Die digitale Abschlussprüfung wird sich dank neuer Technologien massiv verändern.

Alexander Limbach - stock.adobe.com

23.10.20
Banking & Berater

Das bringt die digitale Abschlussprüfung

Die Arbeit von Wirtschaftsprüfern wandelt sich dank neuer Technologien massiv. Was sind die Vorteile einer digitalen Abschlussprüfung und wo sehen Unternehmen die größten Hürden?

Die Coronavirus-Krise sorgt in vielen Bereichen für einen Digitalisierungsschub – so auch bei der Arbeit der Wirtschaftsprüfer. Wie genau steht es um die digitale Zukunft der Abschlussprüfung? Welche Technologien prägen die Entwicklung und welche für Hindernisse gibt es? Diesen Fragen geht das Big-Four-Haus PwC schon seit vier Jahren regelmäßig nach, allerdings nicht aus Sicht der Prüfer, sondern aus Sicht der zu prüfenden Unternehmen. PwC hat dazu dieses Mal 101 Entscheider aus mittelständischen und großen Unternehmen befragt.

Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass die Abschlussprüfung schon in fünf Jahren nicht mehr wesentlich vor Ort stattfinden wird. 42 Prozent erwarten weiterhin, dass auch die Prüfung vor Ort wichtig bleibt. Damit hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur eine geringfügige Veränderung ergeben.

Auf die Frage, ob sich die Abschlussprüfung durch den technologischen Wandel massiv verändern wird, antworteten die teilnehmenden Entscheider mit einem deutlichen „Ja“ in Höhe von 76 Prozent. Allerdings stimmten im vergangenen Jahr noch etwas mehr dieser Aussage zu. Ein Grund dafür könnte sein, dass einige technologische Fortschritte bereits erzielt wurden und die Erwartungen an die weitere Entwicklung daher etwas gesunken sind.

Automatisierte Prozesse für individuellere Prüfung

Der digitale Fortschritt geht oft einher mit Automatisierungsprozessen, und so ist es auch in der Wirtschaftsprüfung: Ein Drittel der Befragten erwartet, dass der Automatisierungsgrad der Abschlussprüfung in den kommenden fünf Jahren bei über 50 Prozent liegen wird. Im vergangenen Jahr hatten die Befragten den Automatisierungsgrad noch mit lediglich bis zu 25 Prozent angegeben.

Ein hoher Automatisierungsgrad wäre die Grundlage für Realtime-Audits – also ständig mitlaufende Prüfungen. Das könnte wiederum anlassbezogene Abschlussprüfungen wie bei Zukäufen, Abspaltungen oder Börsengängen ermöglichen, die stärker auf die Stakeholder zugeschnitten sind. Individuellere Prüfungsleistungen könnten nach Ansicht von PwC ein neuer Differenzierungsfaktor im Wettbewerb der WP-Gesellschaften sein.

Cloud-Lösungen als Basis ortsunabhängiger Prüfung

Beim Blick auf die einzelnen technologischen Trends, die die Entwicklung der Abschlussprüfung beeinflussen, können sich die Befragten vor allem auf zwei einigen: Data Analytics und Cloud-Lösungen werden kurz- bis mittelfristig prägend sein, glauben sie. Die Relevanz von Cloudlösungen sieht auch PwC selbst als wichtigen Faktor. Insbesondere die Verbreitung von Lösungen wie SAP S/4 Hana spielt für PwC im Tagesgeschäft bereits eine sehr große Rolle. Cloud-Lösungen sind die Grundlage dafür, dass die Abschlussprüfung zunehmend ortsunabhängig erfolgen kann.

Auch Künstliche Intelligenz wird die Prüfung verändern – 43 Prozent der Befragten sprechen dieser Technologie einen eher hohen Einfluss zu. Bei der vergangenen Befragung waren es nur 27 Prozent. KI kann Anomalien im Buchungsstoff anzeigen oder für Simulationen zur Überprüfung von Prognoserechnungen genutzt werden, glauben die Befragten.

Einen großen technologischen Wandel sieht man schon jetzt in der Kommunikation mit dem Abschlussprüfer: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, sich bereits über Tablets, Chatbots oder zum Beispiel in virtuellen Räumen mit ihrem Abschlussprüfer auszutauschen. Vor drei Jahren waren das nur 28 Prozent, der Großteil nutzte klassische Kanäle wie E-Mail und Telefon.

Der technologische Wandel steht auch vor Hürden

Doch es gibt auch noch viele technologische Hürden, die Unternehmen in Bezug auf die digitale Abschlussprüfung sehen – und daran hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur wenig geändert: Limitierende Faktoren sehen 80 Prozent der Befragten bei hohen Anforderungen an Datenschutz und -sicherheit sowie fast zwei Drittel bei der hohen Geschwindigkeit, die Veränderungen in der Technologie mit sich bringen. Fast die Hälfte klagt zudem über unzureichende Skills der Wirtschaftsprüfer.

Ein Faktor könnte der Weiterentwicklung der digitalen Abschlussprüfungen aber trotz allen Hindernissen Schwung verleihen: 10 Prozent der befragten Entscheider geht davon aus, dass die Digitalisierung der Abschlussprüfung ihnen in erheblichen Umfang Informationen über ihr Unternehmen verschaffen kann, die bis dato nicht bekannt sind. Im vergangenen Jahr waren davon erst 5 Prozent der Befragten überzeugt.

gesine.wagner[at]finance-magazin.de