Michael Häger, Vorstandschef von Warth & Klein Grant Thornton, hat große Wachstumsambitionen für das mittelständische Prüf- und Beratungshaus.

WKGT

29.01.20
Banking & Berater

Warth & Klein macht großen Sprung nach vorne

Dank eines Zukaufs hat Warth & Klein Grant Thornton massiv zugelegt. Dem Konkurrenten Mazars kommt der mittelständische Prüfer und Berater damit immer näher. Doch manche Sparten offenbaren auch Schwächen.

Warth & Klein Grant Thronton (WKGT) prescht nach vorne: Im Geschäftsjahr 2018/19, das am 30. September endete, ist der mittelständische Wirtschaftsprüfer und Berater um 30 Prozent auf 137 Millionen Euro gewachsen. Das geht aus den aktuell vorgelegten Zahlen vor.

Grund für diesen Umsatzschub war vor allem der Zusammenschluss mit dem Berliner Wettbewerber Trinavis, den die beiden Unternehmen Ende 2018 bekanntgaben. Das noch vor einem Jahr angekündigte Umsatzziel von 140 Millionen Euro habe man allerdings nicht ganz erreicht, weil Trinavis nur zeitanteilig konsolidiert worden sei, erklärte Michael Häger, der seit Oktober Vorstandschef von WKGT ist, gegenüber FINANCE. Für das laufende Geschäftsjahr peilt er dafür ein weiteres Mal zweistellige Wachstumsraten an.

Organisch ist Warth & Klein im vergangenen Geschäftsjahr um 12 Prozent gewachsen, was immerhin noch etwas mehr als im Vorjahr ist (knapp 9 Prozent). Diese Zuwächse eröffnen den Düsseldorfern eine neue Perspektive: Lag Warth & Klein als Nummer 10 im deutschen Wirtschaftsprüfermarkt bisher immer recht weit hinter den Konkurrenten, hat das Next-Ten-Haus jetzt den Abstand zur Nummer 9 ein gutes Stück verringert. Die Nummer 9 Mazars setzte im vergangenen Geschäftsjahr 158 Millionen Euro um. Nach unten hin hat Warth & Klein seine Position deutlich abgesichert: Die Nummer 11 im Markt, PKF Fasselt Schlage, setzte 2018 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) 66 Millionen Euro um. 

WKGT: Steuerberatung legt stark zu

Besonders stark spiegelt sich der Zusammenschluss mit der Berliner Trinavis, die einen Fokus auf das Steuerberatungsgeschäft hat, denn auch im Geschäftsfeld Tax wider: Dort konnte Warth & Klein um rund 58 Prozent auf 54,1 Millionen Euro zulegen. Aber auch Personalzugänge haben zum Wachstum beigetragen. Zu den Neuzugängen der zurückliegenden zwei Jahre gehören unter anderem Partnerin Stefanie Nattkämper-Scholz, die von KPMG kam, Stefan Hahn, zuvor bei Deloitte, und Partner Hendrik Breimann, der zuvor bei EY war. Breimann kam damals zum gleichen Zeitpunkt wie Arwed Crüger (auf intentionales Steuerrecht und Verrechnungspreise spezialisiert), der WKGT inzwischen aber schon wieder Richtung BDO verlassen hat

Ebenfalls gut zugelegt hat der Geschäftsbereich Wirtschaftsprüfung mit einem Wachstum von 17 Prozent auf 43,4 Millionen Euro. Nach Jahren verschwindend geringen Wachstums hat auch der Bereich Audit wieder mehr Dynamik gezeigt. Neben der Trinavis-Übernahme ist dies auf neue Aufträge bei der prüfungsnahen Beratung sowie auf neue Abschlussprüfmandate zurückzuführen, erklärte Warth & Klein-Vorstand Gernot Hebestreit, der für Clients & Markets zuständig ist.

Warth & Klein gewinnt Schumag-Mandat

Bei den kapitalmarktorientierten Mandaten kam im vergangenen Jahr das Industrieunternehmen Schumag hinzu, bei den anderen neuen Prüfmandaten handele es sich um private Unternehmen, die man deshalb nicht nennen könne, so Hebestreit. Von der gesetzlich verpflichtenden Abschlussprüferrotation scheint WKGT aber bislang kaum zu profitieren. Vor einem Jahr hatte der damalige Vorstandschef Joachim Riese noch berichtet, dass man an Ausschreibungen im SDax und MDax teilnehme, doch bis heute ist der Prüfer mit keinem Mandat in diesen Segmenten vertreten. 

Mit Corporate Finance & Advisory Services hat WKGT 28,3 Millionen Euro umgesetzt, was einem Zuwachs von rund 13 Prozent entspricht (Vorjahr: über 20 Prozent). Ein starker Treiber war die Beratung bei Transaktionen. Bei den Umsätzen handelt es sich zum Teil auch um „inbound referrals“, also Aufträge von ausländischen Unternehmen, die über das internationale Netzwerk Grant Thornton an WKGT kommen, berichtet Häger.

Verhältnismäßig wenig tragen die beiden Geschäftsfelder Legal und Private Finance zum Gesamtumsatz bei. Mit der Rechtsberatung hat WKGT 6,5 Millionen Euro umgesetzt, was prozentual einem starken Zuwachs von 66 Prozent entspricht. Getrieben wurde das Geschäft auch hier durch einen Zukauf, nämlich die Übernahme der Kanzlei Nachmann im Sommer 2018. Private Finance setzte mit 4,3 Millionen Euro sogar etwas weniger als im Vorjahr um, was WKGT aber auf Stichtagseffekte zurückführt.

WKGT setzt mehr mit Tax als mit Audit um

Mit Blick auf die Entwicklung der einzelnen Geschäftsfelder fällt auf, dass WKGT nun erstmals deutlich mehr mit der Steuerberatung als mit der Wirtschaftsprüfung umsetzt: Tax trägt fast 40 Prozent zum Gesamtumsatz bei, während es bei Audit etwa 32 Prozent sind. Dennoch betont Häger, dass Wart & Klein „im Kern eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bleiben“ werde. „Aber wir merken, dass wir vor allem im Beratungsgeschäft hohe Wachstumsraten realisieren können.“

Neben dem Steuerberatungsgeschäft erwartet Häger auch Impulse aus der Digitalisierungsberatung, die seit Kurzem mit Technologiechef Frank Hülsberg auch im Vorstand vertreten ist. Zudem rechnet Häger mit einem Anziehen der die Restrukturierungsberatung. Hier hatte sich Warth & Klein mit der auf Restrukturierung spezialisierten Hanse Consulting verstärkt.

An den Langfristzielen hält Häger weiterhin fest: Ein Umsatz von 250 Millionen Euro bis 2025, wobei die Bereiche Audit, Tax und Advisory dann etwa gleich viel umsetzen sollen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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