Rödl & Partner

19.10.17
Banking & Berater

Rödl & Partner verstärkt sich mit Ex-KPMG-Prüfer

Rödl & Partner hat sich mit dem ehemaligen KPMG-Prüfer und DPR-Mitglied Jan Storbeck verstärkt. Damit nimmt der mittelständische Wirtschaftsprüfer und Berater große kapitalmarktorientierte Konzerne ins Visier.

Rödl & Partner baut seine Wirtschaftsprüfung weiter aus. Das in Deutschland sechstgrößte Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus hat für die Berliner Niederlassung Jan Henning Storbeck geholt, der dort die Leitung des Bereichs Capital Markets & Accounting Advisory Services übernimmt.

Der 43-jährige Wirtschaftsprüfer Storbeck hat von 1998 bis 2010 bei der Big-Four-Gesellschaft KPMG gearbeitet. Im Anschluss daran gründete er die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Pulsar Consulting, die er vor Kurzem bei Rödl einbrachte. In dieser Zeit war er auch hauptamtlich bei der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) tätig, die prüft, ob Unternehmen korrekt bilanzieren.

Rödl nimmt internationale Konzerne ins Visier

Mit diesem Wissen will er sich jetzt auch bei dem mittelständischen Prüfer und Berater einbringen: So wird er Unternehmen dabei begleiten, wenn die DPR deren Bilanzen prüft, wenn die Firmen ihre Rechnungslegung auf den internationalen Bilanzierungsstandard IFRS umstellen oder wenn neue Bilanzierungsregeln eingeführt werden. Außerdem wird er Unternehmen bei Transaktionen und der Post-Merger-Integration beraten.

Insgesamt verfügt Storbeck über 20 Jahre Erfahrung in der Prüfung und Beratung von internationalen Konzernen, mittelständischen Unternehmen und Private-Equity-Gesellschaften im In- und Ausland, wirbt Rödl & Partner für den neuen Mitarbeiter. Gerade seine Expertise im Kapitalmarktumfeld biete Mehrwert für „sowohl mittelständische Unternehmen als auch große, internationale Konzerne“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Rödl konkurriert auch mit den Big Four

Damit versucht sich Rödl & Partner nicht nur als Prüfer und Berater für den Mittelstand, sondern auch für größere Mandate zu positionieren. Das Unternehmen gehört in Deutschland zu den sogenannten Next Ten, den nächstgrößeren Wirtschaftsprüfern nach den Big Four KPMG, PwC, Deloitte und Ernst & Young (EY). Im Geschäftsjahr 2016 setzte das Unternehmen rund 386 Millionen Euro um.

Rödl konkurriert um Mandate in Prüfung und Beratung mit anderen Next-Ten-Gesellschaften wie Ebner Stolz, Roever Broenner, Susat Mazars, BDO oder Warth & Klein, aber auch mit den Big Four, die immer mehr mittelständische Unternehmen als Kunden gewinnen. Von der Konkurrenz abgrenzen will sich Rödl und Partner damit, dass die Gesellschaft im Ausland eigene Standorte betreibt, wie der Geschäftsführende Partner Christian Rödl im Gespräch mit FINANCE kürzlich erklärte. 

Christian Rödl kritisiert Netzwerke

Dadurch könne Rödl & Partner seinen deutschen Kunden, die im Ausland tätig sind, Dienstleistungen vor Ort anbieten. Die Wettbewerber versuchen diesen Bedarf vor allem über internationale Netzwerke zu decken, bei denen sie Mitglied sind. Christian Rödl ist davon nicht überzeugt: „Man hat keinen Einfluss darauf, wer in das Netzwerk kommt und wie die Qualität der Partner-Leistungen ist“, kritisierte er im Interview.

Während Rödl im Mittelstand gut vertreten ist, ist bei den großen kapitalmarktorientierten Mandaten noch Luft nach oben. Das Unternehmen will jetzt die verpflichtende Prüferrotation nutzen, um auch größere Kunden zu gewinnen. Nach der Prüferrotation müssen kapitalmarktorientierte Unternehmen ihr Prüfungsmandat nach zehn Jahren neu ausschreiben, was Rödl die Chance auf neue Mandate eröffnet. Mit der Personalie Storbeck will das Unternehmen diesem Vorhaben offenbar Nachdruck verleihen.

julia.schmitt[at]finance-magazin

Wie sich Rödl & Partner im Kampf um die besten Mandate behaupten will, erzählt der Geschäftsführende Partner Christian Rödl hier. Der Artikel ist Teil einer Serie, in der FINANCE mit den Next-Ten-Gesellschaften darüber spricht, wie sie die besten Prüfungs- und Beratungsmandate gewinnen und sich dabei von den Big Four abgrenzen wollen. Das bereits erschienene Interview mit Ebner Stolz können Sie hier nachlesen, den Artikel zu Roever Broenner Susat Mazars finden Sie hier