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EY droht Deutsche-Bank-Mandat zu verlieren

Bald mit neuem Prüfer unterwegs? Auch die Deutsche Bank erwägt die Trennung von EY.
Mario Andreya - Deutsche Bank

Für EY wird es immer bitterer: Während in Sachen Wirecard, als dessen Bilanzprüfer EY agierte, tausende Aktionärsklagen sowie eine Klage von Insolvenzverwalter Michael Jaffé auf das Big Four-Haus zukommen, droht dem Wirtschaftsprüfer nun auch noch ein schmerzhaftes Abschmelzen des Stammgeschäfts. Jetzt wackelt auch das große und prestigeträchtige Prüfmandat bei der Deutschen Bank.

Auf der gestrigen Hauptversammlung äußerten verschiedene Aktionäre Kritik daran, dass die Deutsche Bank an EY als Abschlussprüfer festhält. Daraufhin kündigte Aufsichtsratschef Paul Achleitner an, das Prüfmandat für 2022 neu auszuschreiben. Damit könnte EY schon bald das Mandat verlieren. EY hätte das Mandat eigentlich noch bis 2030 behalten dürfen, erst dann hätte die gesetzliche Prüferrotation eine Neuausschreibung verlangt. 

EY löste erst 2020 KPMG ab

Für Wirtschaftsprüferverhältnisse ist EY erst seit Kurzem bei der Deutschen Bank aktiv: Im Geschäftsjahr 2020 übernahm EY das Mandat von KPMG. Da es kostspielig ist, sich auf die Übernahme eines derart großen und komplexen Mandats wie dem der Deutschen Bank vorzubereiten, dürften zwei Jahre als Abschlussprüfer für EY zu wenig sein, um das Projekt profitabel zu machen. 

Beschlossene Sache ist der Prüferwechsel bei der Deutschen Bank allerdings noch nicht. Achleitner lobte die Arbeit von EY bei der Deutschen Bank und erklärte, dass die EY-Mitarbeiter, die bei der Deutschen Bank engagiert seien, nicht auf dem Wirecard-Mandat gearbeitet hätten. Mit der Neuausschreibung des Mandats „halten wir uns alle Optionen offen“, sagte der 64-jährige Österreicher, der im kommenden Jahr als Aufsichtsratschef aufhören wird.

Als Profiteure einer Trennung von EY kommen aufgrund der Komplexität der Prüfaufgaben bei der Deutschen Bank grundsätzlich nur drei Häuser als alternative Abschlussprüfer in Frage: Deloitte, PwC und der frühere Prüfer KPMG. Der Vorgänger KPMG war aufgrund der verpflichtenden Abschlussprüferrotation ausgewechselt worden und hatte das Mandat zuvor über 60 Jahre lang inne. 

Im Pitch um die Nachfolge von KPMG kam PwC damals nach EY als Zweiter ins Ziel. Als langjähriger Prüfer der Commerzbank hat PwC auch Erfahrung in der Bilanzprüfung von Großbanken. Das Deutsche-Bank-Mandat gilt als besonders lukrativ, da die Bank in den vergangenen Jahren regelmäßig zu den Dax-Konzernen zählte, die die höchsten Honorare an ihre Wirtschaftsprüfer zahlen

EY hat schon viele Prüfmandate verloren

Für EY wäre ein Verlust des Deutsche-Bank-Mandats nicht die erste bittere Konsequenz aus dem Wirecard-Desaster. Mit Bezug auf Wirecard wurde EY schon als Prüfer bei der Commerzbank, der KfW und der Deutschen Telekom aussortiert. Auch die Fondsgesellschaft DWS trennt sich von EY. Bei der Deutsche-Bank-Tochter soll KPMG nachrücken

Und bei ProSiebenSat.1 steckt EY in fast der identischen Position wie bei der Deutschen Bank. Dort übernahm EY 2019 das Prüfmandat und könnte es nun wohl schon wieder verlieren: Der Medienkonzern hat sich überraschend auf Prüfersuche begeben und PwC als Alternative zu EY vorgeschlagen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.