Die Big Four lieferten sich auch im vergangenen Jahr einen erbitterten Kampf um die Prüfmandate. Wer hat am besten abgeschnitten?

EY, PwC, Deloitte, KPMG

12.07.18
Banking & Berater

Prüferrotation: Die Gewinne und Verluste der Big Four

Die Prüferrotation setzt KPMG, PwC, Deloitte und EY unter Druck. Wer hat vergangenes Jahr die meisten Mandate gewonnen, wer muss die größten Verluste beklagen? Die FINANCE-Analyse.

Seitdem vor zwei Jahren die verpflichtende Abschlussprüferrotation in Kraft getreten ist und Unternehmen zu einem Wechsel ihres Wirtschaftsprüfers zwingt, sind die Big Four KPMG, PwC, Deloitte und EY (Ernst & Young) ganz schön unter Druck geraten: Mit aller Kraft müssen sie bestehende Mandate verteidigen oder neue gewinnen, um die Verluste auszugleichen.

Während Banken und Versicherungen ihren Abschlussprüfers spätestens nach zehn Jahren austauschen müssen, müssen kapitalmarktorientierte Unternehmen das Mandat nach zehn Jahren zumindest neu ausschreiben, dann aber nach 20 Jahren endgültig die Prüfgesellschaft wechseln.

Welche Auswirkungen hatte die Rotationspflicht bisher, welches WP-Haus ist der Gewinner und wer der Verlierer? Erste Antworten liefert eine FINANCE-Analyse, in die die Ausschreibungen der Abschlussprüfung sowie die Abstimmungen auf den Hauptversammlungen aller Dax-, MDax-, SDax- und TecDax-Unternehmen im Geschäftsjahr 2017 eingeflossen sind. Die Analyse für das Geschäftsjahr 2016 finden Sie hier.

PwC gewinnt BMW als Leuchtturmmandat

Besonders gut lief es im in diesem Zeitraum für PwC, die besonders viele Mandate in der Dax-Familie gewinnen konnte. Das Bedeutendste dürfte sicherlich BMW sein, die PwC allerdings erst ab dem Geschäftsjahr 2019 prüfen wird. Zuvor hatte KPMG den Dax-Riesen geprüft. BMW ist bereits der zweite große Dax-Kunde, den PwC im Rahmen der Prüferrotation von sich überzeugen konnte. Der erste war der Versicherer Allianz, bei dem der Prüfer ab diesem Jahr offiziell die Arbeit aufnimmt.

Auch in den anderen Dax-Segmenten konnte PwC neue Kunden gewinnen: So wird das WP-Haus ab 2018 die MDax-Konzerne Fuchs Petrolub und den Versicherer Talanx samt Tochter Hannover Rück sowie das TecDax-Unternehmen Pfeiffer Vacuum prüfen. Erneut von sich überzeugen konnte PwC zudem den Hersteller von Fahrzeugwaschanlagen Washtec (SDax) sowie Nordex (TecDax).

Doch es gab auch Verluste und Rückschläge: In dem wichtigen Dax-Segment hat PwC Covestro als Prüfkunden verloren, der Konzern wird künftig von KPMG geprüft. Dabei hätte Covestro PwC nochmal zum Abschlussprüfer wählen können. Viele Unternehmen, die das Prüfmandat laut EU-Verordnung zwar ausschreiben, den Prüfer aber nicht zwangläufig wechseln müssen, verzichten häufig auf einen Wechsel, da er mit viel Aufwand verbunden ist. Warum sich Covestro gegen PwC entschieden hat, ist nicht bekannt.

PwC zog bei mehreren Ausschreibungen den Kürzeren.

PwC muss Lufthansa und VW abgeben

Bei mehreren Ausschreibungen zog PwC außerdem den Kürzeren. So hatte sich das Haus im SDax um das Immobilienunternehmen Alstria Office Reit beworben, verlor aber gegen KPMG. Nur Zweitplatzierter wurde PwC außerdem bei dem Finanzdienstleister Hypoport, hier kam der kleinere Wettbewerber BDO zum Zuge. Im TecDax hatte sich PwC auch um Drillisch beworben, Sieger wurde EY.

Klar ist auch schon jetzt, dass PwC in den kommenden Jahren einige wichtige Kunden verlieren wird: So hat sich die Lufthansa Ende Mai bereits auf die Suche nach einem neuen Prüfer gemacht, ab 2020 wird PwC dann die Lufthansa abgeben müssen – nach insgesamt 65 Jahren. Und auch VW wird bald nicht mehr länger von PwC geprüft, der Konzern hat das Mandat ab 2020 ausgeschrieben.

KPMG wird Dax- und MDax-Mandate verlieren

Diese sich anbahnenden Verluste sind aber kein Vergleich zum Konkurrenten KPMG, der in den kommenden Jahren noch mehr Dax-Mandate abgeben muss. In den vergangenen Monaten haben gleich fünf KPMG-Kunden aus dem Dax das Prüfmandat ausgeschrieben: Deutsche Bank, Munich Re, Fresenius und Fresenius Medical Care sowie Henkel.

Diese Unternehmen sind für KPMG nicht nur wegen ihrer Leuchtturmfunktion wichtig – sie gehören auch zu den am besten bezahlten Mandaten Deutschlands, die Deutsche Bank zahlte mit 73 Millionen Euro 2017 sogar das mit Abstand höchste Honorar im Dax. Ebenfalls ihre Mandate ausgeschrieben haben die KPMG-Kunden Hella (MDax), Krones und Wüstenrot & Württembergische (beide SDax). Hier steht eine Entscheidung noch aus.

Außerdem verlor KPMG den MDax-Konzern Fuchs Petrolub an PwC. Daneben konnte KPMG aber auch einige Gewinne verbuchen. Neben dem Wichtigsten – dem Dax-Konzern Covestro –  gehört dazu das vergleichsweise kleine SDax-Unternehmen Alstria Office Reit. Erneut von sich überzeugen konnte KPMG die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) und Grenke (beide ebenfalls SDax).

Bei EY und Deloitte ist noch Luft nach oben

Vergleichsweise wenig Bewegung gab es hingegen bei den Konkurrenten EY und Deloitte. EY hat im vergangenen Jahr in der Dax-Familie nur den SDax-Konzern Grenke abgegeben. Das WP-Haus hatte sich außerdem um die MDax-Konzerne Fuchs Petrolub und Talanx beworben, die beide aber an PwC gegangen sind.

Gewinnen konnte EY hingegen den TecDax-Konzern Drillisch. Ein neuen Dax-Mandat konnte EY seit dem Sieg der Commerzbank bisher nicht ergattern. Das ist auch deshalb bitter, weil die anderen wenigen Dax-Kunden HeidelbergCement und Siemens ihr Mandat vor Kurzem ausgeschrieben haben. Wenn die Commerzbank außerdem tatsächlich in den MDax absteigen würde, wie zuletzt in Medien berichtet wurde, hätte EY ein Dax-Mandat weniger. Und auch in anderen Börsensegmenten drohen Verluste: Ihre Mandate ausgeschrieben haben Leoni (MDax) und Siemens Healthineers (TecDax).

Das Schlusslicht bei den Dax-Mandaten bildet wie auch im Vorjahr schon Deloitte: Nachdem das WP-Haus 2015 überraschend Bayer als Kunden gewinnen konnte, war es etwas stiller geworden um das WP-Haus. Seit der letzten Auswertung vor einem Jahr konnte Deloitte keine neuen Prüfkunden aus der Dax-Familie gewinnen. Erneut von sich überzeugen konnte das WP-Haus zumindest das Immobilienunternehmen Hamborner Reit aus dem SDax. Der TecDax-Kunde SMA Solar hat das Prüfmandat vor Kurzem ausgeschrieben, hier darf sich Deloitte aber erneut bewerben.

Innerhalb der Big Four gab es keine massive Verschiebung der Marktanteile. 

Next Ten werden zurückgedrängt

Unter Berücksichtigung aller Gewinne und Verluste prüft KPMG Stand jetzt 32 Prozent der Dax-Familie, PwC 29 Prozent, EY 23 Prozent und Deloitte 9 Prozent. Den Rest von 7 Prozent teilen sich die mittelständischen WP-Häuser („Next Ten“) auf. Damit zeigt sich, dass es im Vergleich zum Vorjahr zu keiner massiven Verschiebung in den Marktteilen innerhalb der Big Four gekommen ist: Teilweise konnten Verluste durch Gewinne ausgeglichen werden, zudem hat sich die Zusammensetzung der Indizes leicht verändert.

Ein Trend lässt sich aber doch herauslesen: Der Marktanteil der Unternehmen, die von den Next Ten geprüft werden, nimmt langsam aber sicher ab. So waren es vor zwei Jahren noch rund 12 Prozent, vor einem Jahr schon nur noch rund 9 Prozent und aktuell nur noch 7 Prozent.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Noch nie war der Wettbewerb der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshäuser so hart wie derzeit. Wer schnappt sich die lukrativsten Mandate, wer wächst am stärksten und wer hat die beste Strategie? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unseren Themenseiten zu den Big Four und den Next Ten.