Beliebt bei Kunden und Angestellten: Die Mittelstandsanleihe von Hanse Yachts.

HanseYachts

02.06.14

Hanse Yachts: Investoren für die Zukunft

Das Unternehmen Hanse Yachts hat eine Mittelstandsanleihe platziert. Die zugehörige Meldung weckt beim kritischen Lesen jedoch eine gewisse Skepsis.

Bis zu 20 Millionen Euro wären Hanse Yachts bei der jüngst begebenen Mittelstandsanleihe willkommen gewesen, am Ende wurden es 13 Millionen Euro – kein glatter Durchmarsch, aber auch kein totales Desaster. Schön, dass  die Autoren der zugehörigen Pressemitteilung dennoch auf abgedroschene Wortspiele à la „Hanse Yachts platziert in schwierigem Fahrwasser“ verzichtet haben.

Eher unglücklich formuliert sind dagegen die Kommentare von CFO Sven Göbel zur Transaktion, etwa zu ihrer Bedeutung  für den Boothersteller: „Es ist dem Unternehmen gelungen, im derzeit schwierigen Markt der Mittelstandsanleihen einen für uns wichtigen und großen Beitrag zur Sicherung unserer Zukunft zu gewinnen“, wird er zitiert. Das soll vermutlich heißen: „Beruhigt euch, mit diesen Mitteln ist unsere Zukunft gesichert, alles wird gut.“

Doch dass der Beitrag für die Zukunftssicherung nicht einfach „wichtig“ oder „groß“, sondern gleich beides sein muss, lässt die von Berufsskepsis geprägten Journalisten aufhorchen. Suggeriert dies womöglich, dass die Zukunft ohne diese Mittel nicht ganz so wahnsinnig rosig ausgesehen hätte? Das dürfte nicht ganz die  Botschaft sein, die Hanse Yachts im Unterbewusstsein der frisch gebackenen Anleihezeichner verankert haben möchte.

Überhaupt die Anleihezeichner, wer sind sie? Das Unternehmen gibt freimütig Einblick: „Besonders freut uns, dass wir bei den Zeichnern viele Kunden, Lieferanten und Angestellte begrüßen dürfen“, heißt es in der Meldung. Eine enge Bindung dieser Gruppen an das Unternehmen ist super, keine Frage.

Nur weiß auch jeder, dass Kunden, Lieferanten und Angestellte ihr ganz eigenes Interesse am Gelingen einer Finanzierung haben, weil sie aus nachvollziehbaren Gründen möchten, dass der Emittent als Geschäftspartner und Arbeitgeber bestehen bleibt. Ein hoher Anteil an „Friends and Family“ könnte signalisieren, dass die Emission am breiteren Markt keine allzu große Nachfrage ausgelöst hat – vor allem im Zusammenhang mit Botschaft Nummer eins. Aber so hat es ja vermutlich niemand gemeint.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Aufgeblähte Formulierungen, Doppeldeutigkeiten, Verwirrendes: Im Blog „Subtext“ durchstöbert Sabine Reifenberger die Untiefen der Nachrichtenwelt und ergründet verborgene Botschaften, die vermutlich niemand je so tätigen wollte.