Fuse/Thinkstock/Getty Images

13.05.15
Blogs

Die dummen Banker und ihr geheimes „Kartell“

„Rauchender Colt“ wäre eine maßlose Untertreibung für das zentrale Beweisstück, das die Justizbehörden im aktuellen Devisenskandal präsentieren. Der Chatroom „The Cartel“ zeigt, wie wenig bei Bankern die Höhe des IQs und des Bonuspakets mitunter miteinander korrelieren.

Liebe Ex-Devisenhändler von JP Morgan, Citigroup, Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS,

in den nächsten Tagen ist es wieder soweit. Das US-Justizministerium – das drauf und dran ist, die Steuerbehörde als größten Umsatzbringer für den US-Haushalt abzulösen – wird wieder Deals mit ein paar Banken machen. Deals sind ja immer was Schönes im Bankengeschäft, und wahrscheinlich werden auch diesmal die Aktienkurse einiger Geldhäuser wieder zulegen, wenn die Tinte unter dem Deal trocken ist. Blöd nur, dass mal wieder Milliardenstrafen fällig werden, diesmal für Tricksereien im Devisenhandel. Barclays und die RBS, JP Morgan, die UBS und die Citigroup: Keiner von ihnen dürfte ohne eine Milliardenüberweisung nach Washington davonkommen.

Das ist der Preis dafür, dass diese Häuser weggeschaut haben, als Ihr, liebe Devisenhändler, Eure Orderbücher miteinander verglichen und die Devisenkurse abgesprochen habt. Wenn man sich das Verhältnis zwischen möglichem Ertrag und drohendem Risiko anschaut, war das schon aus damaliger Sicht keine strategische Glanzleistung. Unfassbar dumm aber ist, dass Ihr Euch in einem Chatroom abgesprochen habt, den Ihr aus unerfindlichen Gründen ausgerechnet „The Cartel“ genannt habt. Wenn Eure Arbeitgeber damals Euren Bonus proportional zu Eurer Intelligenz festgelegt hätten, wärt Ihr nicht mit dem Ferrari, sondern mit der Vespa durch London und Manhattan gecruist.  

Wir malen uns gerade aus, wie die heute amtierenden Bank-CEOs reagiert haben, als ihnen ihre Anwälte den Chatroom „The Cartel“ als zentrales Beweismittel der Gegenseite präsentiert haben. Den fälligen Wutausbruch werdet Ihr persönlich sicher nicht mehr mitbekommen haben. Uns fehlt aber die Fantasie, uns auszumalen, welchen Beruf Ihr stattdessen inzwischen ausübt. Intellektuell dürften bei den meisten, wie es scheint, die Hürden für Euch ziemlich hoch sein. 

Die Klugheit Eurer früheren Arbeitgeber wird man künftig daran messen, inwieweit sie es schaffen, solche intellektuellen Senkrechtstarter wie Euch in Zukunft rechtzeitig auszusortieren. Das wird aber nur dann gelingen, wenn sich die Arbeitskultur in den Trading Desks fundamental verändert. Weniger High-School-Niveau wäre schon mal ein guter Anfang. Schließlich darf man auch von vermeintlichen Leistungsträgern erwarten, dass sie im Büro das geistige Niveau durchschnittlich qualifizierter Erwachsener erreichen.  

Mit freundlichen Grüßen
FINANCE

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Michael Hedtstück ist Online-Chefredakteur von FINANCE. Hier finden Sie weitere Meinungsbeiträge seines Blogs "Das ist doch Mist!".