EY gewinnt ein Dax-Mandat nach dem anderen. Der neueste Prüfkunde ist die Deutsche Telekom.

Quelle/Deutsche Telekom

13.02.20
Banking & Berater

EY gewinnt mit Telekom achtes Dax-Mandat

Die Erfolgswelle bei Ernst & Young reißt nicht ab: Jetzt hat das Big-Four-Haus mit der Deutschen Telekom schon das achte Dax-Mandat gewonnen. Damit lässt EY die Konkurrenz blass aussehen.

Ernst & Young gewinnt aller Voraussicht nach ein weiteres Dax-Mandat: Wie FINANCE erfahren hat, will nun auch die Deutsche Telekom EY zum neuen Prüfer wählen. Der Aufsichtsrat des Konzerns plant, auf der Hauptversammlung im kommenden Jahr EY als Konzernprüfer ab 2021 vorzuschlagen.

Ausgeschrieben hatte die Telekom das Mandat im März 2019. Grund dafür war die gesetzliche Abschlussprüferrotation, wegen der kapitalmarktorientierte Unternehmen ihr Prüfmandat nach spätestens zehn Jahren neu ausschreiben müssen. Der bisherige Prüfer PwC prüft die Telekom bereits seit knapp 25 Jahren und musste damit rausrotieren.

Prüferreform erschwert konzernweiten Prüfer

Die Suche nach neuen Prüfer gestaltete sich bei dem Telekommunikationskonzern recht kompliziert: Die Telekom hatte einen einheitlichen Konzernprüfer angestrebt, weil das unter anderem die Zusammenarbeit unter den Prüfern vereinfacht. Das wurde allerdings durch die EU-Verordnung zur Abschlussprüfung, die in den EU-Ländern unterschiedlich ausgestaltet ist, deutlich erschwert.

So hätte beispielsweise der Telekom-Mutter-Konzern noch 2023 PwC zum letzten Mal als Prüfer bestellen dürfen, Töchter in anderen EU-Ländern waren aber an andere Zeitpunkte gebunden. Zudem muss jede Einheit ein eigenes Auswahlverfahren durchführen, die Mutter darf dabei nicht vorgeben, wer gewählt wird. Offenbar konnte sich EY aber in allen Pitches durchsetzen. Vor solchen Problemen stehen viele deutsche Konzerne, die Töchter im Ausland haben, aber konzernweit die gleiche Prüfgesellschaft anstreben.

EY hat zahlreiche Dax-Mandate gewonnen

Für EY ist der Zugewinn des Telekom-Mandats ein großer Erfolg: Das Big-Four-Haus hat im Zuge der Prüferrotation bereits Lufthansa, Volkswagen, Munich Re und die Deutsche Bank als neue Prüfkunden im Dax gewonnen. Das Mandat bei Wirecard konnte EY bei einer Ausschreibung verteidigen, ebenso das bei Siemens und Beiersdorf. Nur Heidelberg Cement wird EY in diesem Jahr an PwC abgeben müssen. Nach dem Verlust dieses Mandats wird EY bereits acht Prüfkunden im Dax haben – vor Beginn der Prüferrotation waren es nur drei Unternehmen.

EY hat sein Ziel, im Zuge der Rotation den Prüfanteil im Dax auf 20 Prozent zu steigern, schon jetzt übererfüllt. Der Wirtschaftsprüfer gilt als veritabler Überraschungskandidat – Marktkenner hatten eigentlich erwartet, dass die ausgeschriebenen Mandate hauptsächlich unter den Dax-Platzhirschen KPMG und PwC getauscht werden.

Doch vier Jahre nach Beginn der Prüferrotation sieht die Lage ganz anders aus. EY startet mit unerwartet vielen Zugewinnen durch. PwC muss viele Verluste einstecken, kann aber auch namhafte Zugewinne wie BMW, Fresenius und Fresenius Medical Care, Henkel und Linde verbuchen. KPMG gibt reihenweise Dax-Mandate ab und kann diese mit den kleineren Zugewinnen von E.on oder Covestro nicht kompensieren. Und Deloitte, die vor der Rotation kein einziges Dax-Mandat inne hatte, scheint ihre Jahrhundertchance nicht zu nutzen: Mit Bayer gab es bisher nur einen einzigen Gewinn im Dax.

FINANCE-TV

Für EY dürfen die fünf neuen großen Kunden auch eine personelle Herausforderung sein. EY-Deutschlandchef Hubert Barth berichtete im Talk mit FINANCE-TV, dass man stark in Talente und Technologie investiert habe, um die neuen Mandate zu stemmen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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