Nach dem Wirecard-Skandal trennt sich nun auch die KfW von EY.

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11.12.20
Banking & Berater

Auch KfW kehrt Prüfer EY wegen Wirecard den Rücken

Die nächste Bank kehrt EY im Zuge des Wirecard-Skandals den Rücken: Nach der DWS und Commerzbank lässt nun auch die KfW EY als Abschlussprüfer fallen. Der Profiteur: Deloitte.

Die Folgen des Wirecard-Skandals werden für EY immer verheerender: Jetzt beendet auch die KfW-Bank die Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsprüfer. EY wird die nach der Bilanzsumme drittgrößte Bank Deutschlands nur noch bis Ende 2021 prüfen, erklärte ein Sprecher der KfW gegenüber der Nachrichtenagentur „Bloomberg“.  

Dass die KfW über einen Prüferwechsel nachdenkt, berichteten Medien bereits im Herbst. Immerhin gewährte die Bank Wirecard in den vergangenen Jahren Kredite, verlor aber nach der Insolvenz des Zahlungsdienstleisters hohe Millionenbeträge. Wer Verantwortung dafür trägt, dass der Betrug nicht schon eher entdeckt wurde, ist noch unklar – doch Wirecards langjähriger Prüfer EY steht massiv unter Druck, viele geschädigte Parteien erwägen Klagen gegen das Big-Four-Haus oder haben bereits geklagt. Würde die staatseigene KfW weiterhin von EY geprüft werden, könnten also Interessenskonflikte drohen.

DWS und Commerzbank entschieden sich gegen EY

Damit schließt sich die KfW anderen geschädigten Banken an. Anfang September erteilte die Fondsgesellschaft DWS dem Big-Four-Haus eine Absage. Eigentlich wollte der Asset-Manager der Deutschen Bank den Prüfer für das Geschäftsjahr 2020 bestellen. Doch auch die DWS hat viel Geld bei Wirecard verloren – und entschied sich ebenfalls wegen „möglicher zukünftiger Konflikte“ gegen EY. Stattdessen soll nun KPMG die Bilanzen prüfen.

Und auch die Commerzbank kehrte EY den Rücken. Im September teilte die Bank mit, dass der Aufsichtsrat bei der nächsten Hauptversammlung 2021 einen Austausch des Wirtschaftsprüfers für das Geschäftsjahr 2022 vorschlagen will. Die Commerzbank gehörte ebenfalls zu den Wirecard-Kreditgebern und musste deshalb im ersten Halbjahr dieses Jahres 175 Millionen Euro abschreiben. Unklar ist noch, wie der EY-Kunde Deutsche Bank mit der Situation umgeht, immerhin hat auch er viel Geld bei Wirecard verloren.

EY steht wegen Wirecard unter Beschuss

Dieser weitere Verlust eines Prüfmandats ist ein verheerendes Signal in den Markt. Entlasten konnte sich EY zu seiner Rolle im Bilanzskandal bislang nicht, denn die Prüfer berufen sich stets auf ihre Verschwiegenheitspflicht. Selbst als Wirecards Insolvenzverwalter sie von dieser entbunden hat, haben sie die Aussage vor dem Untersuchungsausschuss im Bundestag verweigert mit der Begründung, dass dies nicht ausreichend sei. Das sorgte für viel Unverständnis und war Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

EY, die in den vergangenen Jahren aufgrund der Abschlussprüferrotation etliche namhafte Prüfmandate gewonnen hat, drohen nach dem Wirecard-Skandal weitere Verluste. Profiteure sind hingegen die Wettbewerber: So wird die DWS etwa zunächst einmal weiter vom bisherigen Prüfer KPMG geprüft.

Deloitte kommt bei KfW zum Zug

Bei der KfW hingegen, die bis zum Prüferwechsel 2017 noch von KPMG geprüft wurde, kommt nun Deloitte zum Zug, wie ein Sprecher gegenüber Bloomberg sagte. Für Deloitte ist das ein wichtiger Zugewinn, denn das Big-Four-Haus hat bisher kaum von der Prüferrotation profitiert, insbesondere wenn es um große Mandate ging.

Während PwC, EY und KPMG immer wieder Zugewinne verbuchten, ging Deloitte bei vielen Ausschreibungen leer aus. Die Bankenexpertise hatte sich Deloitte aufgebaut, als das Haus um das Mandat bei der Commerzbank kämpfte – bei der KfW wird das sich nun als nützlich erweisen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Was sind die Folgen des Wirecard-Skandals für die Wirtschaftsprüfer? Mehr zu KPMG, PwC, Deloitte und EY finden Sie auf unserer Themenseite zu den Big Four.