So könnte es aussehen, wenn Wirtschaftsprüfer die Geschäftsberichte der Unternehmen mit neuen Technologien prüfen – bisher ein eher seltener Anblick.

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21.08.19
Banking & Berater

So verändert die Digitalisierung die Abschlussprüfung

Die Digitalisierung wird die Abschlussprüfung massiv verändern – daran zweifelt kaum ein Unternehmen mehr. Doch welche Technologien werden sich durchsetzen, und was bedeutet das für das Prüfungshonorar?

Seit vielen Jahren wird schon von der digitalisierten Abschlussprüfung gesprochen: Sie soll die WP-Häuser weg von der bisherigen Stichproben- hin zur Vollprüfung bringen und so letztlich die Qualität erhöhen, lautet die Hoffnung. Doch wie sehen die Unternehmen selbst das Thema? Dazu hat PwC zum dritten Mal in Folge eine Befragung unter 100 deutschen Großkonzernen und mittelständischen Unternehmen diverser Branchen durchgeführt. Die Ergebnisse liegen FINANCE exklusiv vor.

Dass neue Technologien die Abschlussprüfung massiv verändern werden, glauben immerhin 86 Prozent der Befragten – vor zwei Jahren waren es noch 75 Prozent. Konkrete Anwendungsfälle sehen sie aktuell vor allem bei der Berichterstellung- und dokumentation, der Analyse der Konten im Hauptbuch sowie in der Kommunikation, unter anderem mit dem Wirtschaftsprüfer selbst.

Als besonders relevant stufen die Befragten dabei den Einsatz von Data Analytics ein – 70 Prozent gehen davon aus, dass diese Technologien die Prüfung kurz- und mittelfristig beeinflussen werden. Dahinter folgen Cloud Lösungen (57 Prozent), Blockchain (41 Prozent) und Robotics (33 Prozent). „Unternehmen haben infolge ihrer starken Fokussierung auf Data Analytics einen hohen Reifegrad erreicht“, erklärt Rüdiger Loitz, verantwortlich für Technologie & Innovation bei PwC, diese Ergebnis.

Bei KI ist noch Luft nach oben

Die vielzitierte Künstliche Intelligenz hingegen spielt noch eine deutlich geringere Rolle (22 Prozent). Das dürfte sich jedoch ändern, wenn die Technologie ausgereift ist: So erwarten 84 Prozent der Befragten, dass KI beim Aufzeigen von Anomalien im Buchungsstoff helfen kann, 2017 glaubte das erst ein Drittel. Fast drei Viertel sehen Potential im Aufzeigen von Prozessschwächen, vor zwei Jahren waren es noch ein Viertel. 57 Prozent denken, dass KI Zusammenhänge mit finanzfremden Daten herstellen kann, 2017 konnten sich das nur magere 9 Prozent vorstellen.

„Damit KI zum Beispiel Anomalien im Buchungsstoff findet, muss sie trainiert werden, also möglichst viele Fälle untersuchen“, gibt Loitz zu bedenken. Eine Schwierigkeit bestehe für Unternehmen allerdings derzeit darin, Daten zu Trainingszwecken zu finden.

Wenn über die Digitalisierung der Abschlussprüfung gesprochen wird, geht es nicht nur darum, wie neue Technologien die Richtigkeit von Buchungen prüfen können. Eine wichtige Rolle spielte bisher auch die Erwartung, man könne völlig neue Informationen über das Unternehmen erhalten, die man bisher noch gar nicht kannte.

Hier ist inzwischen aber etwas Realismus eingekehrt: Nur 5 Prozent der Befragten glauben an den zusätzlichen Informationsgewinn, rund ein Drittel rechnet nicht mit neuen Einblicken. Vielfach hatten auch die WP-Gesellschaften selbst diese hohen Erwartungen geschürt. Die Abschlussprüfung sollte zum Türöffner für Beratungsleistungen werden, so die Hoffnung.

DSGVO erschwert digitale Prüfung

Überraschender ist auch die Aussage von immerhin einem Drittel der Befragten, dass im eigenen Prüfungsprozess Technologien nur in geringem oder eher geringem Umfang genutzt werden. „Die weiter steigende Erwartung massiver Veränderungen steht etwas im Widerspruch zum zögerlichen Wandel in der Praxis. Dabei geht es vor allem um die Bereitstellung von Daten sowie die Bereitschaft, neue Tools einsetzen zu wollen“, so Rüdiger Loitz von PwC.

Tatsächlich empfinden über drei Viertel der Befragten hohe Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit als limitierende Faktoren, 2017 waren das nur 18 Prozent. „Die Umfragewerte spielen eindeutig die Auswirkungen der DSGVO wider“, glaubt Loitz. Datenschutzrechtliche Beschränkungen limitieren letztlich auch die Wirtschaftsprüfer, wenn es darum geht, neue Daten für die Mandanten zu generieren. „Dennoch ließe sich unter den gegebenen Umständen mehr erreichen, wäre manchmal der Wille und der Mut in der Kombination von geprüften Unternehmen und Wirtschaftsprüfer größer“, kritisiert er.

„Es ließe sich mehr erreichen, wären Wille und Mut größer.“

Rüdiger Loitz, Leiter Technologie & Innovation, PwC

Zweitgrößte Hürde sind die langen Entwicklungszyklen bis zur Marktreife sowie die Differenzierung zwischen Standard- und Individuallösungen (65 Prozent, gegenüber 14 Prozent 2017) sowie die hohe technologische Veränderungsgeschwindigkeit (56 Prozent gegenüber 13 Prozent 2017).

Prüfer investieren viel Geld in neue Tools

Zugleich besteht auch seitens der Unternehmen eine gesteigerte Erwartungshaltung an den Prüfer: Viele Firmen drängen auf den Einsatz neuer Technologien durch die WP-Gesellschaften, wie eine kürzlich veröffentlichte Analyse von KPMG zeigte. Dazu befragte KPMG CFOs, Chief Accountants und andere leitende Führungskräfte aus 151 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Interessant ist dabei aber auch die Einschätzung der Befragten, welche Folgen eine Digitalisierung der Abschlussprüfung für die Honorare hätte. Denn hier gibt es zwei gegenläufige Bewegungen: Einerseits müssen die Wirtschaftsprüfer viel Geld in die Hand nehmen, um neue Tools zu entwickeln – das dürfte auf die Honorare umgelegt werden. Andererseits bringen die neuen Tools Effizienzsteigerungen und einen geringeren Personaleinsatz mit sich, wodurch sich die Dauer der Prüfung und damit die Kosten verringern dürften.

Steigen oder sinken die Prüfhonorare?

Diese Diskrepanz zeigt sich auch in den Antworten: So glaubt fast die Hälfte der Befragten, dass die Honorare leicht steigen werden, ein Drittel denkt, sie bleiben unverändert und 19 Prozent vermuten, sie könnten sogar leicht fallen. Die Hoffnung auf stark fallende Honorare machen sich nur 3 Prozent.

Für bestimmte Qualitätssteigerungen würde bei den Unternehmen allerdings durchaus eine höhere Zahlungsbereitschaft bestehen: 81 Prozent würden mehr zahlen, wenn sie durch die digitalisierte Prüfung Prozesse optimieren könnten und rund 60 Prozent, wenn die entscheidungsrelevanten Daten verlässlicher wären. An letzter Stelle steht mit 30 Prozent ein geringeres Fehlerrisiko im veröffentlichten Finanzbericht.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de