Auch FINANCE musste in der Coronazeit die Digitalisierungslernkurve hoch hetzen. Unser Bereichsleiter Ole Jendis berichtet, was wir dabei erlebt haben.

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07.07.20

Wie FINANCE sich gegen die Coronakrise stemmte

Ein heilsamer Schock? Wie Corona den Digitalisierungsfahrplan von FINANCE aus den Angeln gehoben hat und was wir in dieser Zeit gelernt haben.

Agile Methoden sind bei uns im F.A.Z-Fachverlag seit über einem Jahr im Einsatz. Besonders in der Produktentwicklung haben wir damit bereits einige Erfolge erzielen können. Nicht alles läuft vom Start weg perfekt, aber wir lernen mit jedem neuen Produkt und Projekt. Startpunkt war die Weiterentwicklung der FINANCE-Multiples im vergangenen Frühjahr, die wir mit einem „Scrum-Team“ gemanagt haben.

Seit Beginn der Coronakrise nutzen wir diese Methoden noch intensiver. Trotz Home-Office, aber mit digital vernetztem Arbeiten, gelingt es uns, zahlreiche Entwicklungen dezentral voranzutreiben – hauptsächlich, weil wir die Angst vor Fehlern in unserem ersten Projekt abbauen konnten. Die logische Konsequenz für uns ist, dass wir immer häufiger mit „Minimum Viable Products“ (MVP) starten. Mit Produkten und Projekten, die zum ersten Launch genügend Basis-Features enthalten, um dann gemeinsam mit den Partnern, Kunden und Lesern und deren Feedbacks weiterentwickelt zu werden. Das Ziel ist es immer, das beste Produkt für den Kunden zu entwickeln.

Der Maschinenraum von FINANCE+

Mitte Juni haben wir im Maschinenraum, im „Backend“ der FINANCE-Website und unserer Systeme, einige Updates umgesetzt, um auf dieser neuen Basis mit FINANCE einen Schritt nach vorne zu machen. Das für Sie sichtbare Ergebnis ist FINANCE+, unser neues Premium-Produkt, das das Beste aus unserem FINANCE-Magazin und von FINANCE-Online vereint. Das für Sie Unsichtbare war das Upgrade unseres E-Commerce-Systems auf die modernste Version und die Einführung einer gemeinsamen zentralen Cloudlösung, mit der jetzt sowohl unser Online-Marketing als auch unser Kundenservice arbeiten. 

Im Zusammenspiel hat das in den ersten Tagen noch ordentlich geruckelt, und alle, die das gemerkt haben, bitte ich um Nachsicht und Verständnis. Meine Kolleginnen im Kundenservice haben ihr Bestes gegeben, um für jedes einzelne Problem pragmatisch und im Sinne des Kunden eine Lösung zu finden.

„Die Digitalisierung erhielt bei uns einen Riesenschub. Aber wir mussten beißen.“

Corona-Stress bei FINANCE

Wir mussten bei der Vorbereitung von FINANCE+ auch deshalb so agil vorgehen, weil dies – Corona sei Dank – nicht das einzige digitale Großprojekt auf unserer Agenda war. Das hatten wir so nicht geplant, aber seit dem Lockdown im März erlebte auch bei uns die Digitalisierung einen riesigen Schub. Im gesamten Unternehmen haben wir die Digitalisierung von Medienangeboten und vor allem unseres Event-Geschäfts vorangetrieben. Das Redaktionsteam, die Kollegen aus dem Event-Bereich und unser Digitalteam haben Hand in Hand gearbeitet, um unsere ersten digitalen Konferenzen als MVPs umzusetzen. Schon früh hat sich gezeigt, dass jedes Projekt besser als das vorherige wurde, weil wir uns weiterentwickelt haben, gemeinsam mit unseren Teilnehmern und Kunden, die ja die gleiche steile Lernkurve hochgejagt wurden wie wir.

„Alle arbeiteten ein bißchen länger, etwas unternehmen konnte ja ohnehin niemand.“

Nicht nur bei Events, auch bei unserem publizistischen Angebot mussten wir beißen. Die Nachfrage nach guten und relevanten Texten – von Corona auf nie gekannte Höhen getrieben – haben wir auf all unseren Websites in den Besucherzahlen gesehen. Die FINANCE-Redaktion ist in News, Interview- und Themenangeboten regelrecht ertrunken.

Notfinanzierungen, Insolvenzen und Rückmeldungen aus Finanzabteilungen, die in all ihren Dimensionen von Neuem überrollt wurden, lieferten dem Team tagein tagaus mehr Ansätze für Artikel, als es bewältigen konnte. Alle arbeiteten „ein bißchen“ (wie unser Online-Chefredakteur mir sagte) länger. Etwas unternehmen oder Freunde treffen konnte ja ohnehin niemand.

Im Endeffekt entstanden so zahllose Artikel, die hoffentlich dem einen oder anderen von Ihnen halfen, in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg kluge Entscheidungen zu treffen und den Überblick zu behalten über all das, was sich außerhalb Ihres Unternehmens, aber im Herzen Ihres Geschäfts veränderte. Ich bin stolz darauf, denn wie mein Team sich in der Coronakrise behauptete, entspricht im besten Sinne unserem Purpose: #gemeinsamwachsen

Die VUCA-Welt ist here to stay

Etwas aus der Distanz betrachtet, wirkt die Entwicklung der Deutschen Corona-Warn-App beispielhaft für die Herausforderungen in der neuen Wirklichkeit. Während in Österreich ein Verein schon früh eine Corona-App an den Start gebracht hat und sie kontinuierlich verbessern will, versuchen wir in Deutschland, die perfekte Lösung vom Start weg zu launchen. Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile. Aus meiner Sicht bietet der schnelle Start mit einem MVP mehr Vor- als Nachteile. Aber dieses unterschiedliche Vorgehen trifft uns aus meiner Sicht im Kern von Management-Glaubenssätzen: Der Perfektions- und Ingenieursansatz trifft auf Agilität und Beta-Status. 

Als Verlag leben wir in beiden dieser Welten schon lange – das liegt daran, dass die meisten digitalen Trends in der Vergangenheit die Medien mit als erstes getroffen haben. Unser Anspruch an ein gedrucktes Produkt mit feststehendem Drucktermin und nicht mehr zu ändernden Seiten steht dem kurzfristigen Arbeiten für die digitalen Medien, die sich kontinuierlich weiterentwickeln, gegenüber. Auch wenn der Qualitätsanspruch bei beiden Gattungen identisch ist, sind doch mitunter andere Tugenden gefragt.

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Die Corona-Wirklichkeit (und hoffentlich irgendwann auch die Post-Corona-Welt) wird uns gezeigt haben, dass wir mit digitalen und agilen Methoden eine Menge schaffen werden. Und wir können davon ausgehen, dass die Welt nach Corona eine andere sein wird. Wir werden mehr denn je in einer „VUCA“-Welt leben (Volatilität – Unsicherheit - Komplexität – Mehrdeutigkeit). Für diese Welt sind agile Methoden das beste Rüstzeug. Denn machen wir uns nichts vor: Wir stehen vor vielen Veränderungen in den Unternehmen, im Business und in der Art und Weise, wie wir vieles machen. Lassen Sie es uns gemeinsam angehen!

ole.jendis[at]frankfurt-bm.com

„Inside FINANCE“ ist der FINANCE-Blog von Ole Jendis, dem Leiter des Geschäftsbereichs Finanzen in F.A.Z.-Fachverlag, in dem FINANCE erscheint. Er liefert persönliche Einblicke in die Strategie- und Entwicklungsarbeit rund um FINANCE.