Mutmaßlich weitergereichte Insider-Tipps an seinen Klempner bescheren dem Ex-Barclays-Banker Steven McClatchey eine Anklage in den USA und einen Platz unter den "Inglorious Bankers".

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10.06.16
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Der Insider-Banker und sein Klempner

Dass Banker Insider-Handel betreiben, kommt vor. Skurril wird es, wenn der Inglorious Banker für ein neues Bad Insider-Tipps an seinen Klempner weitergereicht haben soll – die Geschichte des Ex-Barclays-Bankers Steven McClatchey.

Prolog: Manhattan, New York, USA: Die Insider-Spürhunde des Bundesgerichts in den USA sind auf einer heißen Spur. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wurde ein ehemaliger Direktor der britischen Investmentbank Barclays wegen des Verdachts auf Insider-Handel verhaftet und dem Bundesgericht in Manhattan vorgeführt. 

Der Vorwurf ist so skurril wie amüsant: Steven McClatchey soll seinem Klempner Insider-Tipps über anstehende M&A-Deals gesteckt haben. Die Gegenleistung: Eine kostenlose Sanierung seiner Villa in Long Island. Dies ist seine Geschichte. 

Kapitel 1: Long Island, der Rückzugsort der Reichen

Long Island, der Rückzugsort der Reichen und Schönen des Big Apple. Auf der Halbinsel schmiegen sich Villa an Villa, eine pompöser als die andere. Vor kurzem verkaufte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein dort eine 600-Quadratmeter-Villa für 14,5 Millionen US-Dollar.

In Long Island hat auch der 58-Jährige Steven McClatchey sein Domizil. Er arbeitete sieben Jahre lang in den New Yorker Büros der britischen Großbank Barclays. Dort soll er für das Tracking aller potentiellen M&A-Deals verantwortlich gewesen sein, bei denen Barclays an der einen oder anderen Stelle eine Rolle spielt – die perfekte Position, um über fast alles top informiert zu sein, was sich am globalen M&A-Markt so tut, aber auch der ideale Nährboden für potentielles Insider-Trading. 

Man kann davon ausgehen, dass die Behörden derartige Teams in den großen Banken besonders eng überwachen. Wer in diesem Umfeld ein erfolgreiches Insider-Trading durchführen will, muss Kreativität an den Tag legen.

Kapitel 2: Ein Bootstrip mit dem Klempner

Und diese hat McClatchey offenbar bewiesen. Denn er kaufte selbst wohl keine Aktien, sondern soll – so lautet die Anklage – die M&A-Tipps an Gary Pusey weitergereicht haben. Puseys Profession hat mit Investmentbanking so viel gemeinsam wie ein Ferrari mit einem Trabi. Als Klempner könnte er der fabulösen Welt der Investmentbanker ferner wohl nicht sein. Der vermutliche Gedanke hinter diesem Engagement ist nicht abwegig: Welche Aufsichtsbehörde hat schon die Aktienkäufe eines Klempners auf dem Schirm? 

McClatchey und Pusey soll laut Reuters mehr verbunden haben als eine defekte Toilette. Sie sollen langjährige Freunde gewesen sein und sich über das Segeln kennen gelernt haben. Laut Reuters soll McClatchey bereits 2013 damit begonnen haben, Pusey Tipps zu bevorstehenden Übernahmeangeboten zu geben. 76.000 Dollar soll Pusey damit verdient haben. Insgesamt sollen seine Trades elf Unternehmen betroffen haben, die eine Übernahme vor sich hatten – unter anderem der Ölförderer Forest und die Handelskette Petsmart. 

Kapitel 3: 1.000 Dollar in der Sporttasche

Warum ging McClatchey dieses Risiko ein? Auf Insider-Trading stehen schließlich hohe Geldbußen bis hin zu mehrjährigen Freiheitsstrafen. Im Jahr 2011 wurde „Hedgefonds-König“ Raj Rajaratnam wegen Insider-Handels zu elf Jahren Gefängnis und 10 Millionen Dollar Strafe verurteilt. Für McClatchey zusätzlich ernüchternd: Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara gilt als berüchtigter Insider-Jäger, der laut Reuters seit 2009 insgesamt 102 White-Collar-Angeklagte auf die Richterbank gebracht hat, wovon 78 verurteilt wurden.

Laut Reuters soll Pusey im Austausch für die Informationen „tausende Dollar in Cash“ an McClatchey weitergereicht haben. Manchmal soll Pusey das Geld in bester Hollywood-Manier in einer Sporttasche zum Yachthafen in Freeport mitgebracht haben. McClatcheys Entschädigung hatte darüber hinaus aber wohl auch noch eine unentgeltliche Komponente: Pusey soll seinem Bankerfreund angeboten haben, kostenlos sein Bad zu renovieren. 

Pusey hat sich laut Reuters bereits schuldig bekannt, McClatchey dagegen wurde nach seiner Verhaftung zunächst wieder freigelassen. Ihn erwartet jedoch eine Anklage. Im schlimmsten Fall droht dem Ex-Barclays-Banker eine Haftstrafe. Sein neues Bad in Long Island dürfte er dann für eine Weile gegen eine profane Gefängnisdusche eintauschen müssen. 

Sie sind reich, sie sind (ein)gebildet, sie scheffeln Millionen für ihre Bank. Doch vor allem treten sie mit Vorlieben in Fettnäpfchen und produzieren Skandale am laufenden Band – kurz: Sie bereichern unser Leben. Der FINANCE-Blog „Inglorious Bankers“ bietet diesen Lichtgestalten die ideale Plattform.