seinem langjährigen Wirtschaftsprüfer EY. Der Wechsel überrascht, da die Schweiz nicht der Prüferrotationspflicht unterliegt.

Der Schweizer Industriekonzern ABB will sich von seinem langjährigen Abschlussprüfer Ernst & Young (EY) trennen. Wie ABB jetzt bekannt gab, soll stattdessen KPMG künftig für die Bilanzprüfung verantwortlich sein. Der Vorschlag muss noch von der nächsten Aktionärsversammlung angenommen werden. Der Jahresabschluss 2017 soll jedoch noch von EY geprüft werden. 

ABB hat nach eigener Aussage seit 2001 mit EY zusammengearbeitet und dankt der WP-Gesellschaft für „Einsatz und Engagement“. Der Wechsel überrascht, da es nicht ungewöhnlich ist, dass ein Wirtschaftsprüfer ein Unternehmen über Jahrzehnte prüft. Hinzu kommt, dass Unternehmen aus der Schweiz anders als EU-Unternehmen nicht dazu verpflichtet sind, alle zehn Jahre ihren Prüfer zu wechseln.

Die aufgekommene Interpretation, der Prüferwechsel stehe im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal in Südkorea, in den ABB verstrickt ist, weist ABB offiziell zurück. Der Wechsel sei bereits vor einem Jahr angestoßen worden und habe mehrere „Corporate-Governance-Gründe“, erklärte das Unternehmen auf Nachfrage, ohne nähere Details zu nennen.

EY kritisierte ABB beim Finanzskandal in Südkorea

Die Korea-Problematik hat allerdings hohe Wellen geschlagen – auch im Verhältnis zwischen ABB und EY. Im März musste ABB bekannt geben, dass ein hochrangiger Treasurer aus Korea 100 Millionen Dollar unterschlagen haben soll. Um den Eklat aufzuarbeiten, musste ABB die Vorlage des Geschäftsberichts 2016 verschieben. Als finanzielle Belastung verbuchte ABB am Ende 73 Millionen Dollar

Im Abschlussprüferbericht übte EY anschließend deutliche Kritik an ABB: Das interne Kontrollsystem (IKS) habe gravierende Schwächen aufgewiesen, schrieb die Prüfgesellschaft. EY kritisierte, dass ABB seine koreanische Tochter nicht ausreichend kontrolliert hätte und kritische Funktionen nicht ausreichend voneinander getrennt worden seien.

Es gab aber auch Stimmen, die EY in der Mitschuld sahen: Ein Wirtschaftsprüfer, der anonym bleiben wollte, sagte damals gegenüber FINANCE, dass EY ebenfalls Schuld an dem Skandal trage und die Probleme bei ABB früher hätte aufdecken können. Weder EY noch ABB wollten damals zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

Dass EY das Prüfungsmandat bei ABB verliert ist ungewöhnlich, da es in der Schweiz keinen Rotationszwang gibt. Dieser sorgt für große Konkurrenz zwischen EY, KPMG, Deloitte und PwC. Mehr über die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite Big Four