Ebner Stolz legt weiter stark zu – auch noch in Zeiten des Coronavirus?

Ebner Stolz

20.05.20
Banking & Berater

Ebner Stolz bilanziert hohes Wachstum für 2019

Ebner Stolz ist 2019 ungewöhnlich stark gewachsen – vor allem im Beratungsgeschäft. Doch welche Folgen hat Corona jetzt für das Next-Ten-Haus?

Bei Ebner Stolz geht es voran: Das mittelständische Prüf- und Beratungshaus ist 2019 um 19,7 Prozent auf einen Umsatz von 255 Millionen Euro gewachsen, wie die nun vorgelegten Zahlen zeigen. Das ist das stärkste Wachstum innerhalb der vergangenen Jahre, als die Raten meist um die 8 Prozent lagen.

Für das Jahr 2019 hat Ebner Stolz ein Wachstum „spürbar über 10 Prozent“ prognostiziert und die Prognose damit übertroffen. Mit dieser Entwicklung hat sich Ebner Stolz seinen Platz als Nummer 7 in Deutschland gesichert: Der Verfolger Baker Tilly setzte zuletzt rund 165 Millionen Euro um und bleibt damit auf Abstand. 

M&A-Beratung spielt wichtige Rolle bei Ebner Stolz

Am stärksten ist ausgerechnet der Bereich gewachsen, der im Vorjahr noch stark geschwächelt hatte: Im Consulting hat Ebner Stolz um über 18 Prozent auf 37,8 Millionen Euro zugelegt. 2018 war das Beratungsgeschäft, zu dem die klassische Management-Beratung und Restrukturierungs-, M&A- sowie Digitalisierungsberatung zählen, sogar noch leicht geschrumpft, was die Stuttgarter unter anderem mit verschobenen Projekten erklärten. (Anmerkung der Redaktion: Im Vorjahr hatte Ebner Stolz einen Teil der Beratungsleistung zur Steuerberatung zugerechnet, so dass die Vorjahreszahlen nicht ganz vergleichbar sind.)

Neben der Realisierung von Umsätzen aus diesen Projekten hat 2019 aber auch „hervorragendes Transaktionsgeschäft“ zu dem starken Wachstum beigetragen, berichtet Partner Wolfgang Russ. „2020 werden wir Coronavirus-bedingt natürlich nicht mehr so stark in der M&A-Beratung wachsen können“, schränkt er aber auch ein. 

Ebner Stolz legt bei Tax und Legal zu

Ein weiterer Treiber: Laut Russ habe es 2019 mehrere große Projekte gegeben, in denen Ebner Stolz verschiedene Dienstleistungen aus einer Hand anbieten konnte. So nennt er etwa die Beratung von Knorr-Bremse beim Verkauf des Teilbereichs Powertech, wo die Gesellschaft den M&A-Prozess beratend begleitete, die Finacial sowie Tax Due Diligence durchführte, ein IDW S6-Gutachten für Powertech erstellte sowie die Post-Closing-Beratung machte.

„Immer mehr Kunden wünschen sich Dienstleistungen aus einer Hand“, berichtet Wolfgang Russ. „Dafür hat uns die Stärkung an der juristischen Front 2018 sehr geholfen.“ Damals wechselten neun Rechtsanwälte vom Stuttgarter Konkurrenten Menold Bezler zu Ebner Stolz, auch andere Standorte verstärkten sich vereinzelt.

Entsprechend gut haben sich bei dem Next-Ten-Haus daher auch andere Beratungsbereiche entwickelt: In der Rechtsberatung haben die Stuttgarter um über 43 Prozent auf 26,7 Millionen Euro zugelegt, in der Steuerberatung um knapp 17 Prozent auf 97,7 Millionen Euro. Die Steuerberatung ist mit einem Anteil von 38 Prozent am Gesamtumsatz der größte Umsatzbringer. 

Ebner Stolz gewinnt Prüfmandate von Big Four

Doch die Wirtschaftsprüfung bringt inzwischen fast genau so viel Umsatz mit: Dieser Bereich ist im vergangenen Jahr um über 17 Prozent auf 92,5 Millionen Euro gewachsen. Grund dafür waren unter anderem neue Prüfmandate, die Ebner Stolz hinzugewonnen und im vergangenen Jahr angetreten hatte, darunter 3U, 1188 Solutions, Easy Software oder Alno.

Auch 2019 kamen neue Mandate hinzu, wie Wolfgang Russ berichtet. Im Segment der kapitalmarktorientierten Unternehmen (PIE) waren vier Finanzdienstleister (Ellwanger & Geiger Privatbankhaus, Bankhaus Gebr. Martin, Shinhan Bank Europe und St. Galler Kantonalbank) sowie vier Industrieunternehmen (Alzchem, MS Industrie, Godewind Immobilien und Agrob) dabei.

In drei der acht Fälle war die gesetzliche Rotationsfrist abgelaufen. „Bei den übrigen fünf Mandatsgewinnen waren andere Gründe ausschlaggebend, in der Regel war das Unternehmen mit dem Service des bisherigen Abschlussprüfers nicht zufrieden“, wagt Russ einen Seitenhieb auf die Konkurrenz. Bei dem Großteil der neuen Mandate hatte zuvor ein Big-Four-Haus geprüft.

Insgesamt prüft Ebner Stolz inzwischen 40 PIE-Unternehmen in Deutschland und ist damit die Nummer 5 nach den Big Four. Auch im MDax und TecDax könne man sich durchaus Prüfaufträge vorstellen. „Wir bewerben uns aber nur sehr selektiv, da die Teilnahme an einer Ausschreibung sehr teuer und zeitintensiv ist“, meint Russ. Bei größeren MDax-Mandaten könnten schnell Summen im sechsstelligen Bereich zusammenkommen.

Corona bremst Ebner Stolz aus

Auch außerhalb der kapitalmarktorientierten Unternehmen konnte Ebner Stolz neue Prüfkunden gewinnen, wie den Energieversorger Badenova, den Flughafen Hannover oder Alanta Health. Doch es gab auch Verluste im vergangenen Jahr: So musste Ebner Stolz unter anderem SHW Automotive oder Max Automation abgeben. Abgegebene Mandate gehen häufig zu Big-Four-Konkurrenten, hat Wolfgang Russ beobachtet.

Für das Jahr 2020 wagt er keine Prognose: Während das Geschäft mit der Prüfung stabile Umsätze einbringt, ist die Beratung deutlich volatiler. Einerseits bringe Corona auch einen großen Beratungsbedarf bei den Kunden mit sich, etwa bei der Restrukturierung. Andererseits rechnet Russ auch damit, dass in Zukunft Beratungsprojekte storniert werden könnten beziehungsweise die Neuvergabe nicht dem Maße wie noch im Vorjahr erfolgt. Für Ebner Stolz selbst gibt er die Marschroute aus, dass keine Mitarbeiter Corona-bedingt entlassen werden sollen, vielmehr suche man weiterhin aktiv nach Mitarbeitern.

Dass der Umsatz stabil bleibt oder vielleicht sogar etwas über Vorjahr herauskommt, hält der Managing Partner für denkbar. 2021 wird dann jemand anderes die Zahlen vorstellen: Nach dem Erreichen des 65. Lebensjahres wird Russ in einigen Monaten als Partner bei Ebner Stolz ausscheiden.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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