PE-Investor Callista will die Aluminiumgießerei MWK Schwäbisch Gmünd in nur drei Monaten nachhaltig fit gemacht haben.

Thinkstock / Getty Images

06.08.14
Blogs

PE-Investor Callista: Drei Monate Nachhaltigkeit

Portfoliounternehmen zu entwickeln und nach getaner Arbeit wieder zu verkaufen zählt zum Kerngeschäft von Finanzinvestoren. Auch der PE-Investor Callista rühmt sich bei MWK Schwäbisch Gmünd einer nachhaltigen Neuausrichtung. Leider sagt er nicht, wie er das in nur drei Monaten geschafft haben will.

Es klingt zunächst nach einer Deal-Meldung unter vielen: Das Private-Equity-Haus Callista hat sein Portfoliounternehmen MWK Schwäbisch Gmünd verkauft, an den strategischen Investor Eurotech aus den Niederlanden. Die übliche Selbstbeweihräucherung darf da nicht fehlen: „Callista Private Equity hat die MWK Schwäbisch Gmünd seit dem Erwerb erfolgreich neu außerhalb ihres ehemaligen Konzernumfelds positioniert und nachhaltig für den selbständigen Betrieb gerüstet“, schreibt der Investor über sich selbst.

Das klingt nach ganzer Arbeit. Doch im Hinterkopf setzt ein Gedankengang ein, der den aufmerksamen Leser stutzig werden lässt: Callista ist doch noch ein sehr junger PE-Investor. War nicht die mehrheitliche Übernahme der MS Deutschland im Januar die erste abgeschlossene Transaktion? Müsste dann nicht die MWK Schwäbisch Gmünd folglich noch später ins Portfolio gekommen sein?

PE-Investor Callista: Ein Quartal für die Neuausrichtung

Die Callista-Meldung lässt den zeitlichen Rahmen des M&A-Deals der Einfachheit halber gänzlich unerwähnt. Doch der Blick ins Archiv zeigt: Callista hatte die Aluminiumgießerei MWK Schwäbisch Gmünd und den Schwesterbetrieb MWK Renningen erst im April dieses Jahres übernommen, zuvor gehörten die Gießereien zur Unternehmensgruppe Georgsmarienhütte. Und seitdem?

„Wir haben MWK Schwäbisch Gmünd als mittelständischen Betrieb etabliert und nachhaltig fit gemacht“, klopft sich Callista-COO Marc Zube anlässlich des Weiterverkaufs selbst auf die Schulter. Vom Konzernteil zum eigenständigen Mittelständler, neu ausgerichtet, fit für die Zukunft, und das alles – hexhex – in einem Zeitrahmen von nicht einmal vier Monaten. An dieser Stelle dürften die ersten M&A-Verantwortlichen, die sich schon einmal über Monate hinweg mit Carve-out-Plänen herum geplagt haben, langsam nachdenklich werden –  oder sich um ein Praktikum bei Callista bewerben.

Was passiert mit der MS Deutschland?

Finanzielle Details zum Quickflip bleiben in traditioneller Finanzinvestorenmanier zwar unbeantwortet, doch Callista verkündet: „Mit dieser Transaktion konnten wir eine signifikante Wertsteigerung für unsere Investoren erzielen.“ Da kann man sich schon fragen, wie sich erst die Werte beim Schwesterbetrieb MWK Renningen entwickeln werden. Der bleibt nämlich zunächst im Portfolio. Passenderweise hat Callista kürzlich auch angekündigt, bei der Restrukturierung der MS Deutschland alle Optionen zu prüfen – mit einer Haltedauer von rund acht Monaten könnte das Traumschiff ja auch bald schon Schimmel im Portfolio ansetzen.

Für den weiteren Jahresverlauf hat Callista übrigens weitere Zukäufe angekündigt. Wie lange die im Portfolio bleiben sollen, lässt sich nur vermuten. COO Zube kommentierte den Weiterverkauf der MWK Schwäbisch Gmünd mit den Worten, die Transaktion sei „charakteristisch für den Ansatz von Callista Private Equity.“ Der Quickflip als Basisstrategie? Das wäre in dieser Offenheit mal etwas Neues. Aber so war es ja vermutlich nicht gemeint.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Aufgeblähte Formulierungen, Doppeldeutigkeiten, Verwirrendes: Im Blog „Subtext“ durchstöbert Sabine Reifenberger die Untiefen der Nachrichtenwelt und ergründet verborgene Botschaften, die vermutlich niemand je so tätigen wollte.