Banken und Mafia-Geschäfte? Bei der UniCredit offenbar der Fall. Ganz zufrieden dürfte "Der Pate" Corleone aber nicht sein.

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29.10.15
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Drei italienische Banker und der Pate

Die florentinische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei hochrangige Mitarbeiter der italienischen UniCredit. Die Vorwürfe: Betrug, Finanzdelikte und Begünstigung der Mafia. Was würde der berühmte „Pate“ von all dem halten?

Prolog: Italien, Sizilien. Heimat der legendärsten Mafia-Familien und Schauplatz von Francis Ford Coppolas Kultfilm „Der Pate“. Aber auch die UniCredit hat hier ihre Wurzeln, denn hier war die Banco di Sicilia beheimatet, ehe sie auf einer großen Hochzeit mit der römischen Bank Capitalia eine neue Familie unter dem Namen der UniCredit gründete.

Und in der „Familia“ erzählt man sich bekanntlich nicht alles, denn wie sagte Michael Corleone in einem der größten Filmklassiker aller Zeiten? „Frag mich niemals nach meinen Geschäften“. Doch genau das tut die florentinische Staatsanwalt nun: Lästige Fragen stellen. Fragen, die weit in die Vergangenheit zurückreichen. 

Kapitel 1: Dunkle Geschäfte

Das suchende Auge der Staatsanwaltschaft richtet sich auf die Jahrtausendwende, genauer gesagt auf Sizilien und die beiden Vorgänger der heutigen UniCredit, die Banco di Sicilia und die römische Capitalia. Im Kegel der Scheinwerfer befinden sich laut übereinstimmenden Medienberichten der stellvertretende Verwaltungsratschef Fabrizio Palenzona, der italienische Firmenkundenchef Alessandro Cataldo sowie – so grotesk es auch klingt – der Risikochef Massimiliano Fossati.

Sie sollen eine Finanzierung an die Unternehmergruppe Bulgarella eingefädelt haben. Laut einem Bericht der Süddeutschen beläuft sich das Kreditvolumen des Bauunternehmers aus Trapani immer noch auf 60 Millionen Euro. Dem Geschäftsinhaber Andrea Bulgarella wird laut Handelsblatt eine enge Beziehung zum untergetauchten Chef der sizilianischen Mafia Cosa Nostra, Matteo Messina Denaro, nachgesagt – was Bulgarella natürlich bestreitet.

Doch wie bekam die Staatsanwaltschaft überhaupt Wind von der Sache? Offenbar über abgehörte Telefonate. Corleone wäre entsetzt: „Du darfst nie einen Menschen, der nicht zur Familie gehört, wissen lassen was du denkst“ – und schon gar nicht am Telefon darüber sprechen.

Kapitel 2: Die Untersuchung

Sei`s drum. Die Mafia-Spürhunde haben die Witterung aufgenommen und die Vorwürfe – seien sie nun berechtigt oder nicht – kratzen am Image der UniCredit, die diese Vorwürfe sehr ernst nimmt. Zwar nennt die Bank keine Namen, bestätigte jedoch Mitte Oktober, dass Ermittlungen gegen mehrere hochrangige Manager laufen.

UniCredit-CEO Federico Ghizzoni leitete umgehend interne Ermittlungen ein, die zu dem vorläufigen Ergebnis kamen, dass die „Vorgehensweisen, Entscheidungen und das Verhalten“ der handelnden Mitarbeiter tadellos gewesen seien. Puh, nochmal Schwein gehabt. Die Familie hält eben doch zusammen. Oder etwa nicht?

Kapitel 3: Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann

Zwar dürften sich die Palenzona, Cataldo und Fossati sicher sein, eines morgens nicht neben einem abgetrennten Pferdekopf aufzuwachen – so etwas gibt es dann hoffentlich doch nur im Film –, dennoch wird ihnen ihr Chef Ghizzoni mit großer Wahrscheinlichkeit ein Angebot unterbreiten, das die Herren nicht werden ablehnen können.

Im modernen Deutsch spricht man an dieser Stelle auch häufig von einer sogenannten „Kündigung“. Diese werden, Insiderinformationen des Handelsblatts zufolge, nicht mehr lange auf sich warten lassen, da Ghizzoni am 11. November die überarbeitete Strategie präsentieren will. Ein möglicher Mafia-Skandal passt da so gar nichts ins Bild. „Ehrliche Männer leben gefährlich“ – offenbar nicht nur die.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Sie sind reich, sie sind (ein)gebildet, sie scheffeln Millionen für ihre Bank. Doch vor allem treten sie mit Vorlieben in Fettnäpfchen und produzieren Skandale am laufenden Band – Lesen Sie ihre Geschichten auf dem FINANCE-Blog Inglorious Bankers