Vorstandsvorsitzender Joachim Riese hat im vergangenen Geschäftsjahr unter anderem auf Zusammenschlüsse gesetzt, um das Wachstum von Warth & Klein Grant Thornton voranzutreiben.

Warth & Klein Grant Thornton

29.01.19
Banking & Berater

Warth & Klein knackt 100-Millionen-Euro-Marke

Warth & Klein hat erstmals in einem Geschäftsjahr einen dreistelligen Millionenumsatz erzielt. Und es gibt ein weiteres Novum: Die Umsätze der Steuer- und Rechtsberatung haben die der Wirtschaftsprüfung überholt.

Das zurückliegende Geschäftsjahr war ein gutes für Deutschlands zehntgrößte Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft: Warth & Klein Grant Thornton hat im Geschäftsjahr 2017/2018, das am am 30. September endete, erstmals die 100-Millionen-Euro Marke beim Umsatz geknackt. Der Umsatz ist gegenüber dem vorherigen Geschäftsjahr um über 8 Prozent auf 105 Millionen Euro gewachsen, teilte die Next-Ten-Gesellschaft vor wenigen Minuten am heutigen Dienstagmittag mit. Als Next Ten werden die mittelständischen Prüfungs- und Beratungshäuser bezeichnet, die an der Größe gemessen hinter den sogenannten Big Four (KPMG, PwC, Deloitte und EY) folgen.

Im vorherigen Geschäftsjahr hatte das Wachstum von Warth & Klein mit 10 Prozent noch etwas höher gelegen und war zudem rein organisch getrieben. 2017/2018 hingegen trugen Zusammenschlüsse etwa die Hälfte zum Umsatz bei. 

Unternehmensberatung legt stark zu

Mit Abstand am stärksten ist der Bereich Corporate Finance & Advisory Services gewachsen: Er legte um über 21 Prozent auf 25 Millionen Euro zu. Im Vorjahr lag die Wachstumsrate mit über 30 Prozent zwar höher, die Ausgangsbasis war aber deutlich niedriger. Einen wichtigen Schritt, um das Beratungsgeschäft weiter auszubauen, hat Warth & Klein 2018 mit dem Kauf von 25 Prozent der Restrukturierungsberatung Hanse Consulting getätigt. Damit setzt Warth & Klein auf eine Zunahme von Restrukturierungsfällen in den kommenden Jahren.

Trotz des starken Wachstums trägt die Sparte Unternehmensberatung aktuell noch weniger zum Gesamtumsatz bei als das Stammgeschäft mit Wirtschaftsprüfung sowie Steuer- und Rechtsberatung. In diesem Segment gab es im zurückliegenden Geschäftsjahr ein Novum: Der Geschäftsbereich Steuer- und Rechtsberatung ist mit einem Umsatz von über 38 Millionen Euro erstmals etwas größer als die Wirtschaftsprüfung.

„Dieser Trend dürfte sich auch in Zukunft fortsetzen“, glaubt der Vorstandsvorsitzende Joachim Riese. Insgesamt konnte Warth & Klein in dem Segment um mehr als 7 Prozent zulegen (Vorjahr: 11 Prozent).

Warth & Klein wächst schwach im Audit

Ein deutlich geringes Wachstum wies 2017/2018 die Wirtschaftsprüfung auf, die nur um 3 Prozent auf rund 37 Millionen Euro zulegte. Doch selbst mit dem kleinen Plus dürfte Warth & Klein zufrieden sein – zuvor war die Wirtschaftsprüfung stagniert. Im vierten Geschäftsbereich, dem Geschäft mit Privatkunden, lag der Umsatz das dritte Jahr in Folge konstant bei 4,5 Millionen Euro.

Warth & Klein, das traditionell den Mittelstand sowie Familienunternehmen zu seinen Kunden zählt, wird in den kommenden Jahren gerade in der Wirtschaftsprüfung einen schweren Stand haben. Grund dafür ist die verpflichtende Abschlussprüferrotation, laut der kapitalmarktorientierte Unternehmen ihre Prüfmandate alle zehn Jahre neu ausschreiben müssen.

Für die Next Ten hat diese Reform, die eigentlich den festzementierten Markt für Wirtschaftsprüfer aufbrechen sollte, gravierende Folgen: Die wenigen kapitalmarktorientierten Mandate, die sie noch haben, wandern im Zuge der Ausschreibungen meistens in die Hände der Big Four.

Warth & Klein wird neuer Dermapharm-Prüfer

Bisher musste Warth & Klein noch kein Mandat im Zuge der Prüferrotation abgeben, sagt Joachim Riese. Gewonnen habe man im Rahmen der Rotation allerdings auch noch keines. „Wir werden aber zu vielen Ausschreibungen – auch im SDax und MDax – eingeladen und sind optimistisch, dass es in Zukunft mit einem Prüfmandat klappen wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende gegenüber FINANCE. Im MDax und SDax hat Warth & Klein – im Gegensatz zu anderen Next-Ten-Konkurrenten wie Ebner Stolz, BDO oder Rödl & Partner – noch keine Prüfkunden.

Bei manchen Unternehmen, bei denen Warth & Klein an einer Ausschreibungen teilgenommen hat, habe es stattdessen mit einem Beratungsmandat geklappt. Unabhängig von der Prüferrotation gewann Warth & Klein 2018 auch das Prüfmandat bei dem börsennotierten Pharmakonzern Dermapharm.

Doch in der Regel haben die Next Ten nur die Chance auf größere Mandate, wenn sie selbst an Größe zulegen. Aus diesem Grund haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr mittelständische Prüfungs- und Beratungshäuser zusammengeschlossen. Auch Warth & Klein ist 2018 diesen Weg gegangen und hat im November den Zusammenschluss mit Trinavis bekannt gegeben. Trinavis ist mit einem Umsatz von rund 26 Millionen Euro die Nummer 25 im deutschen Wirtschaftsprüfermarkt und deutlich kleiner als Warth & Klein.

Fusion mit Trinavis soll Wachstum bringen

Damit hat sich Warth & Klein insbesondere in den Bereichen Immobilien, öffentlichen Dienstleistungen und der öffentlichen Hand gestärkt und die Niederlassung in Berlin stark ausgebaut. Die Transaktion soll bis März abgeschlossen sein. „Im Geschäftsjahr 2019/2020 soll der Umsatz im Zuge der Fusion auf über 140 Millionen Euro ansteigen“, prognostiziert Vorstandsmitglied Michael Häger.

Möglicherweise wird Warth & Klein dann den Wettbewerber Mazars einholen, die derzeitige Nummer Neun im Markt. Im Geschäftsjahr 2016/17 belief sich der Umsatz von Mazars auf über 135 Millionen Euro, die Zahlen für das aktuelle Geschäftsjahr legt Mazars in den nächsten Tagen vor. Von der Nummer Elf im Markt wird sich Warth & Klein auf jeden Fall sehr deutlich absetzen: PKF Fasselt Schlage setzte 2017 knapp 70 Millionen Euro um.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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