EY holt wieder einige Steuerexperten ins Haus, nachdem die Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft einen größeren Abgang verkraften muss.

EY

18.02.19
Banking & Berater

EY verstärkt geschwächtes Mobility-Team

Bald wird EY ein großes Steuerberatungsteam an KPMG verlieren. Nun hat EY die Reihen wieder etwas aufgefüllt – unter anderem zu Lasten von Deloitte.

Im Oktober wurde bekannt, dass EY ein damals 40-, jetzt nur noch 35-köpfiges Steuerteam mit der Spezialisierung auf „Mobility Services“ an KPMG verlieren wird – jetzt hat das Big-Four-Haus einige Neuzugänge für diesen Bereich an Land gezogen, wie das Branchenportal „Juve“ berichtet. EY hat die Informationen auf FINANCE-Nachfrage bestätigt. Der Bereich Mobility Services betreut Unternehmen bei der Frage, wie beispielsweise die Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland besteuert werden muss.

EY holt Verstärkung für das Mobility-Team

So wird Anfang 2020 Scott McCormick als Partner bei EY einsteigen und bei EY People Advisory Services das Thema Innovation im Bereich Steuern und Recht verantworten. Der 42-Jährige kommt von Deloitte. Ebenfalls von Deloitte kommt Jelena McCormick, die schon im August als Associate Partner zu EY stoßen wird. Die 39-jährige Steuerberaterin wird sich auf das globales Gehaltsmanagement fokussieren.

Eine erste Verstärkung ist schon Anfang Januar zu EYs Mobility-Team gestoßen: Die Steuerberaterin Britta Schürhoff kam von der Steuerberatungsgesellschaft Gehrke Econ. Die 44-Jährige ist als Director eingestiegen und leitet den Bereich People Advisory Services in Hannover. Sie ist spezialisiert auf Kontrollmanagementsysteme im Zusammenhang mit internationalen Mitarbeiterentsendungen.

Bereits im Oktober kam der Rechtsanwalt und Steuerberater Nicolas Thoma als Associate Partner in das Mobility-Team. Der 43-Jährige kam von KPMG, zuvor arbeitete er bei Deloitte.

EY bleibt Marktführer in der Steuerberatung

Bis EY allerdings den Wegfall des gesamten Teams kompensiert hat, dürfte noch Zeit vergehen. Das Mobility-Team der EY People Advisory Services umfasst aktuell 738 Mitarbeiter. Damit sieht sich EY als klarer Marktführer. Auch bezogen auf das gesamte Steuerberatungsteam ist EY die Nummer 1 in Deutschland: Im Geschäftsjahr 2018 setzte das Big-Four-Haus 685 Millionen Euro mit der Steuerberatung um und ist der Nummer 2 PwC damit immer noch ein gutes Stück voraus, die 541 Millionen Euro Gesamtleistung auswies. KPMG (462 Millionen Euro) und Deloitte (245 Millionen Euro) sind abgeschlagen.

Trotz dieser starken Marktstellung ist der Abgang des großen Steuer-Teams bitter, gehören dazu doch namhafte Experten wie Ingo Todesco und Ija Ramirez. Auch prominente Kunden wie Henkel und Bayer, die das Team betreut hat, drohen EY verloren zu gehen.

KPMG braucht neue Beratungsmandate

Für den Rivalen KPMG, der mit dem Abwerben des riesigen EY-Teams einen Coup gelandet hat, ist es zentral, Beratungsexpertise ins Haus zu holen, denn das Big-Four-Haus ist noch stärker als die drei Konkurrenten von der verpflichtenden Abschlussprüferrotation betroffen. Die wegfallenden Prüfumsätze muss KPMG auch durch steigende Beratungsaufträge kompensieren. Vor allem im Dax wird KPMG bis 2020 viele namhafte Prüfkunden abgeben. Aus diesem Grund ist KPMG besonders an Beratungsteams interessiert, die bisher Dax-Unternehmen betreut haben.

Umgekehrt ist es für die Mitarbeiter ebenfalls reizvoll, den Arbeitgeber zu wechseln, denn sobald ihr Haus ein Prüfmandat gewinnt, muss es das Beratungsgeschäft bei diesem Unternehmen zurückfahren. Gerade EY, die zuletzt mehrere große Dax-Mandate wie die Deutsche Bank, Lufthansa und VW gewonnen hat, muss deshalb vermutlich mit Abgängen weiterer Beraterteams rechnen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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