Die Deutsche Bank gehört zu den Dax-Konzernen, die vor Kurzem das Prüfmandat ausgeschrieben haben Der aktuelle Prüfer KPMG darf sich nicht erneut darum bewerben.

Deutsche Bank

06.04.18
Banking & Berater

Um diese Dax-Mandate zittern die Big Four

In den vergangenen Wochen haben gleich mehrere Dax-, MDax- und TecDax-Konzerne ihre Prüfmandate ausgeschrieben. Um welche schwergewichtigen Mandate die Big Four jetzt bangen müssen.

In den Markt für Wirtschaftsprüfer kommt langsam, aber sicher Bewegung: In den vergangenen Wochen hat eine Vielzahl von Unternehmen aus der Dax-Familie die Prüfmandate ausgeschrieben, wie aus dem Bundesanzeiger hervorgeht. Verantwortlich dafür ist die verpflichtende Prüferrotation, wegen der sich nun immer mehr kapitalmarktorientierte Unternehmen auf die Suche nach einem neuen Abschlussprüfer machen müssen.  

Für die Big Four KPMG, PwC, Deloitte und EY (Ernst & Young), die den Großteil aller Unternehmen in der Dax-Familie prüfen, bedeutet das, dass sie nun um ihre lukrativsten Kunden zittern müssen. In den Fällen, wo sie noch nicht länger als zehn Jahre mandatiert sind, dürfen sie sich zwar erneut bewerben, müssen sich aber ins Zeug legen, um die Konkurrenz auszustechen. Sind sie hingegen schon länger als Prüfer mandatiert, müssen sie das Mandat komplett aufgeben.

EY wird HeidelbergCement abgeben müssen

Zu den Unternehmen, die sich vor Kurzem auf die Suche nach einem neuen Prüfer gemacht haben, gehört HeidelbergCement. Ende März hat der Dax-Konzern sein Mandat ab dem Jahr 2020 neu ausgeschrieben. Dann soll definitiv ein Wechsel erfolgen, wie ein Sprecher auf Anfrage erklärte.

Damit wird EY ab 2020 mit Sicherheit das Prüfhonorar bei HeidelbergCement verlieren, welches 2017 ein Honorar von 4,3 Millionen Euro brachte. Das ist – gemessen an den Honoraren anderer Dax-Konzerne, die im mittleren oder teils hohen zweistelligen Millionenbereich liegen – zwar nicht besonders viel. Da EY mit insgesamt vier allerdings nur sehr wenige Mandate im Dax überhaupt hat, ist der Verlust des Baustoffkonzerns als Prüfkunde alleine aus Prestigegründen bitter.

EY muss um Siemens bangen, denn der Konzern ist verpflichtet, einen Auswahlprozess mit anderen Kandidaten durchzuführen.

Kurz davor hat noch ein weiterer EY-Kunde aus dem Dax das Mandat neu ausgeschrieben: Siemens (ab 2019). Anders als bei HeidelbergCement ist hier aber noch offen, ob EY das Mandat tatsächlich abgeben muss, denn das WP-Haus prüft hier Siemens erst seit 2009 und darf sich daher erneut bewerben. Dennoch muss EY um das Mandat bangen, denn Siemens ist dazu verpflichtet, einen aufwändigen Auswahlprozess mit anderen Kandidaten durchzuführen.

Covestro wollte PwC nicht erneut wählen

Häufig ist es so, dass der bisherige Prüfer erneut gewählt wird, weil ein Wechsel immer mit viel Aufwand für das Unternehmen einhergeht. Sollte ein Konzern aber aus welchen Gründen auch immer ohnehin mit einem Wechsel des Prüfers geliebäugelt haben, dürfte er die Chance nutzen und sich für ein anderes WP-Haus entscheiden.  

So war es beispielsweise bei Covestro. Der Chemiekonzern, der vor wenigen Wochen neu in den Dax aufgenommen worden ist, hat im Sommer 2016 sein Mandat neu ausgeschrieben. Der aktuelle Prüfer PwC durfte sich erneut bewerben, ging im Auswahlprozess allerdings nur als Zweitplatzierter durchs Ziel, wie aus der Einladung zur Hauptversammlung hervorgeht. Aller Voraussicht nach neuer Prüfer wird stattdessen KPMG, sofern die Hauptversammlung am 13. April dem Vorschlag zustimmt – eine Formsache. Warum sich Covestro gegen den aktuellen Prüfer entschieden hat und einen Wechsel eingeleitet hat, wollte das Unternehmen nicht erläutern.

KPMG muss Munich Re und Deutsche Bank abgeben

Für KPMG wiegt der Verlust des Deutsche-Bank-Mandats angesichts des hohen Honorars besonders schwer.

Ein weiteres Dax-Unternehmen, das sein Mandat vor kurzem ausgeschrieben hat, ist der Versicherer Munich Re. KPMG prüft das Unternehmen schon seit über 100 Jahren und muss sich daher mit Sicherheit von dem Mandat trennen. Verlieren würde KPMG ab dem Geschäftsjahr 2020 aber nicht nur die Munich Re als Kunden, sondern – je nachdem, wie lange KPMG dort schon tätig ist – möglicherweise auch weitere deutsche Tochtergesellschaften, die parallel zur Munich Re ihre Prüfmandate ausgeschrieben haben. Dazu gehören unter anderem Unternehmen aus der Ergo-Direkt-Gruppe.

Alleine durch den Wegfall von Munich Re als Prüfkunden erleidet KPMG schon einen Honorarverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich: 2017 zahlte der Versicherer 13,6 Millionen Euro an KPMG. Einen großen Versicherer musste KPMG bereits abgeben: Ab dem Geschäftsjahr 2018 wir die Allianz von PwC geprüft

Kurz vor dem Versicherungskonzern Munich Re hat sich auch die Deutsche Bank auf die Suche nach einem neuen Prüfer ab 2020 gemacht. Da Finanzinstitute anders als Industrieunternehmen immer alle zehn Jahre ihren Prüfer austauschen müssen, ist schon jetzt klar, dass der aktuelle Prüfer KPMG sich nicht erneut bewerben darf. Der Verlust des Deutsche-Bank-Mandats wiegt besonders schwer, gehört die Bank doch zu den Dax-Unternehmen, die die höchsten Honorare zahlen: 2017 waren es 73 Millionen Euro.

MDax- und TecDax-Konzerne suchen neue Prüfer

Doch nicht nur um die Dax-Schwergewichte müssen die Big Four bangen. Auch in den Börsensegmenten darunter gab es in den vergangenen Wochen viele neue Ausschreibungen. So haben beispielsweise Aurubis ab 2019 (bisher von PwC geprüft), Hella ab 2018/19 (bisher KPMG) und Leoni ab 2019 (bisher EY) ihre Mandate neu ausgeschrieben.

Im TecDax haben Nordex ab 2018 (bisher PwC) und SMA Solar ab 2019 (bisher EY) ausgeschrieben. Und auch der Telekomkonzern Drillisch hat sich auf die Suche nach einem neuen Wirtschaftsprüfer gemacht. Dort ist aber ausnahmsweise kein Big-Four-Haus betroffen, sondern der mittelständische Prüfer BDO, der zu den sogenannten Next Ten gezählt wird. Damit ist Drillisch eines der wenigen Unternehmen aus der Dax-Familie, die nicht von den Platzhirschen EY, KPMG, Deloitte oder EY geprüft werden – zumindest noch.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Wessen Geschäft wächst am stärksten, wer gewinnt die lukrativsten Mandate? Wie sich KPMG, PwC, Deloitte und EY entwickeln, können Sie auf unserer Themenseite zu den Big Four nachlesen.