Blockchain ist offenbar spannender als Eistee: Die Long Island Iced Tea Corporation wechselt das Geschäftsfeld – und der Aktienkurs dankt es.

peshkov/iStock/Thinkstock/Getty Images

04.01.18
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Irgendwas mit Blockchain halt

Eine US-Firma, die bislang Eistee produziert hat, will künftig Blockchain-basiertes Geschäft betreiben. Details dazu? Bislang Fehlanzeige. Trotzdem explodierte der Aktienkurs.

In den Neunzigerjahren, als das Internet noch keine allzu große Bedrohung darstellte, man in Redaktionsgebäuden noch rauchen durfte und Journalisten sich regelmäßig auf Pressereisen verlustierten, war es unter jungen Menschen eine Zeitlang en vogue, als Berufsziel „was mit Medien“ auszurufen. Die Vorstellungen waren wenig konkret, aber „was mit Medien“ klang interessant, einen Kugelschreiber wusste man zu benutzen, und viele Redaktionsjobs begannen am Morgen erst zwischen 9.30 und 10 Uhr.

Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass die Medienbranche nicht mehr so stark auf Rosen gebettet ist. Doch es gibt neue Zauberwörter. Eins davon heißt Blockchain: Das klingt nach Zukunft und nur die wenigsten haben eine Vorstellung davon, was die Technologie überhaupt ermöglicht – ein perfektes Spielfeld, um einen Hype zu entfachen. Wer nur mit ausreichend Überzeugung von seinen Blockchain-Plänen berichtet, hat schon bei mäßigem Wissensstand gute Chancen, als Experte durchzugehen.

Dass inzwischen allein schon die Verheißung auf eine wie auch immer geartete Blockchain-basierte Tätigkeit ausreicht, um Aktienkurse explodieren zu lassen, hat kürzlich ein US-Unternehmen bewiesen: Die Long Island Iced Tea Corporation gab Ende Dezember bekannt, sich als Long Blockchain Corporation neu erfinden zu wollen – ein Schachzug, den in den vergangenen Monaten bereits andere kleinere Börsenwerte vorgemacht haben. Von außen betrachtet kein ganz naheliegender Schritt für einen Getränkeproduzenten, den das Management aber recht lapidar mit dem Verweis auf allgemeine Marktchancen zu begründen weiß.

Vom Eistee zur Blockchain: Der Aktienkurs steigt

Das Unternehmen, dessen offizielle Unternehmenspräsentation noch im Oktober nichts von den späteren Blockchain-Ambitionen erahnen ließ, glaubt einer Mitteilung zufolge an das Potential der Technologie, ganze Märkte zu revolutionieren. Daran wolle man teilhaben. Wie genau, ist noch offen: Die Long Blockchain Company teilte lediglich mit, Möglichkeiten zu prüfen. Dabei sei man in einem frühen Stadium. Denkbar seien Partnerschaften mit, Zukäufe von oder Investitionen in Unternehmen, die unter anderem Infrastruktur im Finanzbereich anbieten. Feste Vereinbarungen gebe es bislang aber nicht.

Die Umbenennung freut die Aktionäre

Obwohl der Strategieschwenk bislang noch nicht mit konkreten Projekten untermauert ist, reagierten die Anleger : Der Namenswechsel verhalf dem an der Nasdaq notierten Unternehmen zu einem Kurssprung von 2 auf zwischenzeitlich mehr als 9 US-Dollar, der Schlusskurs am Tag des Strategiewechsels lag dann bei knapp 7 Dollar. Bei solchen Steigerungsraten werden sogar Bitcoin-Investoren hellhörig.

Blockchain-Geschäft braucht mehr als nur einen Namen

Wie nachhaltig der durch den Blockchain-Trigger ausgelöste Aufschwung ist, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Der Aktienkurs ist in den Tagen nach der Ankündigung wieder gefallen und pendelte zur Jahreswende um die 4-Dollar-Marke, danach ging es wieder in Richtung 7 Dollar hinauf. Damit hat die Kursvervielfältigung auch über den Jahreswechsel hinaus gehalten.

Und sollte es mit konkreten Projekten im Blockchain-Umfeld entgegen der Ankündigung des Unternehmens doch nichts werden, bleibt den Aktionären immer noch ein kleiner Trost: Die künftige Long Blockchain Company möchte das Getränkegeschäft als eigene Gesellschaft auch künftig weiterführen. Wenn alle Stricke reißen, könnte die Gesellschaft also zumindest noch „was mit Eistee“ machen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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