Das war im Nachgang wohl keine Gute Idee: Die Deutsche Bank versorgte ihre Analysten und Trader im amerikanischen Handelssaal per Lautsprecheransage mit Marktinformationen. Leider haben auch die Kundenberater mitgehört.

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10.08.16
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Das Lautsprecher-Debakel der Deutschen Bank

12,5 Millionen Dollar Strafe für die Deutsche Bank in den USA: Ihre Mitarbeiter haben vertrauliche Trading-Informationen per Lautsprecher in den gesamten Handelssaal durchgeben. Ärgerlich, dass dabei die Vermögensverwalter zugehört haben.

„Achtung, Achtung! Liebe Kollegen von der Vermögensverwaltung. Bitte hören Sie mal eben weg, denn jetzt kommen sensible Daten, die nur für die Analysten und Trader bestimmt sind!“ So oder so ähnlich malt man sich die Szene bei der US-Tochter der Deutschen Bank aus, die Deutschlands größte Bank wieder einmal eine Strafe kosten wird. Diesmal sind es 12,5 Millionen US-Dollar.

Am Montag haben die amerikanischen Wertpapierregulierer der Finra (Financial Industry Regulatory Authority) die Deutsche Bank wegen „signifikanten Versäumnissen bei der Überwachung von Research- und Tradinginformationen“ zu der neuerlichen Millionenstrafe verdonnert. Die Bank soll diese Informationen an ihre Mitarbeiter im Handelssaal weitergegeben haben. Die im Fachjargon bekannten „Hoots“ oder „Squawks“ wurden über Lautsprecher, die sogenannten „Squawk Boxes“, kommuniziert.

Das ist nicht unüblich. Problematisch wird es allerdings, wenn neben den Analysten und Tradern auch Mitarbeiter aus der Vermögensverwaltung im Raum sind. Für deren Ohren sind diese Marktinformationen nämlich nicht bestimmt – wegen potentiellen Interessenskonflikten mit ihren Kunden, die sie beim Wertpapierkauf beraten. Die Regulierer fordern eine strikte Trennung zwischen dem Handel und der Kundenberatung, kurz: Sie wollen eine „Chinese Wall“.

Finra: Deutsche Bank wusste um Schwächen ihrer Chinese Wall

Jener Schutzwall der Deutschen Bank in den USA hatte allerdings wenig mit dem imposanten chinesischen Bollwerk gemein. Die Finra glaubt sogar, die Deutsche Bank sei sich bewusst gewesen, dass ihre „vertraulichen und preissensiblen“ Research- und Trading-Hoots das Risiko in sich trugen, in die falschen Hände zu geraten. Es soll über Jahre hinweg innerhalb der Deutschen Bank Warnungen aus der internen Revision und der Compliance-Abteilung gegeben haben, die allerdings offenbar ignoriert worden sind.

Laut Finra hat es die Deutsche Bank versäumt, vernünftige Richtlinien, Arbeitsanweisungen und Systeme einzuführen, die für eine Chinese Wall essentielle Fragen adressieren: Wer soll Zugang zu den Hoots haben? Wie sollen Mitarbeiter mit den Informationen umgehen? Und wie sollen die internen Prüfer die Mitarbeiter überwachen, dass die Informationen nur dort landen, wo sie hingehören? Leider gibt die Deutsche Bank erst jetzt, im Rahmen des Vergleichs, zu Protokoll, die nötigen Überwachungssysteme implementiert zu haben.

Die Quittung für das lange Zaudern sind die 12,5 Millionen Dollar. Die Strafe wäre zu vermeiden gewesen, hätten die Trader der Deutschen Bank die Warnhinweise ihrer Compliance-Kollegen ernst genommen. Aber das tun Inglorious Bankers bekanntlich selten.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Sie sind reich, sie sind (ein)gebildet, sie scheffeln Millionen für ihre Bank. Doch vor allem treten sie mit Vorlieben in Fettnäpfchen und produzieren Skandale am laufenden Band – kurz: Sie bereichern unser Leben. Mehr skurrile Banker-Geschichten gibt es auf dem FINANCE-Blog „Inglorious Bankers“.