Manz wagt sich mit voller Stärke ran an außerplanmäßige Abschreibungen.

Manz AG

25.02.15
Blogs

Manz: Mit voller Stärke ran an die Abschreibung

Wohin bloß mit dem ganzen Gewinn? Diese Frage stellen sich derzeit viele CFOs. Der schwäbische Maschinenbauer Manz dagegen ist fein raus – dank seines Solarsegments.

Das vergangene Jahr lief für den Hightech-Maschinenbauer Manz ziemlich gut: Der Umsatz legte auf rund 306 Millionen Euro zu, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bietet dem Unternehmen eine Fülle von Möglichkeiten: Investitionen, höhere Dividenden, Aufstockung der Forschungsbudgets – alles Dinge, die sich der Öffentlichkeit wunderbar verkaufen lassen.

Bei Manz hat man sich für eine andere Variante entschieden, die in den meisten Finanzabteilungen in etwa  so beliebt ist wie die Steuerprüfung. Natürlich ist das kein Grund, auf einen positiven Duktus zu verzichten. Und so titelte das Unternehmen zur Vorlage seiner vorläufigen Geschäftszahlen: „Manz AG erzielt im Geschäftsjahr 2014 Rekordumsatz und nutzt operative Stärke für außerplanmäßige Abschreibungen im Solarsegment“.

Lieber ein richtig mieses Jahr als zwei mittelmäßige

Rekordumsatz! Operative Stärke! Und jetzt mit Vollschwung ran an ein neues spannendes Projekt: außerplanmäßige Abschreibungen. Zugegeben, das ist nicht ganz so sexy wie eine höhere Dividende. Aber es vermittelt dem geneigten Leser zumindest das beruhigende Gefühl, dass selbst die außerplanmäßigen Abschreibungen beim Maschinenbauer Manz noch einem Masterplan folgen: Jetzt, wo das Geschäft so richtig brummt, kann man endlich mal mit voller Stärke abschreiben.

Tatsächlich ist der Gedanke, der hinter der etwas krampfhaft auf positiv gedrehten Schlagzeile steckt, nicht verkehrt: Manz musste 2014 eine Reihe von Wertberichtigungen, zum Beispiel auf Kundenforderungen, vornehmen, bei denen das Management wenig Gestaltungsspielraum hatte. Und – dieses Spiel kennen die meisten CEOs und CFOs – wenn ein Geschäftsjahr ohnehin belastet ist, dann ist es nicht verkehrt, dort alle sich abzeichnenden Wertberichtigungen mit hineinzupacken, damit anschließend der Weg frei ist für bessere Ergebnisse.

Abschreibungen hinterlassen bei Manz deutliche Spuren

Manz gibt dies auch unumwunden zu. Man habe die negativen Sondereffekte „zum Teil ganz bewusst in Kauf“ genommen, um „von einer sehr stabilen Basis“ durchstarten zu können, ließ sich CEO Dieter Manz zitieren. Und eines muss man dem schwäbischen Selfmade-Unternehmer lassen: Die außerplanmäßigen Aufwendungen in Höhe von 33 Millionen Euro bringen den Konzern bei einer Eigenkapitalquote von rund 54 Prozent, einem positiven operativen Cashflow sowie einer Nettoverschuldung von lediglich 9,2 Millionen Euro nicht an den Rand des Abgrunds. Allerdings ist der durch die Abschreibungen verursachte operative Verlust (Ebit) von minus 32,8 Millionen Euro schon ein dicker Brocken.

Der Plan des Maschinenbauers ist durchaus nachvollziehbar: Lieber ein richtig mieses Jahr, auf das ein deutlich besseres folgt, als zwei Jahre mit mäßigem Ergebnis nacheinander. Dass der Maschinenbauer die hohen Abschreibungen dank operativer Erfolge verkraften kann, ist dabei eine gute Nachricht. Allerdings hätte man das auch einfach so schreiben können. Sonst entsteht fast noch der Eindruck, die Abschreibungen kämen geradezu gelegen. Und so hat es ja vermutlich niemand gemeint.

 

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Aufgeblähte Formulierungen, Doppeldeutigkeiten, Verwirrendes: Im Blog „Subtext“ durchstöbert Sabine Reifenberger die Untiefen der Nachrichtenwelt und ergründet verborgene Botschaften, die vermutlich niemand je so tätigen wollte.