Michael Häger wird der neue starke Mann beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus Warth & Klein Grant Thornton.

Warth & Klein Grant Thornton

06.05.19
Banking & Berater

Führungswechsel bei Warth & Klein Grant Thornton

Warth & Klein-Chef Joachim Riese geht in den Ruhestand, nachdem er in einer kritischen Phase die Führung übernommen hat. Jetzt macht er Platz für einen internen Nachfolger und eine neue Corporate Governance.

Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) bekommt einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Wie das mittelständische Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus vor wenigen Minuten mitteilte, wird der langjährige Mitarbeiter und Chef Joachim Riese (66) nach 41 Jahren zum Jahresende in den Ruhestand gehen und in den Aufsichtsrat wechseln.

Riese rückte 2016 bei dem Next-Ten-Haus ungeplant an die Spitze, nachdem dessen damaliger Chef Klaus Günter Klein unerwartet verstorben ist. Er war damit der erste Vorstandsvorsitzende, der nicht zur Klein-Familie gehörte, die das Unternehmen 1958 mitgegründet hatte. Marktbeobachter befürchteten damals einen Mandatsverlust, welcher allerdings ausblieb, was auch Riese zuzurechnen ist.

Rieses Nachfolger kommt aus den eigenen Reihen: Neuer Chef wird Anfang Oktober der 58-jährige Michael Häger. Häger ist seit 1987 bei Warth & Klein an Bord und sitzt bereits seit neun Jahren im Vorstand des WP- und Beratungshauses. Er soll künftig die Bereiche strategische Unternehmensentwicklung und die Finanzen verantworten. Häger ist von Haus aus Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Warth & Klein baut Corporate Governance um

Mit dem Generationswechsel in der Führungsspitze baut Warth & Klein Grant Thornton auch die eigene Corporate Governance um. Die Vorstandspositionen sollen künftig Funktionsverantwortung tragen, wohingegen die Geschäftsbereichsleitungen dafür verantwortlich sind, das operative Geschäft zu entwickeln. Der Vorstand wird zusammen mit Michael Häger aus fünf Personen bestehen.

In diesem Zusammenhang wird ab Oktober Gernot Hebestreit (53) im Vorstand für Kunden und Märkte verantwortlich sein. Hebestreit kehrt bereits Mitte Mai als Partner von Grant Thornton International in London nach Düsseldorf zurück und soll in seiner neuen Rolle künftig auch die einzelnen Geschäftsbereiche koordinieren.

WKGT schafft neues Vorstandsressort Technologie

Eine neue Aufgabe bekommt auch Frank Hülsberg: Der 53-Jährige wird ab dem 1. Oktober neben den Bereichen Governance, Risk, Compliance & Technology auch das neue Vorstandsressort Technologie leiten. Warth & Klein nimmt viel Geld in die Hand, um die Digitalberatung voranzutreiben, berichtete Hülsberg vor Kurzem bei FINANCE-TV.

Heidemarie Wagner (61) sitzt seit März im Vorstand von Warth & Klein Grant Thornton, nachdem das WP- und Beratungshaus mit Trinavis fusionierte. Sie berät nationale und internationale Immobilienunternehmen bei steuerrechtlichen Fragestellungen und ist zusätzlich mit der Integration der Zukäufe beauftragt.

Deutlich länger dabei ist Heike Wieland-Blöse (49). Sie arbeitet seit 1995 für WKGT und sitzt seit neun Jahren im Vorstand. Dort ist sie für die Bereiche Unternehmensbewertung und Economic/Dispute Advisory zuständig. Auch das Personalressort ist bei ihr aufgehängt.

Warth & Klein hat 100-Millionen-Marke geknackt

Einen Schritt kürzer treten werden dagegen die beiden bisherigen Vorstandsmitglieder Martin Jonas und Thomas Senger. Sie werden Warth & Klein zufolge aus dem Vorstand ausscheiden, um sich stärker auf die Mandatsarbeit zu konzentrieren. Senger nennt sich damit künftig „Geschäftsbereichsleiter Audit & Assurance“. Jonas werde dagegen wie Riese zum neuen Geschäftsjahr in den Aufsichtsrat von Warth & Klein wechseln.

Geschäftlich lief es zuletzt gut für das Next-Ten-Haus. Im zurückliegenden Geschäftsjahr knackte Warth & Klein Grant Thornton erstmalig die 100 Millionen-Euro-Marke beim Umsatz. Gegenüber dem Vorjahr ist dieser um über 8 Prozent auf 105 Millionen Euro gestiegen, wobei die Hälfte des Umsatzes aus Zusammenschlüssen resultierte. Das stärkste Wachstumsfeld war die Unternehmensberatung, wo WKGT umsatzseitig um 21 Prozent auf 25 Millionen Euro zugelegt hat.

Im Zuge der verpflichtenden Prüferrotation musste Warth & Klein noch kein Prüfermandat abgeben, sagte der scheidende Riese zum Jahresbeginn gegenüber FINANCE. Gewonnen habe der Wirtschaftsprüfer dadurch aber auch noch keines. Neben den Vorantreiben des Beratungsgeschäfts dürfte damit der Kampf um neue Prüfmandate zu den zentralen Aufgaben des neuen Chefs gehören.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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